Gute Kriege - schlechte Kriege

Precht im Gespräch mit Daniel Cohn-Bendit

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Gibt es einen gerechten Krieg? Angesichts des Einsatzes von Giftgas in Syrien diskutiert Richard David Precht mit dem Europaabgeordneten der GRÜNEN Daniel Cohn-Bendit über Militärinterventionen.

Beitragslänge:
44 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 21.10.2018, 13:46

Durch den verwerflichen Chemiewaffeneinsatz in Syrien, dem wohl über 1000 Zivilisten zum Opfer fielen, steht die Völkergemeinschaft wieder einmal vor der schwierigen Frage, ob und wie man auf einen solch unmenschlichen Verstoß gegen die Menschenrechte reagieren sollte. Diplomatische Verhandlungen, Resolutionen, Embargos, oder gar eine militärische Intervention?

Syrien-Krieg: Armee soll Giftgas eingesetzt haben
Ist ein Militäreinsatz in Syrien nötig und gerechtfertigt? Quelle: ap


Aber auf welcher politischen oder moralischen Grundlage hat wer das Recht oder die Pflicht, bei welchem Grad von Menschenrechtsverletzung mit einem Militäreinsatz zu reagieren? Diese Frage möchte Richard David Precht mit Daniel Cohn-Bendit diskutieren, dem grünen Europapolitiker, dem legendären 1968er-Studentenführer, der sich später zum Befürworter von Militärinterventionen wandelte. Cohn-Bendit, der aus humanitären Beweggründen bereits im Bosnien-Krieg für ein militärisches Eingreifen stimmte, plädierte kürzlich sogar für eine deutsche Beteiligung an einem Militäreinsatz in Syrien.

Die Globalisierung und die damit verbundene Notwendigkeit, Übereinkünfte zwischen den Nationen festzuschreiben, haben das Spannungsverhältnis zwischen Staatssouveränität und Wahrung des Völkerrechts zwangsläufig verschärft. Aber welche Ziele rechtfertigen die Einmischung in die Souveränität eines anderen Landes, das sich Vergehen gegen die Menschenrechte zu Schulden kommen lässt: die Verhinderung weiterer Verbrechen, den Sturz der Landesführung?

Sieg ohne Frieden?

Welches Recht hat vor allem ein einzelner Staat wie etwa die USA, sich selbst das Mandat einer Weltpolizei zu übertragen, um ohne die Zustimmung oder den Auftrag des UN-Sicherheitsrates Militärschläge gegen ausgemachte Schurkenstaaten zu führen? Eine Frage, die umso brisanter klingt, wenn man an Präsident Obamas Äußerung denkt, die USA seien zwar keine Weltpolizei, aber in Syrien stünden die Ideale, Prinzipien und die nationale Sicherheit Amerikas auf dem Spiel. Weshalb hat die Welt sich eigentlich so daran gewöhnt, dass die USA diesen Sonderstatus beanspruchen? Wie können die Vereinten Nationen so reformiert werden, dass sie tatsächlich zum übernationalen Friedensstifter werden?

Gleichgültig, ob man die schwerwiegende Frage eines militärischen Eingreifens unter moralischen, strategischen oder juristischen Kriterien betrachtet, jede Entscheidung muss sich letztendlich auch an den aus ihr tatsächlich hervorgehenden Konsequenzen messen lassen. Ein Land zu besiegen mag einfach sein, es zu befrieden gelingt dagegen nur selten.

Gast der Sendung

Daniel Cohn-Bendit
Daniel Cohn-Bendit

Daniel Cohn-Bendit wurde 1945 in Montauban/Normandie geboren, wo sich seine Eltern, die 1933 vor den Nationalsozialisten aus Berlin nach Frankreich geflohen waren, niedergelassen hatten. Cohn-Bendit wuchs dort auf, ging dann nach Deutschland und machte 1966 das Abitur an der Odenwaldschule. Er studierte Soziologie an der Universität Nanterre und war 1968 Sprecher und Führer der Pariser Mairevolution, wurde im gleichen Jahr aus Frankreich ausgewiesen und engagierte sich in Deutschland beim Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS). Cohn-Bendit wurde Erzieher in der Frankfurter Kinderladen-Bewegung und Buchhändler in der Karl-Marx-Buchhandlung. Er war in den 1970er Jahren verantwortlicher Redakteur und Herausgeber des Magazins "Pflasterstrand" und in der Frankfurter Sponti-Szene aktiv. 1989 bis 1997 war er ehrenamtlicher Dezernent im "Amt für multikulturelle Angelegenheiten" in Frankfurt.

Seit 1978 engagierte sich Cohn-Bendit für die Gründung der Partei "Die Grünen", wo er - wie Joschka Fischer - zum Realo-Flügel gehörte. Er ist seit 1994 Mitglied des Europäischen Parlaments, heute ist er Co-Vorsitzender der Fraktion „Die Grünen/Freie Europäische Allianz" und kandidierte abwechselnd für die deutschen Grünen und die französischen Les Verts beziehungsweise Europe Écologie-Les Verts. Von 1999 bis 2002 war er Vorsitzender der Delegation im gemischten parlamentarischen Ausschuss EU-Türkei. Cohn-Bendit schrieb zahlreiche politische Aufsätze und Bücher, unter anderem “Wir haben sie so geliebt, die Revolution“ (2001), „Heimat Babylon“ (2003) oder „Für Europa. Ein Manifest“ (2012). Zudem ist Cohn-Bendit Kolumnist des französischen Hörfunk-Senders Europe 1. Cohn-Bendit lebt in Frankfurt am Main.

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