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Wie sich Streit wegen der Finanzen vermeiden lässt

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Roland Tiller arbeitet als Künstler. Seine Frau Birgit liefert das Haupteinkommen für die Familie – wie in mittlerweile in jedem zehnten Haushalt in Deutschland.

Beitragslänge:
3 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 12.04.2018, 13:09

Streit ums Geld gehört zu den häufigsten Gründen, warum Beziehungen scheitern. Besonders schwierig wird es, wenn die Frau mehr verdient als der Mann. Was ist die Ursache solcher Konflikte und wie kann ein Paar seinen eigenen Umgang mit Geld finden? Dazu ein Interview mit der Kunsttherapeutin und systemischen Supervisorin Annette Stöhr.

Hände halten Einmachglas mit Geld
Zoff um die Haushaltskasse lässt sich vermeiden

ZDF: Um die Frage nach dem richtigen Umgang mit Geld, gibt es in Beziehungen häufig Streit. Wie kommt es zu solchen Konflikten?

Annette Stöhr: Die Art und Weise, wie ein Mensch gelernt hat, mit Geld umzugehen, nennt man "Geldstil". Kommen jetzt zwei Menschen in einer Beziehung zusammen, möchte niemand seinen Geldstil ändern, da das Teil seiner Persönlichkeit ist. Der Geldstil, ob großzügig, verschwenderisch, sparsam, geizig, gibt dem Menschen ein Gefühl von Sicherheit, die man nicht aufgeben möchte. Vor allem wenn unterschiedliche oder gar sich gegenseitig ausschließende Geldstile aufeinanderprallen, führt das zu Konflikten. Die Höhe des Einkommens spielt dabei eine weniger bedeutende Rolle.

Konflikte entstehen also darüber, wie das verdiente Geld aufgeteilt werden soll beziehungsweise wer das Sagen daüber hat. Aber es geht nicht um das Geld an sich, sondern um die unterschiedlichen Persönlichkeiten, die aufeinandertreffen.

ZDF: In Deutschland erwirtschaften mittlerweile in jedem zehnten Familienhaushalt die Frauen das Haupteinkommen. Was bedeutet es für die Beziehung, wenn die Frau die Ernährerin ist?

Stöhr: Männer verbinden mit Geld meist Erfolg und Macht, Frauen eher Sicherheit, Selbstbestimmung und Selbstständigkeit. Aufgrund von Tradition oder auch erlernter Rollenerwartung sehen sich die Männer immer noch als der Versorger der Familie an. Ist die Frau die Haupternährerin in der Beziehung, verunsichert das viele Männer. Man könnte sogar sagen, die Männer stellen ihre Existenzberechtigung in Frage. Das geht oft damit einher, dass sie auch die Beziehung in Frage stellen.

Auch Frauen haben erlernte Rollenerwartungen an sich und an Männer. So ist es für Frauen immer noch nicht selbstverständlich mehr zu verdienen, weil sie ihr eigenes Frausein dem Mannsein nicht gleichsetzen.

Annette Stöhr
Annette Stöhr

ZDF: Wie können es Paare schaffen, Konflikte wegen der Finanzen zu vermeiden?

Stöhr: Man sollte darüber sprechen, wie "Frau" und "Mann" die eigene und die andere Geschlechtsrolle sieht bzw. wie man sie "gelernt" hat. Weiterhin sollte man sich den eigenen erlernten Geldstil bewusst machen und kommunizieren.

Daraus ergeben sich möglicherweise auf einer neuen Paarebene Wünsche, Ideen und Absprachen. Die anfallende Arbeit innerhalb von Familie und Haushalt sollte aber auf jeden Fall als gleichwertige Arbeit angesehen werden. Damit können neue Gleichgewichte entstehen. Diese Schritte können dann zu einer bewussten Entscheidung führen, ein eigenes individuelles Modell des Umgangs mit Geld innerhalb der Beziehung zu kreieren.

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