Der Preis der Wahrheit

Whistleblower – Helden oder Verräter?

Gesellschaft | sonntags - Der Preis der Wahrheit

Ob Guido Strack, Andrea Fuchs oder Brigitte Heinisch: Sie machten Missstände bei ihren Arbeitgebern öffentlich. Doch: Wer Fehler aufdeckt, wird bestraft – das wissen jetzt alle drei.

Beitragslänge:
3 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 31.10.2018, 16:20

Edward Snowden deckte die weltweite Ausspähung des Internets durch die National Security Agency (NSA) auf – gedankt wurde ihm nicht, im Gegenteil: Der Whistleblower ist auf der Flucht und wird weltweit von amerikanischen Behörden gesucht. Dabei haben Whistleblower eine wichtige Funktion inne: Sie decken Missstände auf. Doch nicht nur in den USA gibt es sie, sondern auch in Deutschland.

Mitten in der Nacht brechen vermummte Männer im Juni 1972 in einen Bürokomplex in der US-Hauptstadt Washington D.C. ein. Sie werden vom Sicherheitsdienst gefasst und der Polizei übergeben. Was wie ein gewöhnlicher Einbruch aussah, entpuppte sich später als einer der größten US-Politskandale des 20. Jahrhunderts.

Der Informant hinter der Watergate-Affäre

Klaus Mertes
Whistleblower Klaus Mertes Quelle: dpa

Die Einbrecher waren Mitarbeiter von US-Präsidenten Richard Nixon, die in das Büro der Demokraten im Watergate-Komplex eingebrochen sind und es verwanzt haben. Der Republikanische Präsident wollte so seine demokratischen Herausforderer vor der Präsidentschaftswahl ausspionieren. Zwei Journalisten der Washington Post, Carl Bernstein und Bob Woodward, deckten die ganze Geschichte auf. Zusammen mit anderen Delikten sorgte die Watergate-Affäre dafür, dass Richard Nixon letztendlich von seinem Präsidentenamt zurücktrat.

Allerdings hatten die beiden Journalisten einen prominenten Informanten: „Deep Throat“, so der Deckname der Quelle. Sie versorgte sie mit Interna aus dem sonst undurchlässigen Machtzirkel Nixons. Die Identität der Quelle war drei Jahrzehnte lang eines der bestgehütetsten Geheimnisse der USA. Erst 2005 hat sich Mark Felt, der damalige FBI-Vize, zu seiner Rolle als Whistleblower, also als Geheimnisverräter oder Aufdecker, bekannt. Die Treffen zwischen den Journalisten und dem Informanten sind legendär und wurden filmisch in „Die Unbestechlichen“ festgehalten.


Verurteilung oder Flucht

Nach seiner Enttarnung wurde Felt zwar nicht geehrt für seinen Einsatz, aber auch nicht angeklagt. Bradley Manning, der Beweise für die Kriegsverbrechen der USA im Irak weitergab, oder Edward Snowden, der die weltweite Ausspähung durch amerikanische Geheimdienste publik machte, hatten weniger Glück: Manning wurde wegen Spionage zu 35 Jahren verurteilt, nach US-Recht hätte er aber auch mit dem Tode bestraft werden können. Snowden befindet sich auf der Flucht und wird weltweit von den USA gesucht.


Whistleblower am Arbeitsplatz droht Jobverlust

Doch Whistleblowing muss nicht immer so spektakulär wie in einem Agentenkrimi sein. Auch in Deutschland werden Missstände von Behörden oder Firmen von Mitarbeitern öffentlich gemacht – stets mit dem Risiko, dass die Whistleblower ihren Job verlieren. So etwa Jobcenter-Mitarbeiterin Inge Hannemann. Sie wurde als „Hartz-IV-Rebellin“ bekannt, weil sie sich öffentlich über die Missstände im Hartz-IV-System geäußert hat.

Sie hat sich geweigert, Hart-IV-Empfängern die Leistungen zu kürzen, wenn diese Jobs nicht annehmen wollten. In einem offenen Brief hat sie die Bundesagentur für Arbeit kritisiert. Diese sei für „Tote, Geschädigte und geschändete Hartz-IV-Bezieher“ verantwortlich. Ihre Arbeitgeber reagierten prompt: Sie wurde suspendiert. Vor dem Hamburger Arbeitsgericht scheiterte ihre Klage gegen ihre Suspendierung.


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