Wer ist schuld an den Schulden?

Jean-Claude Juncker zu Gast bei Precht

Gesellschaft | Precht - Wer ist schuld an den Schulden?

In der neuesten Ausgabe seiner Sendung spricht Precht mit dem Luxemburger Ministerpräsidenten Juncker über die Frage, wer schuld ist an den Schulden und ob das herrschende Zinssystem gerecht ist.

Beitragslänge:
44 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 10.05.2018, 13:54

Prominenter Besuch bei "Precht", der Philosophiesendung des ZDF: Richard David Precht begrüßt am Sonntag, den 12. Mai 2013, den Luxemburger Premierminister Jean-Claude Juncker, der von 2005 bis 2013 auch Chef der Euro-Gruppe war. Als Krisenmanager gewann er, wie kaum ein anderer einflussreicher Politiker Europas, tiefe Einblicke in das Betriebssystem unserer Währung und unserer Finanzwelt.

Geier aus Holz sitzt auf einer Deutschlandflagge mit Geldscheinen im Hintergrund
Steht der Pleitegeier wirklich schon bereit? Quelle: imago

Precht fragt ihn in der Sendung: Wer ist schuld an den Schulden? Wie konnte es zur Finanzkrise kommen? Ist es notwendig, sich immer weiter zu verschulden, oder gibt es eine Alternative zum Mechanismus von Gläubigern und Schuldnern? Juncker sieht das eigentliche Problem der Krise darin, dass sich die Finanzwirtschaft in weiten Teilen von der Realwirtschaft losgelöst habe. Jean-Claude Juncker: „Ich würde wahrscheinlich diesen Finanzinzest nicht verbieten, aber die, die ihn betreiben, sollen an den Inzestfolgen alleine leiden müssen und nicht die Allgemeinheit in die Pflicht nehmen.“

Richard David Precht konstatiert, dass das Kosten-Nutzen-Kalkül heute in den Vordergrund getreten, das Zwischenmenschliche zurückgegangen sei: „Wir haben eine Diktatur der Marktnormen, die die Sozialnormen kannibalisieren.“ Juncker fordert, dass die Finanzwirtschaft sich wieder stärker dem Gemeinwohl verpflichten solle. „Ich habe die Sorge“, so Juncker, „dass die Gemeinwohlorientiertheit im Leben und an den Finanzmärkten kaum noch eine Rolle spielt.“ Zudem beklagt der Luxemburger Premierminister Auswüchse des Finanzsystems: „Es macht mich wirklich krank, dass mit Grundnahrungsmitteln spekuliert wird. Das halte ich nun wirklich für eine Sünde, eine weltliche Sünde, das darf man nicht tun.“

Gast der Sendung

Jean-Claude Juncker
Jean-Claude Juncker Quelle: imago

Jean-Claude Juncker wurde 1954 in Redingen, Luxemburg, geboren. 1974 machte er Abitur und trat der konservativen, christ-sozialen Partei Luxemburgs (CSV) bei. Es folgte ein Studium der Rechtswissenschaft in Straßburg, das er 1979 abschloss. Ein Jahr später wurde er als Anwalt zugelassen, übte diesen Beruf jedoch nie aus, sondern widmete sich voll und ganz der Politik. Bereits 1982 wurde er Staatssekretär und 1989 luxemburgischer Minister. 1995 stieg er zum Premier- und Finanzminister auf und übernahm die Vertretung seines Landes beim Internationalen Währungsfonds.

Von 2004 bis Anfang 2013 war Juncker Vorsitzender der Euro-Gruppe, obwohl eigentlich dieses Amt nur maximal vier Jahre lang von einer Person geführt werden sollte. Die Euro-Gruppe versteht sich als Gremium zur Koordinierung der Finanz- und Wirtschaftspolitik der Euro-Länder. Allerdings handelt es sich bei ihr um ein informelles Organ, das nicht berechtigt ist, Beschlüsse zu fassen. Damit ist die Euro-Gruppe aber noch lange kein zahnloser Tiger. Ihre Empfehlungen und Warnungen werden durchaus gehört und finden Eingang in die Beschlüsse des Rats für Wirtschaft und Finanzen der EU. Nachdem der vielfach ausgezeichnete Juncker - unter anderem mit mehreren Ehrendoktortiteln und dem Aachener Karlspreis - zu Beginn dieses Jahres von seinem Posten zurückgetreten ist, wird er,  je nach Ausgang der Wahl zum Europaparlament 2014, als Kandidat gehandelt für den Posten des Präsidenten der Europäischen Kommission.

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