Die Glücksformel

Haben + Lieben + Sein

Gesellschaft | sonntags - Die Glücksformel

Ein reiches Leben führen! sonntags über "Lebensfülle" mit der Ordensfrau Schwester Jordana Schmidt. Außerdem: Blick zu einem Treff von Reichen und Schönen und ein Porträt einer kinderreichen Familie.

Beitragslänge:
27 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 01.07.2017, 23:59

In "sonntags" am 1. Juli geht es um das Thema "Ein reiches und erfülltes Leben führen!".  Aber was ist Glück? Der Soziologe und Jan Delhey von der Jacobs University Bremen forscht über das Glück. Sein Thema: Was braucht der Mensch zum Glücklichsein? Darauf lassen sich klare Antworten geben. Jan Delhey verrät seine Glücksformel.

ZDFonline: Sie haben die Formel entwickelt: Die Kombination aus "Haben + Lieben + Sein" macht glücklich. Was verbirgt sich dahinter?


Jan Delhey: "Haben" ist das Materielle, also Einkommen, Besitz und Lebensstandard. "Lieben" sind unsere sozialen Beziehungen, insbesondere Partnerschaft, Familie und Freundschaften. Das "Sein" ist schließlich ein Sammelbegriff für das, was wir mit unserem Leben anfangen, was wir tun und nicht tun, was wir glauben und nicht glauben. Es geht beim "Sein" darum, ob wir etwas finden, was uns Sinn gibt und uns interessiert. Wenn man in diesen drei Bereichen keine Defizite hat, hat man gute Karten, ein recht glückliches Leben zu führen.

Macht Geld eben doch glücklich!?

Lottokugeln
Lotterien: ein oft beschrittener Weg zum Geld - aber auch zum Glück? Quelle: dpa

ZDFonline: Wie sieht es mit den materiellen Grundlagen von Glück und Zufriedenheit aus?

Delhey: Alle Untersuchungen zeigen, dass Geld, Besitz und Lebensstandard dem Lebensglück förderlich sind: Im Bevölkerungsschnitt sind die Menschen in reichen Ländern meist zufriedener als die in armen Ländern. Und innerhalb von Gesellschaften sind die Wohlhabenden zufriedener mit dem Leben als die Einkommensschwachen. Der Grund ist, dass materielle Sicherheit von vielen Sorgen befreit, und man einen gewissen Komfort genießt.


ZDFonline: Macht also Geld doch glücklich?

Delhey: Statistisch gesehen schon. Aber das muss nicht im Einzelfall zutreffen. Nicht jeder Reiche ist glücklich, nicht jeder Arme unglücklich. Außerdem muss man kein Millionär sein, um glücklich zu leben, ein mittleres Einkommen reicht schon aus. Armut lässt sich dagegen schwerer "ausbügeln". Dennoch: Geld ist nicht alles, ein "leeres" Leben lässt sich auch mit viel Geld nicht füllen. Deshalb hat die Glücksformel ja auch drei Bestandteile: Haben, Lieben und Sein.

ZDFonline: Sie sprechen von einem "abnehmenden Grenznutzen" beim zufrieden machenden Einkommen. Was ist das?

Delhey: Der abnehmende Grenznutzen besagt, dass ein zusätzlicher Euro bei einem niedrigen Einkommensniveau mehr zusätzliche Lebenszufriedenheit bringt als bei einem hohen. Dieses "Gesetz" greift sowohl im Gesellschaftsvergleich als auch innerhalb einzelner Gesellschaften. Zwischen Gesellschaften: Die Menschen in reichen Gesellschaften sind zufriedener als in armen, aber der Glücksunterschied ist zwischen armen und mittelreichen Gesellschaften größer als der zwischen mittelreichen und reichen Gesellschaften. Innerhalb einer Gesellschaft: Mit dem individuellen Einkommen steigt die Lebenszufriedenheit an, aber der Glücksunterschied zwischen Armen und Mittelschicht ist größer als der zwischen Mittelschicht und Reichen.

Glückliche, selbstlose Menschen?

Evangelischer Kirchentag
Glaube verbindet: Pfadfinder auf einem Kirchentag Quelle: dpa

ZDFonline: Sie sagen, dass Meditation, soziales Engagement, religiöse Bindungen wichtig sind fürs "Glücklich sein", warum?

Delhey: Soziales Engagement ist wichtig, weil es uns mit anderen in Kontakt bringt, und der Mensch ist ein soziales Wesen. Außerdem tun wir etwas für andere oder die Gemeinschaft und erfahren dadurch, dass wir gebraucht werden. Auch bei der Religion gibt es diesen geselligen Aspekt durch die Kirchengemeinde. Religion und Meditation haben darüber hinaus aber auch eine positive ideelle Wirkung auf die Lebenszufriedenheit, weil beides Sinn stiftet und den Stellenwert materieller Dinge relativiert. Schließlich gibt der Glaube Halt, gerade bei negativen Lebensereignissen.

ZDFonline: "Wer gibt, dem wird gegeben"- Selbstlosigkeit ist ein Ideal in vielen Religionen. Wird von Ihren Studien bestätigt, dass Selbstlosigkeit glücklich macht?

Delhey: Ja, viele Studien belegen, dass das "Geben" seeliger ist als das "Nehmen". So gibtuns soziales und ehrenamtliches Engagement ein gutes Lebensgefühl, zum Beispiel auch das Spenden. Da wird im Gehirn unser Belohnungszentrum aktiviert, genau wie bei einem guten Essen. Geben macht Freude, übrigens unabhängig davon, ob man religiös ist oder nicht.

ZDFonline: Warum sind Postmaterialisten glücklicher als Materialisten?

Delhey: Dafür gibt es zwei Gründe: Typischerweise sind Lieben und Sein zwei Bereiche, die nicht (oder nicht so sehr) dem sozialen Vergleich unterliegen. Das ist bei Geld und Konsum anders. Außerdem unterliegen Lieben und Sein nicht der Anspruchsinflation. Bei materiellen Dingen gewöhnen wir uns nach einiger Zeit an Neuanschaffungen, und schrauben unsere Erwartungen an unseren Lebensstandard eine Stufe höher. Zudem wecken Werbung und Marketing immer neue Konsumbedürfnisse.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet