Brot – Kulturerbe und Massengut

Bäcker wehren sich gegen Konkurrenz

Gesellschaft | sonntags - Brot – Kulturerbe und Massengut

In der Düsseldorfer Innenstadt wollen wir wissen, welches Brot am besten schmeckt. Drei Brote stehen zur Auswahl: vom Handwerksbäcker, vom Backshop und vom Öko-Bäcker.

Beitragslänge:
3 min
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Video verfügbar bis 19.04.2019, 10:23

Die Deutschen gelten als Brotweltmeister – über 300 Sorten haben Experten gezählt. Die Bäcker-Innung will das Brot nun sogar zum Weltkulturerbe erklären lassen. Zugleich nimmt die Vielfalt der Hersteller ab. Viele kleine Bäckereien müssen schließen - auch weil Tankstellen und Schreibwarenläden ihnen Konkurrenz machen.

Wenn Deutsche ins Ausland reisen, vermissen sie schon bald ihr Schwarzbrot. Diese bekannte Erfahrung greift auch ein Werbefilm des deutschen Bäckerhandwerks auf. Das deutsche Brot soll immaterielles Weltkulturerbe werden, auf dass seine regionale Vielfalt und die Backtraditionen gewahrt bleiben mögen. Das Bewerbungsverfahren bei der Weltkulturorganisation Unesco läuft. Frühestens 2016 könnte Brot in deren Verzeichnis aufgenommen werden.

Pro Jahr verschwinden 500 Bäckereien

Unabhängig davon, wie wirksam ein Unesco-Schutzschirm wäre: Die Qualität der deutschen Brotsorten scheint bedroht. Das liegt daran, dass Brot in der Massenfertigung günstiger hergestellt und in Supermärkten angeboten werden kann. Das liegt auch daran, dass Brot aus dem kleinen Bäckereibetrieb nicht mehr von allen Deutschen so geschätzt wird wie früher.

Der Trend lässt sich an Zahlen ablesen. Seit der Jahrtausendwende sind jedes Jahr im Durchschnitt 500 Bäckereibetriebe verschwunden. Waren es im Jahr 2000 noch 19.800, sind 13 Jahre später davon noch 13.700 übrig. Und die ganz großen Unternehmen machen etwa zwei Drittel des Geschäfts. „Dagegen kann man nichts machen“, sagt Präsident des Bäckerverbandes Peter Becker. Es handele sich um einen Konzentrationsprozess, den es auch anderswo im Wirtschaftsleben gebe. Doch er räumt ein, dass die Bäckermeister momentan von mehreren Seiten in die Zange genommen werden. Supermarkt-Ketten erhitzen vorgebackenes Brot und verkaufen es als frische Backware. Mit Aldi-Süd führt der Verband deshalb einen Prozess, in dem erst einmal Gutachter über die Begriffe streiten.

Snack und Mittagessen beim Bäcker

Hinzu kommen Tankstellen, Postfilialen oder Schreibwarenläden, die nebenbei auch Brot, Brötchen und Kuchen verkaufen. Oft werden Teiglinge in einem Gerät erhitzt, aber Backen im eigentlichen Sinne ist das nach Ansicht des Bäckerverbandes nicht. Deshalb ist auch dieser Trend den Handwerksbäckern ein Dorn im Auge. Beckers Bäckerverband prüft jetzt im Verbund mit den Verbraucherzentralen juristische Schritte. Die Branche denkt auch daran, die Handwerksordnung zu ändern, damit künftig die "Bäckerei" als Handwerksbetrieb geschützt ist wie schon jetzt der Beruf des Bäckermeisters.

Zugleich weiten die Bäckereien selbst ihr Geschäft aus - auf den Verkauf von Kaffee, Snacks und Mittagessen zum Mitnehmen oder auch Verzehr im Laden. Eine Milliarde solcher Gastronomie-Besuche in Bäckereien soll es 2013 nach Schätzung der Marktforscher von GfK gegeben haben, mehr als in den etablierten Schnellimbissketten.

„Tag des deutschen Brotes“ am 5. Mai

Diverse Image-Aktionen sollen verhindern, dass das Brot als Lebensmittel weiter an Bedeutung verliert. Für den 5. Mai hat die Branche einen "Tag des deutschen Brotes" ausgerufen. Der Fernsehkoch Tim Mälzer wurde dafür als Botschafter gewonnen. Zweimal im Jahr erscheint künftig ein Lifestyle-Magazin namens "Brot".

Auch bei sonntags – TV für Leben geht es am Ostersonntag ums Brot und die Frage: Was passiert mit unserem einstigen Lebensmittel Nummer 1 – ist es nur noch ein schneller Mineralien- und Kalorienlieferant, oder doch mehr?

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