Buchtipps: Wie uns unsere Kindheit prägt

Warum sind wir so, wie wir sind? Eine Frage, die schnell über die eigene Kindheit grübeln lässt. Wir stellen Ihnen drei Bücher vor, die aus unterschiedlichen Perspektiven die Bedeutung früher Erfahrungen auf das spätere Leben  beleuchten.

Lass die Kindheit hinter dir
Das Leben endlich selbst gestalten
Von Ursula Nuber
Taschenbuch – 240 Seiten
Campus Verlag (2012)

„Wie war ihre Kindheit?“ Eine Frage, die sicherlich jeder Erwachsene einmal beantworten durfte. Auch Experten betonen den Einfluss der Kindheitserfahrungen auf das spätere Leben. Die renommierte Diplompsychologin Ursula Nuber zeigt in ihrem neuen Buch, wie es möglich ist, sich von den Blockaden und negativen Einflüssen der Vergangenheit zu lösen.

Die Kindheit prägt und stellt Weichen. Das Elternhaus, Schulkameraden und Freunde wirken auf uns ein. Sie bestimmen mit, ob wir uns sicher, selbstbewusst oder ängstlich fühlen und wie wir mit Wut, Schmerz und Trauer umgehen. All diese Gefühle können im Erwachsenenleben fortwirken und uns die Frage stellen, weshalb wir so sind, wie wir sind. Laut Nuber zwingen jedoch die Erfahrungen aus der Kindheit nicht zu einem unabänderlichen, festgefahrenen Verhalten, wie es viele Menschen annehmen, die sich dann damit abfinden.

Die Autorin nennt beispielhaft zahlreiche Situationen aus dem Arbeits- und Privatleben, die Erfahrungen aus der Kindheit gegenübergestellt werden. Das Wissen, wie wir uns heute in bestimmten Situationen verhalten und wann wir in unserer Kindheit Angst, Wut oder Trauer verspürt haben, ist für Nuber ein Weg, sich mit der Vergangenheit zu versöhnen. Die Versöhnung wiederum ist Voraussetzung, um Ängste und eingeübte Verhaltensweisen aus der Kindheit abzulegen.

Die Autorin, die zugleich stellvertretende Chefredakteurin der Zeitschrift Psychologie Heute ist, vermittelt fundiertes Wissen in einer höchst unterhaltsamen Sprache. Ein Buch, das bis zum Schluss fesselt.

Die Brüder Boateng
Drei deutsche Karrieren
Von Michael Horeni
Gebunden – 272 Seiten
Tropen Bei Klett-Cotta (2012)

Welchen Einfluss, welche Auswirkungen haben das Umfeld, die Familie und Freunde für die berufliche Karriere? Am Beispiel der drei Boateng-Brüder George, Jérôme und Kevin zeichnet Sportredakteur und Korrespondent Michael Horeni drei Lebensläufe nach, die sich in gegensätzlichen Stadtteilen und in unterschiedlichen Elternhäusern entwickelten.

Die Brüder haben einen Vater, aber verschiedene Mütter. So wuchsen George und Kevin im Berliner „Problembezirk“ Wedding auf, während ihr Halbbruder Jérôme „wohlbehütet“ in Berlin-Wilmersdorf groß wurde. Alle Brüder hatten das gleiche Ziel für ihre berufliche Zukunft: Fußballprofi werden. Der Grundstein hierfür wurde mit dem regelmäßigen Treffen der Brüder in einem Fußballkäfig am Panke-Kanal gelegt.

Jérôme ist heute Nationalspieler und bei Bayern München unter Vertrag. Kevin spielt beim Traditionsverein AC Mailand. Nur George gab die Fußballkarriere auf und wurde Hundezüchter und Musiker.

Der Autor bringt Themen wie Integration und Ausgrenzung, den Kampf um beruflichen und persönlichen Erfolg zur Sprache. An Jérôme und Kevin, die jeweils in ganz verschiedenen Bezirken aufwuchsen, verdeutlicht Horeni einerseits, wie wenig das Umfeld und die Familienverhältnisse auf den beruflichen Erfolg auswirken muss. Andererseits zeigt er aber an George und Kevin, wie schmal der Grat zwischen Erfolg und Misserfolg im Beruf als Profifußballer ist. Ein sehr gut zu lesendes, gut recherchiertes Buch, das Biographie, Sportbuch und Roman in einem vereint.

Sicher, stark und mutig!
Kinder lernen Resilienz
Von Michaela Sit
Gebunden – 180 Seiten
Kreuz Verlag (2012)

Resilienz bezeichnet die Fähigkeit, selbst in schwierigen Lebenskrisen und nach schwierigen Schicksalsschlägen wieder auf die Beine zu kommen. Michaela Sit zeigt in ihrem neu erschienenen Buch, was Kinder stark macht und wie sie unterstützt werden können, um mit schwierigen Lebenssituationen fertig zu werden. Das ist vor allem möglich, da Resilienz kein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal ist, sondern im Verlauf der Entwicklung durch fördernde Kind-Umwelt-Interaktionen erlernt wird.

Da ein Kind im Laufe des Heranwachsens immer wieder mit neuen Situationen fertig werden muss, variiere die Resilienz bei einem Menschen fortwährend und hinge ihre Entwicklung auch von der Persönlichkeit und von der Lebensumwelt der Person ab, so die Autorin.

Auf geschickte Weise verbindet die Psychologin und Therapeutin, beginnend mit der Beschreibung der Erkenntnisse der Resilienzforschung, die Fragen, die sich Eltern bei der Entwicklung ihres Kindes stellen. Wie und wann setze ich meinem Kind Grenzen, die es nicht einengen, sondern stark machen? Wie gehe ich mit den Ängsten meines Kindes um, wie werden sie stark durch die Krise und wie bewältigen sie Stress? All diese Aspekte führt die Autorin in leicht nachzuvollziehenden und in die Praxis umsetzbaren Beispielen aus. Ganz ohne Fingerzeig gelingt ihr in einer leicht verständlichen Sprache zu zeigen, wie Kinder besser unterstützt werden können.

Wenn Sie Fragen, Anregungen oder Kritik haben, schreiben Sie uns eine Mail: sonntags@zdf.de

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