Die etwas andere Reise

Franziskus setzt in Brasilien Zeichen

Gesellschaft | sonntags - Die etwas andere Reise

Christl Huber lebt seit 12 Jahren in Buenos Aires. Die kirchliche Entwicklungshelferin aus Deutschland unterstützt dort die Laien, die anstelle von Priestern die Gemeinde leiten.

Beitragslänge:
4 min
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Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 25.07.2018, 15:28

Es ist die erste Auslandsreise von Papst Franziskus. Und obwohl der Weltjugendtag eigentlich seinen festgelegten Ablauf hat, drückt der argentinische Pontifex der Reise seinen ganz eigenen Stempel auf. Schon nach der ersten Begegnung zwischen Papst und Jugend am Donnerstagabend war klar: Franziskus und die junge Generation, das passt zusammen.

Papst Franziskus gibt keine Pressekonferenz im Flugzeug, wie das seine beiden Vorgänger gemacht haben. Bergoglio möchte eine persönliche Begegnung mit jedem einzelnen Journalisten. Über eine Stunde nimmt er sich Zeit für das Treffen mit der Journaille während des Flugs von Rom nach Rio. Damit setzte er gleich ein erstes Zeichen. Weitere sollten während der Reise folgen. Etwa, dass er nicht das Panzerglas-Papamobil verwendet, sondern den offenen Jeep, mit dem er auch in Rom über den Petersplatz fährt. Aufsehen erregt der Kleinwagen, mit dem Franziskus weite Strecken in Rio zurücklegt. Bisher fuhren die Päpste in der Regel mit einer gepanzerten Limousine.

Eingekesselt in der jubelnden Menge

Papst Franziskus auf dem Weltjugendtag in Rio de Jeneiro
Papst Franziskus auf dem Weltjugendtag in Rio de Jeneiro Quelle: dpa

Das sind ganz deutliche Zeichen, die Franziskus setzt. Bisweilen muss er sich nach vier Monaten bereits den Vorwurf anhören, er mache große Worte über eine „arme Kirche an der Seiten der Armen“, doch es fehle an konkreten Konsequenzen. Das Beispiel mit den Autos zeigt, dass Bergoglio versucht, seinen bescheidenen Stil auch als Papst zu leben. Das bringt sein Umfeld bisweilen ins Schwitzen. Für die Sicherheitsleute ist diese Bescheidenheit ein Alptraum. Das zeigten die Bilder vom Tag der Ankunft, als sich das Auto mit dem Papst verfuhr und von der jubelnden Menge eingekesselt wurde.

Die Nähe zu den Menschen ist Franziskus wichtig. Immer wieder lässt er das Fahrzeug bei den Fahrten durch die Straßen Rios anhalten. Beim Gang durch die Favela am Donnerstagmorgen segnet er Kranke, schüttelt unermüdlich Hände und küsst Kinder. Er will den Menschen den Eindruck vermitteln, dass jeder ernst genommen wird und wichtig ist. Hoffnung machen, das will Franziskus in Lateinamerika. In der Favela stellt er klare Forderungen an die Politik, verurteilt Korruption und fordert Schutz sowie Förderung für das Leben und für die Familien, eine ganzheitliche Bildung und Sicherheit. Franziskus nimmt aber auch jeden Einzelnen in die Pflicht, fordert Solidarität im Kleinen und kritisiert scharf die Gleichgültigkeit und das Desinteresse in der Gesellschaft angesichts der Not vieler Menschen.

Ein Pontifex voller Energie

Den Zuspruch der Jugendlichen scheint Franziskus zu genießen. Am Donnerstagabend, nach der über vier Kilometer langen Papamobilfahrt durch die jubelnde Menge der Jugendlichen an der Copacabana, wirkte er wie euphorisiert. Die Strapazen des Programms waren ihm nicht anzumerken. Immerhin hatte er bereits einen zehnstündigen Tag hinter sich. Zu den geplanten drei offiziellen Terminen, Schlüsselübergabe im Rathaus, Besuch der Favela und Willkommensfeier mit der Jugend, hatte er kurzerhand am Morgen noch eine Messe mit den Seminaristen von Rio und ein Treffen mit den rund 16.000 argentinischen Weltjugendtags-Teilnehmern eingeschoben. Vatikansprecher Federico Lombardi zeigte sich beim täglichen Briefing stets verwundert über die Energie des 76-jährigen Pontifex, der mittags keine Pause mache und die Zeit lieber mit Gesprächen fülle.

Franziskus hat viel vor in seinem Pontifikat; da will er keine Zeit verlieren. Er nutzt die Tage in Rio auch, um Bischöfe und Kardinäle aus aller Welt zu treffen. Immerhin sind knapp ein Viertel der weltweit 4500 Bischöfe beim Weltjugendtag am Zuckerhut. Die alle zwei bis drei Jahre stattfindenden Treffen sind damit nicht nur ein Jugendevent, sondern nach dem II. Vatikanischen Konzil die größten Bischofstreffen.

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