Ein Drahtesel mit Stoßdämpfern

Der Lieblingssport der Deutschen ist Radfahren. Nach einer repräsentativen Forsa-Umfrage steigen 35 Prozent der Bundesbürger regelmäßig aufs Fahrrad, um sich sportlich zu betätigen, 26 Prozent bringen sich dagegen lieber mit Joggen in Schwung. Schwimmen und Fitness-Training belegen mit jeweils 23 Prozent den dritten Platz der beliebtesten Freizeitsportarten.

Radfahren hält gesund

Wer regelmäßig mit dem Rad fährt, stärkt seine Abwehrkräfte gegen Krankheiten. "Sie haben eine bessere Infektabwehr, sind resistenter und daher auch seltener erkältet", so der Hamburger Sportarzt Dirk Lümkemann, der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention. Dies gilt auch für nasskaltes Wetter. "Wenn man bei schlechtem Wetter Rad fährt, heißt das nicht unbedingt, dass man sich erkältet", betonte Lümkemann. Der Radler müsse eben nur Regenzeug dabei haben.


Regelmäßiges Radfahren verbessert die Herz-Kreislauffunktionen senkt Herzfrequenz, Blutdruck und Cholesterin. Zudem steigere Bewegung die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit. Ein entscheidender Vorteil gegenüber dem Joggen: Beim Radfahren müssen die Muskeln und Gelenke nicht das ganze Körpergewicht aushalten, 70 bis 80 Prozent werden durch den Sattel abgefangen, Knochen und Gelenke dadurch geschont.

Für jeden Zweck ein Rad

Rennrad, Mountainbike, Trekkingbike, Crossbike, Fitnessrad, Reiserad, Faltrad, Liegerad - Räder werden konzipiert für spezielle Einsatzbereiche, dem Erfindungsreichtum der Entwickler und Marketingexperten sind dabei kaum Grenzen gesetzt. So hat das Fahrrad von heute mit dem alten Drahtesel kaum noch zu tun. Der Siegeszug des Zweirads als Sportgerät für jedermann begann mit dem Mountainbike der 90er Jahre. Die Technik war ausgereift und sporterprobt, das Image stimmte und entsprach dem Lebensgefühl des modernen Menschen. Aber erst als Trekkingrad, das heißt als Straßenrad, ausgestattet mit der Technik der Mountainbikes, wurde das Fahrrad hierzulande zum Massenerfolg.

Heute sind über 80 Prozent der verkauften Fahrräder in Deutschland City-, Trekking- und All-Terrain-Bikes. Rennräder und Mountainbikes machen dagegen weniger als 20 Prozent der Verkäufe aus. Die Innovationen, die dann später auch bei "normalen" Rädern eingesetzt werden, kommen aber zum Großteil aus diesem Bereich der reinen Sportgeräte. Der Drahtesel aus schwerem Stahlrohr ist längst abgelöst von Konstruktionen aus leichten Materialien wie Titan, Carbon oder Aluminium. Immer selbstverständlicher sind auch Dämpfungselemente geworden, die das Radfahren noch komfortabler machen. Und jährlich überraschen die Hersteller die Fahrradfans mit ihren Kreationen. Neu im Sortiment sind Räder, die mit bequemem Tiefeinstieg und Sitzkomfort abgestimmt sind auf die Bedürfnisse älterer Radfahrer.

Lifestyle auf zwei Rädern

Der gute alte Drahtesel hat ausgedient, das Fahrrad ist längst zum Prestige-Objekt geworden. Als Statussymbol könnte es sogar dem Auto bald den Rang ablaufen, meint Branchen-Experte Daniel Fikuar: "Mit dem Fahrrad transportiere ich meine Persönlichkeit, mein Lebensgefühl". Gefragt sind Räder nach Maß. "Das Rad von der Stange ist out", heißt es in der Branche. Der Rahmen entspricht dank "body-scanning" den Körpermaßen. Sattel, Pedale, Lenker und Griffe werden der Anatomie angepasst und je nach Geldbeutel ausgewählt. Gangschaltung und Laufräder richten sich ebenfalls nach Kundenwunsch.

Das Lifestyle- Zweirad ist zum "Ferrari für die Stadt" geworden und kostet schnell ein paar tausend Euro. Dieses "Premium"-Segment hat allerdings nur zwei bis drei Prozent Marktanteil. Davon könnten die Hersteller nicht leben. Den größten Marktanteil haben mit etwa 73 Prozent die Stadt- und Reiseradler. Doch das Prinzip "Custom-Made" setzt sich auch in den unteren Preisklassen immer mehr durch: Ein Grundmodell wird dabei im Baukastensystem nach Kundenwunsch ausgestattet.

In welcher Ausführung auch immer, das Fahrrad gehört heute zum Lebensgefühl der Menschen und begleitet sie ein Leben lang.

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