Der Traum vom großen Geld

Macht ein Lottogewinn glücklich?

Der große Lottogewinn oder das plötzliche Erbe: Wer hat nicht schon einmal davon geträumt. Die Faszination reich zu sein ist seit Menschengedenken ungebrochen. Doch bedeutet das „große Geld“ denn auch wirklich Freiheit und das „große Glück“ zu finden?

Bei Günther Jauchs Fernsehshow „Wer wird Millionär?“ bewerben sich täglich 10.000 Menschen, über vier Milliarden Euro landen jährlich in Schlitzen von Spielautomaten und knapp ein Viertel der deutschen Erwachsenen füllen laut Lotto regelmäßig einen Lottotippschein aus. Zugleich ist bekannt, dass die Chancen, den Lottojackpot abzuräumen, bei 1 zu 140 Millionen liegen. Doch für wenige Minuten wird die Vernunft, die sonst im Alltag unerlässlich ist, abgeschaltet und gespielt.

Lottogewinn von 10 Millionen Euro

Geldbündel
Wenn plötzlich ein Lottogewinn von 10 Millionen vor einem liegt ... Quelle: dpa

Auf diesen Wegen, so die Hoffnung vieler, kommt man dem Traum vom großen Geld näher. Aber was würde man mit einem großen Geldgewinn machen und was würde sich im Leben verändern?
Das Meinungsforschungsinstitut EMNID ermittelte, was die Deutschen mit einem Lottogewinn von 10 Millionen Euro tun würden:

- 31 Prozent der Männer und 25 Prozent der Frauen den Job sofort hinschmeißen
- 32 Prozent gar nichts Grundlegendes am Leben ändern
- 45 Prozent einen Großteil des Geldes für private Vorsorge anlegen
- 87 Prozent zumindest einen Teil des Gewinns einem wohltätigen Zweck spenden
- 34 Prozent ihren persönlichen Lebensstandard erhöhen
- 31 Prozent in ein neues Zuhause ziehen
- 17 Prozent eine eigene Geschäftsidee verwirklichen

Neben dem großen Geld träumen die Deutschen von mehr Zeit. Die meisten der Befragten würden ihren neuen Reichtum dazu nutzen, mehr Zeit für ihre Hobbies, die Familie und ehrenamtliches Engagement zu haben. Knapp die Hälfte der Deutschen würde sich mit einem großen Geldgewinn auf eine Reise um die Welt begeben.

Der große Aufbruch - auch ohne Geld

Meike Winnemuth
Meike Winnemuth ist am 26. Januar 2014 zu Gast bei sonntags Quelle: dpa

Meike Winnemuth hat genau dies getan. Sie gewann in der Quizshow „Wer wird Millionär?“ eine halbe Million Euro und zögerte nicht lange, sondern verwirklichte sich ihren Traum von der Weltreise. Zwölf Monate lang war sie allein unterwegs und lebte je einen Monat zur Untermiete in Großstädten wie Sydney, Buenos Aires, Addis Abeba, Mumbai oder Kopenhagen. Die freie Journalistin aus Hamburg fasste ihre Erlebnisse in dem Buch „Das große Los“, einem Spiegel-Bestseller, zusammen.

Meike Winnemuth sagt, sie habe auf der Reise von ihrem Gewinn kein Geld ausgegeben, da sie unterwegs auch gelegentlich arbeitete. Sie habe der Geldgewinn nicht zu einem glücklicheren Menschen gemacht hat, aber er gab ihr Sicherheit. Für sie war der Gewinn die Initialzündung aufzubrechen. Auf ihrer Reise machte sie sich viele Gedanken sowohl über ihre eigenen Träume als auch über die insgeheimen Träume der Deutschen. Seitdem plädiert sie dafür, Glück nicht im Konjunktiv zu leben, sondern seine Träume zu realisieren und so das Leben anzupacken. Nicht auf einen Geldgewinn als Anstoß warten, sondern sich selbst den Impuls geben.

Lottogewinner leiden oft unter Trübsinn und Depression

Wissenschaftlich ist belegt, dass, sobald das normale Maß an Grundversorgung eines Menschen gewährleistet ist, mehr oder weniger Geld keine Auswirkungen auf sein Empfinden von Glück hat. Dr. Johannes Ullrich, Psychologe an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main erläutert, dass im Moment eines Lottogewinns die Freude zwar groß, nach etwa vier Wochen jedoch die Lebenszufriedenheit im Vergleich zum Zeitraum vor dem Gewinn kaum gewachsen sei. Dies wird damit begründet, dass der Mensch sich schnell an einen Zustand gewöhnt und diesen dann als „normal“ annimmt.

Professor Andrew Oswald von der britischen University of Warwick fand in einer Studie über den Zusammenhang von Geld und Zufriedenheit heraus, dass der Großteil der Lottogewinner nach einer kurzen Phase der Euphorie in Trübsinn versinkt. Er erklärt, dass das Geld zu einer tiefen Enttäuschung darüber führe, dass die Erfüllung materieller Wünsche weder Erleichterung noch Frieden zur Folge hat. In Folge dessen kann es zu Depressionen kommen, die Lottogewinner wesentlich häufiger als den Durchschnitt der Bevölkerung treffen.

Liebe als Quelle von Glück

So sehen es aber auch die Deutschen: Laut EMNID-Umfrage glauben nur 37 Prozent der Deutschen daran, dass Geld einen Anteil am Glücklichsein hat. Dagegen sehen 77 Prozent der Befragten einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach „Lieben und geliebt werden“ als Quelle des Glücks.

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