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Die Spur der Verschwundenen

Istanbuls Familien gegen das Vergessen

Die Spur der Verschwundenen

In der Türkei sind Hunderte Menschen im Polizeigewahrsam verschwunden. Seit 23 Jahren machen die "Samstagsmütter" von Istanbul mit ihren Protesten auf das Verschwinden ihrer Kinder, Ehepartner und Geschwister aufmerksam.

Sendetermin:
Im TV-Programm: arte, 06.05.2019, 19:40 - 20:10
Datum:
Verfügbarkeit:
Leider kein Video verfügbar

Doch im August 2018 werden die Proteste von der Erdogan-Regierung verboten und von der Polizei gewaltsam zerschlagen. Gibt es noch Hoffnung für die Familien?

Für die pensionierte Lehrerin Ikbal Eren ist die Suche nach ihrem Bruder Hayrettin eine Lebensaufgabe. Der damals 26-jährige wurde im Zuge des Militärputsches 1980 in Istanbul von der Polizei festgenommen und tauchte nie wieder auf. Vermutlich wurde der linke Aktivist zu Tode gefoltert. Wie er verschwanden in den 80er und 90er Jahren viele Hundert Menschen in Polizeihaft, vor allem Kurden und Linke. Ikbal und Angehörige anderer Verschwundener protestieren dagegen jeden Samstag auf dem zentralen Galatasaray-Platz in Istanbul - und das seit über 20 Jahren.

Auch Ikbals Bruder Faruk ist oft dabei. Er ist Journalist, links und regierungskritisch. Im Herbst 2018 verlor er seine Stelle als leitender Redakteur der Zeitung Cumhuriyet. Arbeitslos geworden, beginnt er ein Buch über seinen verschwundenen Bruder zu schreiben – eine emotional belastende Aufgabe. Denn die aktuellen Ereignisse wühlen alte Wunden wieder auf. Im August 2018 wird der friedliche Protest der „Samstagsmütter“ von der Polizei gewaltsam zerschlagen und verboten. Die Regierung wirft ihnen Verbindungen zur PKK vor.

Die Menschenrechtsanwältin Gülseren Yoleri betreut mit dem Verein IHD die Familien der Verschwundenen. In den letzten zwei Jahren seien wieder Dutzende Oppositionelle vorübergehend entführt und gefoltert worden, erklärt sie. Yoleri fürchtet, der türkische Staat könnte wieder zu seinen brutalen Methoden der 90er Jahre zurückkehren. Mit den Samstagsmüttern will sie auf vergangene und aktuelle Fälle aufmerksam machen, bevor es zu spät ist – und aller Staatsgewalt zum Trotz.

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