Sie sind hier:

Populismus – Ende der Demokratien?

Richard David Precht im Gespräch mit Francis Fukuyama

Der prominente US-Politikwissenschaftler Francis Fukuyama warnt vor der zerstörerischen Macht des Populismus.

Beitragslänge:
44 min
Datum:
Verfügbarkeit:

Fukuyama glaubte nach dem Ende des Ostblocks an den endgültigen Sieg unserer Demokratien und verkündete das „Ende der Geschichte“. Aber müsste man heute nicht eher vom Ende der liberalen Demokratien sprechen, fragt Richard David Precht.

Haben Nationen eine Zukunft?

Jeder denkt nur noch an sich und kaum jemand sichert das Gemeinwohl und den Zusammenhalt. Hat die Idee des Nationalstaats ausgespielt, weil nur noch aggressive Nationalisten und Populisten sie verteidigen, fragt Richard David Precht seinen Gast Francis Fukuyama. Oder können Nationen auch in Zukunft eine demokratische, alle Bürger vereinende Identität stiften? Mit seinem gerade erschienenen Buch „Identität“ bietet Fukuyama eine neue, eher psychologische Erklärung für den gegenwärtig um sich greifenden Populismus an.

Fukuyama bei Precht: „Viele Menschen, die für populistische Parteien stimmen, fühlen sich nicht anerkannt. Sie glauben, die Eliten hätten ihre Wünsche ignoriert, indem sie die Europäische Union stark machten, ein Einwanderungssystem einführten, das den Charakter ihrer Gesellschaften verändert habe - sie fühlen sich in ihrer nationalen Identität bedroht. Und das ist das grundlegende Thema, das heute viele Menschen zur politischen Rechten treibt.“

Klare Regeln für die Einwanderung

Für das Erstarken der Populisten macht Fukuyama auch Staatsführer wie Donald Trump verantwortlich, der für ihn „eindeutig weit außerhalb jeder Art von amerikanischer Verfassungstradition“ stehe. Populisten könne man erfolgreich entgegen treten, wenn man klare Regeln für Einwanderung und Integration bilde. Fukuyama: „Die Tatsache, dass die Nationen nicht die souveräne Kontrolle über ihre Grenzen haben, ist eines der Elemente, die den Populismus nähren.“

Ein weiblicher Fan der deutschen Fußball-Nationalmannschaft mit Kopftuch hält beim Public Viewing in Sandhausen die Deutschlandfahne in Deutschlandfarben (Schwarz, Rot, Gold) in der Hand.
Quelle: imago/foto2press

Fukuyama plädiert für eine Nation, in der alle Platz haben sollen, in der aber auch alle sich vorbehaltlos hinter den Staat und seine Verfassung stellen, sowie gemeinsame Werte teilen sollten. Fukuyama kritisiert bei „Precht“ die deutschen Einwanderungsgesetze: „Ich denke, dass die geltenden deutschen Gesetze zu restriktiv sind“. Das Adjektiv „deutsch“ habe immer noch eine ethnische Bedeutung, was sich ändern müsse. Fukuyama: „Warum sollte nicht jemand türkischer Herkunft, der fast nur noch Deutsch spricht, der in Deutschland aufgewachsen ist, der die deutschen Gesetze und das Grundgesetz rundum bejaht, warum sollte dieser Mensch sich nicht selbst als ein echter Deutscher begreifen dürfen, verglichen mit jemandem, der ethnisch betrachtet Deutscher ist?“

Angst vor Identitätsverlust

Vor allem anderen, so Fukuyma, sehne sich der Mensch nach Anerkennung und einer greifbaren Identität. In Anlehnung an Platon interpretiert er die Empörung von Trump-Wählern, Pegida-Anhängern oder Brexit-Befürwortern als eine Reaktion auf den Verlust der eigenen Identität. Es sei weniger die soziale Ungleichheit oder der kaltherzige Neoliberalismus, der die Menschen gegeneinander aufbringe, als der Verlust der eigenen Würde, schreibt Fukuyama. Ganze Bevölkerungsschichten fühlten sich von der etablierten Politik nicht beachtet und nahezu „unsichtbar“. Bürgerinnen und Bürger, die um ihren Mittelschichtsstatus fürchteten. Doch ist diese Identitätskrise, so hält Richard David Precht dagegen, nicht eben nur das Symptom eines alles fressenden Turbokapitalismus?

Zitate von Francis Fukuyama bei Richard David Precht

Literaturtipps von Richard David Precht

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.