Abschiebung nach Persien

Reza Mamipourabris Zukunft ist ungewiss. In ein paar Tagen entscheidet das Verwaltungsgericht Ansbach, ob er in Deutschland bleiben darf oder ihm die Abschiebung in den Iran droht. Vor sieben Jahren ist er zum Christentum übergetreten.

Die Vorstellung, in den islamischen Gottesstaat zurückkehren zu müssen, macht ihm Angst: "Wenn ich im Flughafen lande, dann werde ich von der Geheimpolizei verhört und ich muss erklären, warum ich rausgegangen bin und was ich acht Jahre in Deutschland gemacht habe."

Übertritt zum Christentum

Arbeiten darf Reza als Asylbewerber nicht, trotzdem führt er ein erfülltes Leben. Die Freie Missionsgemeinde Ansbach hat ihn mit offenen Armen aufgenommen und ihn auf seinem Weg zum Christentum begleitet.


Reza ist davon überzeugt, dass er den rechten Glauben für sich gefunden hat. Aber seine Familie im Iran war entsetzt, als sie von der Taufe erfahren hat, für einen seiner Brüder gilt er seither als Verstoßener: "Es gibt dann Spannungen in der Familie, mit den Eltern, wenn man dann erfährt, dass man einen anderen Glauben angenommen hat. Man wird als ein unwürdiger, todeswürdiger Mensch bezeichnet."

Christsein als Todesurteil?

Das Verwaltungsgericht hält das für übertrieben. Rezas religiöses Existenzminimum sei im Iran nicht gefährdet, eine Verfolgung unwahrscheinlich, so ein Urteil vom Dezember 2003. Doch Menschenrechtsorganisationen schätzen die Lage ganz anders ein.

Markus Rode vom Christlichen Hilfswerk "Open Doors" meint dazu: "Es ist im November letzten Jahres ein Pastor, ein Konvertit, ermordet worden und die Todesurteile werden meistens nach dem Shariagesetz - das steht so im Koran - auch durch die Familien vollstreckt. Jemand, der dort bekannt wird als Konvertit, hat wirklich keine Chance, wenn er Jesus Christus bekennt. Er wird verfolgt." Herbert Veit von Amnesty International fügt noch hinzu: "Das ist dann den Richtern überlassen, was sie mit so einem Mann machen, falls er angeklagt wird. In Wirklichkeit wird er nicht wegen Abfall vom Glauben angeklagt werden, sondern wegen irgendwelcher vorgeschobener Vergehen oder Verbrechen."

Bleiberecht durch Taufe?

Das Hin und Her um die Anerkennung konvertierter Christen wie Reza geht weiter, geschürt auch von der Befürchtung, dass Asylbewerber aus islamischen Staaten allein durch die Taufe ein Bleiberecht erzwingen könnten. Rezas Gemeinde hofft, dass diese Grundsatzdebatte nicht auf Kosten eines Einzelnen ausgetragen wird.

Um das Gericht von seiner Aufrichtigkeit zu überzeugen, haben sie sogar Unterschriften gesammelt: "Es sind momentan 2804 Unterschriften, die geleistet wurden, und mit denen viele Menschen hier aus Deutschland sich dafür ausgesprochen haben, dass Reza hier bleiben kann", erklärt Günter Pörschmann von der Freien Missionsgemeinde Ansbach.

Musterprozess in Glaubensfragen

Auch Rezas Anwalt Oswald Seitter hofft auf ein Einsehen der Richter. Nach all den Jahren in Deutschland, in denen der Iraner vorbildlich als Christ gelebt und sich intensiv um seine Integration bemüht hat, wäre die Abschiebung ein Schlag ins Gesicht: "Das ist ein Musterprozess und ich hoffe, dass er gut ausgeht und damit vielen Menschen eine echte Hilfe ist und das Leben rettet."

Die Unterstützung seiner Freunde aus der Gemeinde hat Reza die Kraft gegeben, immer neue Amtsbescheide und Gerichtsverfahren durchzustehen. Zum nächsten vielleicht alles entscheidenden Termin sind es noch drei Tage. Die Hoffnung auf ein glückliches Ende bleibt.

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