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Bedrohter Naturpark

Das Naherholungsgebiet Schwalm-Nette

Vor acht Jahren verlor Margarete Mehl ihren Heimatort Spenrath. Das Dorf musste für den Braunkohletagebau Garzweiler II weichen. Mit dem Ort verschwand die seit ihrer Kindheit vertraute Natur.

Beitragslänge:
3 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 15.08.2019

Für sonntags ist Moderatorin Andrea Ballschuh im Naturpark Schwalm-Nette unterwegs - einem bedeutenden Naherholungsgebiet nahe der holländischen Grenze. Geprägt ist die Landschaft von dem 45 Kilometer langen Fluss Schwalm mit seinen Auen und von einer Fülle von Seen. Dass diese Landschaft so existiert, ist gar nicht selbstverständlich. Denn nur 30 Kilometer entfernt sieht es ganz anders aus: Da wird in großem Stil Braunkohle abgebaut. Gut zwei Dutzend Dörfer sind bereits wegen des Braunkohleabbaus Garzweiler I und II umgesiedelt worden. Andere Orte liegen an der Abbruchkante, in der Nähe des 200 Meter tiefen Lochs. Was bietet dieser Naturpark? Und wie es ist für die Menschen, wenn eine solche Landschaft auf einen Schlag verlorengeht?

Naturpark Schwalm-Nette
Idyllische Seen im Naturpark Schwalm-Nette
Quelle: ZDF

Der Naturpark Schwalm-Nette, im Jahr 1965 gegründet und heute 435 Quadratkilometer groß, beherbergt die einzige niederrheinische Heidelandschaft, dazu echte Moorlandschaften, viele kleine und größere Seen und Rad-Wanderwege, die Touristen und Einheimische der Region Mönchengladbach, Düsseldorf und Maastricht vor allem im Sommer gern nutzen. Denn erstes Ziel des Naturparks ist die Erholung seiner Besucher, die vielfach auch aus dem Ruhrgebiet anreisen.

Besinnung auf die Natur

Ein vielfältiges Angebot, angefangen von Kräuterwanderungen auf alten Schmugglerpfaden bis zum Pressen eigenhändig gepflückter Äpfel von Streuobstwiesen, wird dem Anspruch einer „Rückbesinnung auf die Natur“ gerecht.

Doch in unmittelbarer Nähe graben sich riesige Schaufelradbagger im rheinischen Braunkohlerevier seit Jahren durch die Landschaft. Dorf um Dorf muss für den Tagebau Garzweiler II weichen. Immerath wird als nächstes dran sein. In wenigen Jahren wird auch dieses Dorf, früher einmal Heimat von 1200 Menschen, nicht mehr existieren. Die meisten Bewohner sind schon umgesiedelt.

Vom Munitionsdepot zur idyllischen Hügellandschaft

Braunkohlentagebau
Braunkohlentagebau Garzweiler II
Quelle: dpa

Doch auch die „Natur“ selbst ist nicht frei von menschlichem Eingriff. Das ehemals größte Munitionsdepot Westdeutschlands, Brüggen-Bracht, hinterließ eine heute idyllisch scheinende Hügellandschaft, auf der Schafe und wilde Pferde ihre Heimat gefunden haben. Und die vielen Seen sind dadurch entstanden, dass an ihrem Ort bis vor kurzem noch Torf gestochen und abgegraben wurde. Ehrenamtliche und hauptamtliche Helfer begleiten diesen Renaturierungsprozess.

Das Besondere am Naturpark Schwalm-Nette ist jedoch, neben der schönen Tier- und Pflanzenwelt, die Zugehörigkeit zum binationalen Naturpark Maas-Schwalm-Nette. Über die deutsch-niederländische Grenze erstreckt sich ein zusammenhängendes Naturschutzgebiet, das durch zweisprachige Wegeschilder und Führungen das zusammenwachsende Europa vorbildlich widerspiegelt und zum historisch gesehen „normalen“ Austausch der Bevölkerung dies- und jenseits der Staatsgrenze beiträgt.

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