Interview mit Richard David Precht

Was dürfen die Zuschauer in der neuen Sendung "Precht" erwarten?

Im Vorfeld der ersten Sendung der neuen Philosophie-Reihe "Precht" sprach ZDFonline mit dem Gastgeber Richard David Precht über die Hintergründe dieses neuen Formats und seine Motivation, im Fernsehen über philosophische Themen zu sprechen.

Richard David Prechtim Studio seiner Sendung
Richars David Precht im Studio seiner Sendung Quelle: ZDF/Cristian Pirjol

ZDFonline: Sie haben einiges zu Themen der Philosophie publiziert und halten oft Vorträge vor einem Nicht-Fachpublikum. Jetzt bekommen Sie Ihre erste Fernsehsendung. Mit welchen Erwartungen gehen Sie daran?

Richard David Precht: Ich möchte versuchen, gemeinsam mit einem spannenden Gesprächspartner interessante und oft neue anspruchsvolle Gedanken zu vermitteln – sodass der Fernsehzuschauer noch länger darüber nachdenkt, weil er merkt: "So habe ich die Dinge noch nicht gesehen."

ZDFonline: Sie haben die Gabe, philosophische Themen, die ja nun nicht einfach sind, vielen Menschen zugänglich zu machen. Wie unterscheidet sich für Sie das Medium Fernsehen von Ihren bisherigen Publikationsformen?

Precht: Die Sendung ist eine Gesprächssendung in hoch konzentrierter Atmosphäre. Sie ist, anders als meine Vorträge, dialogisch. Die Kunst wird darin bestehen, ein philosophisches Gespräch zu führen, das anspruchsvoll und dennoch breit verständlich ist.

Das alltägliche Leben durchdringen

ZDFonline: Sie entfalten den Inhalt dieser Themen im Dialog mit bekannten Personen des öffentlichen Lebens, die selbst keine Philosophen sind. Versprechen Sie sich davon, dass hierdurch die Reichweite der Philosophie ins Alltagsleben hinein deutlich wird?

Precht: Philosophie ist der Versuch unser alltägliches Leben zu durchdringen und das, was wir oft für selbstverständlich halten, zu hinterfragen und auf neue Weise verständlich zu machen. Würden die Fragen der Philosophie nicht prinzipiell jeden betreffen, so wären diese Fragen keine philosophischen Fragen, sondern – sagen wir mal – akademischer Sport. Solche Gespräche kann man mit Philosophen führen, die in meiner Sendung hoch willkommen sind, aber auch mit Experten aus anderen Disziplinen.

ZDFonline: Sicherlich gibt es durch Medien wie das Fernsehen einen Wandel in der Art, wie sich Philosophie präsentiert. Verändern sich dadurch auch die philosophischen Inhalte oder das Philosophieren selbst?

Precht: Nein, überhaupt nicht. Der Ursprung unseres abendländischen Denkens, die platonischen Dialoge, war ja nichts anderes als eine vorgelesene Talkshow. Das Gespräch gehört untrennbar zum philosophischen Denken – jedenfalls mehr als die Vorlesungspraxis an unseren Universitäten.

ZDFonline: Sie schreiben Bücher und halten Vorträge. Wie groß ist der Reiz, ein Thema im Dialog zu entwickeln und welche Erwartungen haben Sie an diese Gesprächssituation?

Precht: Ich wünsche mir starke, offene und meinungsfreudige Gesprächspartner, mit denen man gemeinsam denken und, wenn es sein muss, auch fechten kann.

Eher John Stuart Mill als Friedrich Nietzsche

ZDFonline: Welche Gesprächsform haben wir zu erwarten? Spielerisch, konfrontativ, sokratisch, interviewend, oder …?

Precht: In erster Linie geht es darum, die Gedanken so klar, schön und verständlich wie möglich herauszuarbeiten und im Gespräch auf den Prüfstand zu stellen. Sokratisch werden die Dialoge nicht. Bei Platon hat Sokrates fast immer das letzte Wort und weiß im Grunde alles besser. Das entspricht weder meiner Selbsteinschätzung noch meiner Rolle.

ZDFonline: Wie würden Sie ihr emotionales Verhältnis zur "Kopfsache" Philosophie charakterisieren?

Precht: Ich bin in meinem Elternhaus mit größter Selbstverständlichkeit an die Philosophie herangeführt worden, und es wurde zu Hause sehr viel intellektuell diskutiert. Insofern bedeutet Philosophieren für mich immer ein bisschen bei sich selbst zu Hause zu sein.

ZDFonline: Haben Sie einen Lieblingsphilosophen und wenn ja, wen?

Precht: Ich habe keinen Lieblingsphilosophen. Natürlich gibt es da Sympathien etwa für David Hume oder John Stuart Mill. Niklas Luhmann war eine wichtige Lektüre-Erfahrung, ebenso wie Wolfgang Cramer. Und es gibt Philosophen, die mir weniger liegen. Mit Nietzsche, der ja fast jedermanns Lieblingsphilosoph ist, kann ich zum Beispiel eher wenig anfangen. Als Literatur ist das schön, aber philosophisch liebe ich eher das Leise als das Laute.

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