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Venedig nach Corona

Zurück zum Massentourismus?

Das Ausbleiben der gewohnten Touristenströme durch Corona hat vielen Venezianern offenbart, wie wenige Einheimische noch in Venedig leben. Die Lagunenstadt ist auf dem Weg zur Geisterstadt zu werden.

32 min
32 min
16.12.2020
16.12.2020
Video verfügbar bis 15.03.2021

Die letzten Bewohner fordern mehr Lebensqualität und wehren sich gegen ein Zurück zum Massentourismus. Doch die Tourismusbranche steht vor dem Ruin.

Sogar die Schreie der Möwen sind weniger geworden. Es gibt seit Monaten kaum Touristen, denen sie etwas zu fressen stehlen könnten, und so haben viele Möwen Venedig verlassen. Das Ausbleiben der Besuchermassen bedeutet massive wirtschaftliche Probleme in der fast ausschließlich auf Tourismus ausgerichteten Stadt. Und doch atmen die letzten noch verbliebenen Venezianer nach dem ersten Lockdown auf. Jahrzehntelang gab es nicht nur auf der Rialtobrücke oder dem Markusplatz kaum noch ein Durchkommen, auch auf den Kanälen stauten sich die mit Besuchern besetzten Gondeln – zum Nachteil von Anwohnern, Handwerkern oder der Ambulanz-Boote.
Die Venezianer hatten sich an diesen Ausnahmezustand gewöhnt – doch viele Einheimische sind nicht mehr bereit, dahin zurückzukehren und üben Widerstand. Der Rechtsanwalt Andrea Zorzi organisiert Flashmobs gegen neue touristische Bauvorhaben in einem der letzten intakten Wohnviertel, die Society-Lady und Umweltaktivistin Jane da Mosto macht gegen die Rückkehr der Kreuzfahrtschiffe mobil.
„Radikal Chic“ nennt der Hafenarbeiter Silvestro Ravagnan das Engagement gegen die Tourismusindustrie in weiten Kreisen der Bevölkerung. Er selbst ist arbeitslos seit die Kreuzfahrtschiffe wegen Corona ausbleiben.
Doch mit einem „Weiter wie bisher“ ist Venedig auf dem Weg, „zu einer Kopie seiner selbst zu werden,“ sagt die Künstlerin Sara Tirelli. Sie zeigt ihr Venedig, in dem gerade die Weichen für die Zukunft gestellt werden – denn, so sagt sie, „Venedig soll wieder eine lebenswerte Stadt und kein touristischer Vergnügungspark sein.“

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