Eine Krankheit, die isoliert

Interview mit dem Kabarettisten Fatih Cevikkollu

Gesellschaft | sonntags - Eine Krankheit, die isoliert

Psychisch kranke Menschen leben oft isoliert. Und in der Öffentlichkeit haben sie keine Stimme, weil sie ohne Lobby dastehen. Der Kabarettist Fatih Cevikkollu engagieren sich für sie.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 09.02.2017, 16:54

Warum er sich engagiert, wie er psychisch kranken Menschen begegnet und warum er manche ihrer Probleme aus eigener Erfahrung kennt, beschreibt der Kabarettist Fatih Cevikkollu im Interview.

Kabarettist Fatih Cevikkollu
Kabarettist Fatih Cevikkollu Quelle: ZDF


ZDFonline: Wie kam es zu Ihrem Engagement für die "Kölner Stiftung für psychisch Kranke und ihre Angehörige"?


Fatih Cevikkollu: Ich bin dankbar, dass ich diese Aufgabe übernehmen konnte und dass ich diesen Einblick gewonnen habe. Aber muss man ganz nüchtern sagen: Frau Heim hat mich aufgesucht und mir den Sitz im Kuratorium der Stiftung angetragen. Vorher bin ich nie bewusst in Berührung mit psychisch kranken Menschen gekommen.

Susanne Heim und Fatih Cevikkollu
Susanne Heim und Fatih Cevikkollu Quelle: ZDF


ZDFonline: Warum engagieren Sie sich?
Cevikkollu: Ich lebe ja in einem Berufsfeld, wo ich ständig vor Leuten stehe und über Gott und die Welt rede und alle lachen sich tot. Man erklärt was, vernichtet etwas, man hebt etwas hoch, es ist aber alles nur geistig. Dann mal körperlich, konkret Menschen nahe zu sein, die in einer anderen Welt leben und ihnen begegnen zu können, ist etwas komplett anderes. Klar, ich bin auch der Mann aus dem Fernsehen und das öffnet Türen auf eine andere Weise. Damit hat man im gewissen Sinn Macht, aber auch Verantwortung.


ZDFonline: Was ist, aus Ihrer Sicht, das größte Problem von psychisch kranken Menschen?


Cevikkollu: Jeder Mensch möchte gerne etwas erzählen. Einsamkeit ist ein Riesenthema für psychisch kranke Menschen, glaube ich. Für mich auch, wie für jeden Menschen. Gerade in meinem Beruf bin ich ja ständig unterwegs, spiele überall, stehe auf der Bühne vor dem Publikum. Auch dann spreche ich alleine, und alle hören zu und lachen. Und vorher stehst Du alleine im Saal, bist Du alleine im Hotel, alleine im Zug. Du bist immer alleine unterwegs und das ist schön, aber manchmal auch nicht. Dann hättest du gerne jemandem zum Reden, jemand der einfach dabei ist.

Die Menschen, die ich über die "Kölner Stiftung für psychisch Kranke" getroffen habe, sind durch ihre Krankheit noch mehr isoliert, einsam, können gewissen gesellschaftlichen Konventionen nicht entsprechen, so wie sie aussehen, wie sie sprechen etc.

Frau bei der ¿Kölner Stiftung für psychisch Kranke und ihre Angehörige¿
Frau bei der "Kölner Stiftung für psychisch Kranke und ihre Angehörige" Quelle: ZDF


ZDFonline: Mit welchen Gefühlen haben Sie der Begegnung entgegen gesehen?


Cevikkollu: Ich wusste im Vorfeld nicht, mit was ich konfrontiert sein würde. Die Fantasie hatte freien Lauf. Und dachte, ich würde da die schrecklichsten, erschütterndsten Sachen sehen: Menschen, die nicht bei sich sind und würdelos vor sich hinvegetieren. Ich war auf schlimmste Bilder gefasst. Da darfst Du nicht weglaufen, einfach dableiben, hingucken - aber es war alles nicht so. Alle mögen ihre persönliche psychische Hölle haben und durchleben, aber am Ende des Tages sind es einfach Menschen, die da sitzen und sagen: "Jetzt essen wir etwas zusammen."
ZDFonline: Was haben Sie für sich mitgenommen?


Cevikkollu: Ein Gefühl von Sicherheit, Entspannung, etwas Angenehmes - ich habe nur positive Gefühle mitgenommen. Ich hatte auch das Gefühl, endlich mal was Sinnvolles gemacht zu haben. Endlich mal Menschen begegnen - und es war schön. Schön im Sinne von einander zugewandt.


ZDFonline: Wie sieht Ihr Engagement in der Zukunft aus?


Cevikkollu: Das war nur der Anfang. Ich könnte mir vorstellen, dass es meine Aufgabe ist, in diesem Bereich der Gesellschaft ein bisschen Licht und Aufmerksamkeit zu tragen. Schau mal hier, das sind Menschen, die unsere Aufmerksamkeit brauchen. Dafür will ich meine Popularität gerne einsetzen, Sprachrohr sein.

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