Kriminalität 2.0

Tatort Internet

Gesellschaft | sonntags - Kriminalität 2.0

Interview mit Barbara John, die die Website pfiffige-senioren.de gründete, über die Frage, wie man sich am besten vor Trickdieben und Betrügern schützt.

Beitragslänge:
2 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 19.09.2019, 11:54

Diebstahl und Betrug im Großen und Kleinen ist allgegenwärtig. Doch Kriminalität findet längst nicht mehr auf abgelegenen Straßen oder in einschlägigen Milieus statt. Die kriminelle Gemeinde hat sich längst via Internet neue Wege gesucht, um an Geld zu kommen. Anonym und schonungslos agieren die Täter – verunsichert und ängstlich hinterlassen sie ihre Opfer.

Meine persönliche Begegnung mit dem BKA

Schwarzer Bildschirm. Ist das blöde Ding schon wieder abgestürzt? Dann ein vermeintlicher Lichtblick: Der Display erhellt sich wieder. Eine Seite öffnet sich, die ich gar nicht aufgerufen hatte. Eine Warnung. Oben links prangert nicht zu übersehen das Original Logo des Bundeskriminalamtes (BKA). Es wurden pornografische Inhalte von Minderjährigen auf meinem Laufwerk gefunden – ich habe mich strafbar gemacht. Panik, Angst – meine Gefühle überschlagen sich.

Cyberkriminalitaet. Passwort-Klau
Mit dem Passwort-Klau beginnt der Betrug! Quelle: dpa

Natürlich weiß ich, dass ich nichts dergleichen jemals gesehen oder gar auf meinem Computer verewigt habe – und trotzdem bin ich verunsichert. Mir wird mit einer immensen Geldsumme und einer möglichen Gefängnisstrafe gedroht. Es sei denn: Ich bezahle in den nächsten 24 Stunden den Betrag von 100 Euro. Langsam dämmert es mir: Irgendetwas stimmt hier nicht! Nachdem der hartnäckige „BKA-Trojaner“ von meinem Notebook entfernt wurde, hörte ich plötzlich überall von dem an Dreistigkeit kaum zu übertreffenden Betrug.

Erpresser aus dem Netz

Das BKA liefert den Beweis Schwarz auf Weiß: Im Jahr 2013 wurden insgesamt 64.426 Fälle von sogenannten „Cybercrime“-Delikten registriert – man bedenke dabei zusätzlich die hohe Dunkelziffer! Davon konnten nur rund 25 Prozent aufgeklärt werden. Besonders beliebt: Online-Erpressungen mit satten 6700 Fällen. Genau wie in meinem Fall, versuchen die Kriminellen Lösegeld von den Betroffenen zu erzwingen, um etwa den Computer wieder zu entsperren.

Mittlerweile geben 55 Prozent der Internetnutzer an, schon einmal Opfer eines Verbrechens im Internet geworden zu sein. Auf der einen Seite beruhigend, dass es nicht nur ausgerechnet mich trifft, auf der anderen Seite erschreckend und alarmierend: Sind die „Täter 2.0“, wie sie in der Fachsprache der Polizisten gerne genannt werden, überhaupt ansatzweise zu stoppen? Zwar werden zunehmend Spezialisten auf dem Gebiet ausgebildet, doch fordert die Kriminalität im Internet deutlich andere und kniffligere Ermittlungswege als die „reale“ Kriminalität auf der Straße.

Risiko minimieren

Die Freiheit des Internets – Fluch und Segen zugleich. Einerseits genießen wir es, unbeirrt stundenlang im Netz zu surfen, andererseits lauert damit auch eine Vielzahl von Gefahren. Und mit denen scheint auch die Polizei überfordert zu sein. Was können wir nun selbst konkret tun, um zumindest das Risiko Opfer zu werden, zu minimieren?

Die Prellerei im World Wide Web präsentiert sich genauso vielfältig wie das Medium selbst. Daher gibt es für jedes Betrugskriterium spezifische Tipps und Sicherheitshinweise. Grundsätzlich kann man allerdings einige Punkte festhalten:

Die Kriminalität der Zukunft

Die Liste der Straftaten im Internet scheint endlos: Neben dem herkömmlichen und allseits-beliebten Betrugsdelikten beim Anbieten von Waren und Dienstleistungen kommen relativ junge Formen des sogenannten „Phishing“ – dem „Angeln“ nach Passwörtern und Zugangsdaten - hinzu. Die Täter schrecken aber auch nicht davor zurück, Frauen und Männer via Partnerbörsen in die Falle zu locken: Mit falscher Identität und gefakten Profil wird den Opfern solange Honig um den Mund geschmiert, bis die erste dringende Bitte nach Geld folgt.

Computerkriminalität
Der Computer wird immer mehr zum Tatort. Quelle: dpa

Virtueller Heiratsschwindel könnte man das schamlose Unterfangen nennen. Nicht zu vergessen seien Urheberrechtsverletzungen, die Verbreitung von illegaler Pornografie und dem Vormarsch des „E-Dschihad“, der Polizei und Sicherheitsbehörden besonders große Sorgen bereitet.

Keine Grenzen für internationale Banden

Ähnlich lang sieht die Liste der Probleme aus, die Polizei und Sicherheitsbehörden auf der Jagd nach den virtuellen Tätern hat. In den meisten Fällen sind es professionell organisierte, internationale Banden, die im Netz ihr Unwesen treiben. Wie der Begriff des World Wide Webs schon impliziert, sind den kriminellen Machenschaften im Internet keine Grenzen gesetzt. Die Täter genießen die Anonymität des Netzes, damit sind alle direkten Interaktionen mit ihnen ausgeschlossen.

Ihr Profil und ihre bevorzugten Vorgehensweisen verändern sich rasend schnell wie die Technik selbst, sagt Jörg Ziercke, Präsident des Bundeskriminalamtes in Wiesbaden. Er fordert zu einer „Kriminalistik der digitalen Welt“ auf, für deren Umsetzung er die entsprechende technische und personelle Ausstattung einfordert. Die Ideen liegen vor, erste Schritte sind bereits gemacht, aber das Ziel eines sicheren Webs ist noch meilenweit entfernt oder sogar unerreichbar.

Gutgläubig und blauäugig: Beliebte Opfer

Grundsätzlich gilt: Internetbetrug kann jeden treffen. Allerdings stellt sich in bestimmten Fällen oftmals bestimmte „Zielgruppen“ heraus: Senioren, Kinder und Jugendliche. Ihnen werden gerne Eigenschaften wie gutgläubig, naiv und leichtsinnig zugeschrieben. Während die älteren Herrschaften jedoch eher Opfer von Telefon-Anrufen des plötzlich aus dem Nichts auftauchenden Enkels werden, sind es vor allem die Kids, die zur Zielscheibe virtueller Verbrechen werden.

Im Zeitalter von Tablets, Smartphones und Co werden die jungen Leute tatsächlich schnell leichtsinnig. Ein Account bei Facebook, Instagram und Twitter mit regelmäßigen „Selfie“-Updates ist ein Muss, das ungenierte Chatten über Messenger wie WhatsApp an der Tagesordnung. Hier lauern vor allem Gefahren wie Datenklau in den sozialen Netzwerken oder die Abzocke mit vermeintlich kostenlosen Apps. Auch die W-LAN Nutzung in öffentlichen Räumen birgt Risiken, die oft unterschätzt werden.

Ein Beispiel: „Traum“-Urlaub auf Sylt

Ein aktuelles Beispiel führt jedoch wieder schmerzlich vor Augen, dass es auch die sonst so vorsichtigen Eltern treffen kann. Im August machte eine neue Masche der Internet-Schurken Schlagzeilen: Mehr als 16 Paare buchten online eine Traumunterkunft auf der Insel Sylt, zahlten ein paar Hundert Euro an, kamen voller Vorfreude mit Kind und Kegel auf der Insel an und standen auf der Straße. Die angebliche Immobilie existierte nie, die Traumwohnung blieb ein Traum. Die Familien wurden Opfer von Reisebetrügern. Die Webseite wurde zwar umgehend gelöscht, doch die Enttäuschung blieb.

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