Den Flugzeugabsturz überlebt

Zwei Wunder für Juliane Koepcke

Es sind zwei unglaubliche Ereignisse: Ein Mädchen, das als einzige einen Flugzeugabsturz überlebt. Es fällt aus 3.000 Metern und ist doch nur leicht verletzt. Dann ein Mädchen, das sich elf Tage lang durch einen Regenwald kämpft – ohne Nahrung, ganz allein, auf der Suche nach Hilfe und überlebt. Und beides ist die eine Geschichte von Juliane Koepcke.

Die 17-jährige Juliane hatte im Dezember des Jahres 1971 gerade die Schule abgeschlossen. Sie ist das Kind zweier deutscher Biologen, die für das naturhistorische Museum in Lima arbeiten. Sie kennt das Leben im Urwald, begleitet ihre Eltern schon als kleines Kind auf ihre Forschungsreisen. Am Abend des 23. Dezember findet der Abschlussball statt, Juliane will unbedingt dabei sein. Ihre Mutter kommt nach Lima, um mit ihr an Heiligabend wieder zur Forschungsstation des Vaters zurück zu fliegen.

Das erste Wunder: Sturz aus 3.000 Metern überlebt

Juliane Koepcke
Juliane Koepcke überlebte als einzige einen Flugzeugabsturz Quelle: ZDF

Warum der Pilot des Fluges von Lima nach Pucallpa am 24. Dezember den Weg direkt durch die Gewitterfront wählte und nicht eine Ausweichroute flog, kann heute nicht mehr beantwortet werden. Das Flugzeug wird vom Blitz getroffen. Juliane Koepcke erinnert sich an ein gleißend helles Licht. In diesem Moment hört sie die letzten Worte ihrer Mutter: „Jetzt ist alles aus!“ In der nächsten Erinnerung befindet sich das Mädchen bereits im Sturzflug. Festgeschnallt an ihre Dreier-Sitzbank rast sie auf den Abgrund zu. Sie wusste in diesem Moment genau, was passiert ist, sagt sie. Dabei hatte sie keine Angst, dazu sei gar keine Zeit gewesen, aber es sei ein unangenehmes Gefühl gewesen. Sie verliert wieder das Bewusstsein.

Am nächsten Tag erwacht sie gegen neun Uhr morgens. Ihre Armbanduhr funktioniert noch. Es ist wohl einer Reihe besonderer Umständen zu verdanken, dass Juliane Koepcke den Sturz aus 3.000 Metern nur leicht verletzt überlebt: Aufwindverhältnisse, vielleicht das dichte Blätterdach des Urwalds. Ihr Schlüsselbein ist gebrochen, ein Kreuzband gerissen und eine Gehirnerschütterung. Doch das bemerkt Juliane zu diesem Zeitpunkt nicht. Sie sucht nach weiteren Überlebenden – doch sie findet niemanden. Außer ihr hat keiner der 92 Insassen den Absturz überlebt, auch ihre Mutter zählt zu den Opfern.

Das zweite Wunder: Zehn Tage allein im Dschungel

Nun beginnt die zweite Geschichte: Die des Mädchens, das auf der Suche nach Hilfe elf Tage durch den Urwald läuft. Das Geräusch von Wasser lenkt die 17-jährige. Von ihrem Vater weiß sie, dass jedes Rinnsal zu einem Bach, jeder Bach zu einem Fluss wird, der letztlich zu einer menschlichen Siedlungen führt. Der Dschungel um sie herum ist ihr nicht fremd, er kommt ihr sogar vertraut vor. Tatsächlich befindet sie sich nur etwa 50 Kilometer von der Forschungsstation ihres Vaters. Elf Tage lang läuft und schwimmt sie, bis sie schließlich völlig entkräftet in den Unterstand von einheimischen Fischern kriecht, die sie am nächsten Tag finden.

Bei all der Freude über das Überleben von Juliane, hat sie doch  ihre  Mutter  verloren. Dazu kommt das riesige Medieninteresse. Die Geschichte des Mädchens, das vom Himmel fiel, verbreitet sich rasend schnell in der Presse – der Stern sichert sich schnell die Exklusivrechte. Doch für die junge Frau ist der Medienrummel befremdend, in Ruhe um ihre Mutter trauern kann sie nicht.

Eine Geschichte, die um die Welt geht

Juliane Diller, wie sie heute heißt, geht nach dem Unglück nach Deutschland. Sie macht Abitur, studiert und promoviert in Biologie. Heute ist sie Leiterin der Bibliothek der zoologischen Sammlung in München. Im Jahr 2000 reist sie zusammen mit dem Filmemacher Werner Herzog zurück an die Absturzstelle. Mit dem analytischen Blick einer Naturwissenschaftlerin geht sie durch die verstreuten Wrackteile, die inzwischen fast vollständig von der Vegetation des Urwalds überwachsen sind. Erst, als sie die Triebwerke aus dem Dickicht ragen sieht, wird ihr bewusst, dass dies der Ort ist, an dem 91 Menschen ihr Leben verloren haben.

2011 schreibt  Juliane Koepcke das Buch: Als ich vom Himmel fiel. - über den Absturz, die Zeit im Dschungel, den Tod der Mutter und das plötzliche Ende ihrer Kindheit. Nach dem Tod des Vaters  leitet sie  die Forschungsstation im Dschungel. Mindestens einmal im Jahr fliegt sie nach Peru. Im Flugzeug wird sie am Fenster sitzen. So kann sie das Wetter und die Motorgeräusche genau verfolgen.

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