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Knast ohne Gitter

Wie gut funktioniert alternatives Strafen?

Unsere Gefängnisse platzen aus allen Nähten und das ist teuer. Bis zu 130 Euro kostet jeder Gefangene den Steuerzahler – Tag für Tag. Wie könnte Strafe ohne Gefängnisse funktionieren?

Beitragslänge:
32 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 15.01.2020

Sedin, 22, verbüßt seine Strafe im Seehaus in Leonberg, einer Modelleinrichtung für junge Straftäter. Er lebt in einer WG mit anderen Jugendlichen und Hauseltern. Die Regeln sind streng ...

Viele Häftlinge sitzen wegen kleinerer Delikte ein, zum Beispiel weil sie ohne Fahrkarte Bus gefahren sind und ihre Geldstrafe nicht bezahlt haben. Wie kann Strafe auch ohne Gefängnisse funktionieren? Der 22-jährige Sedin ist kein Kleinkrimineller: Organisierte Bandenkriminalität, Einbruch, Diebstahl, Hausfriedensbruch: Die Liste seiner Delikte ist lang. Zweimal war er schon in regulärer Haft, doch dieses Mal ist alles anders: Er verbüßt seine Strafe im Seehaus in Leonberg, einer Modelleinrichtung für junge Straftäter, lebt in einer Wohngemeinschaft mit anderen Jugendlichen und pädagogisch ausgebildeten Hauseltern. Die Regeln sind streng: Frühsport um sechs Uhr, acht Stunden arbeiten, Bäder und Klos werden selbst geputzt. Das funktionierende Gruppenleben tut Sedin gut: „Die letzten Male, wo ich entlassen wurde, da habe ich immer gesagt: Jetzt lasse ich mich nicht erwischen. Dieses Mal habe ich die Einstellung: Ich mache nichts mehr.“

Um erwachsene Straftäter kümmert sich der Verein PräventSozial in Stuttgart, unter anderem mit dem Programm „Schwitzen statt sitzen.“ Detlef Börstler ist einer der Teilnehmer. Mehrmals wurde er beim Schwarzfahren erwischt und hat seine Geldstrafe nicht bezahlt. Mit Hilfe des Vereins wandelte er seine Strafe in 16 Stunden gemeinnützige Arbeit um – Arbeit, die ihm gut getan hat. Statt einsam in der Zelle zu sitzen, knüpfte er sogar neue Kontakte.

Eine weitere Alternative zur Haft ist die elektronische Fußfessel. In Deutschland tragen manche Täter nach dem Ende einer Gefängnisstrafe Fußfesseln, damit sie weiter überwacht werden können. In Österreich dagegen sind sie eine Strafalternative, um Gefängnishaft zu vermeiden. Karl Peinhart leitet die Überwachungszentrale in Wien und sieht die Vorteile: „Die Leute werden gar nicht erst rausgerissen aus ihrem sozialen Gefüge.“ Bei dem elektronisch überwachten Hausarrest müssen sich Verurteilten an einen strengen Tagesablauf halten, jede Minute ihres Alltags wird genau festgelegt. Das ist oftmals eine enorme psychische Belastung für die Straftäter. Die meisten halten dennoch durch, sind froh, dass ihnen eine Haftstrafe erspart bleibt. Und der österreichische Staat spart jede Menge Geld: Die Überwachung der Fußfesselträger ist viel günstiger als die Unterbringung von Straftätern im Gefängnis.

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