Franziskus, der Jesuit

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Als erstes Kirchenoberhaut beruft sich Franziskus mit seinem Namen auf Franz von Assisi, der sich im 12./13. Jahrhundert für die Rechte der Armen einsetzte. Ist der Name Programm?

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Video verfügbar bis 15.03.2018, 11:10

Seit 167 Jahren ist mit Franziskus erstmals wieder ein Ordensmann auf dem Stuhl Petri. Und der Jesuit aus Buenos Aires wählte den Namen des Gründers eines anderen Ordens: Franz von Assisi.

Ein Ordensmann als neuer Papst! Die meisten religiösen Orden sind in unseren Breiten fast noch stärker von der Nachwuchskrise betroffen als die Riege der Weltpriester. Doch für Lateinamerika, Afrika oder Asien sieht die Lage anders aus - zumal in den missionarisch tätigen Gemeinschaften. Zudem sind Orden "Global Player" - und passen damit sehr gut in das Konzept "Weltkirche", das das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) durchgesetzt und die Päpste seitdem konsequent vorangetrieben haben. Die Wahl des Argentiniers Franziskus I. trägt dem deutlich Rechnung. Jorge Mario Bergoglio (76) galt nach 2005 erneut als "papabile" - allerdings vor allem bei seinen Landsleuten.

Der erste Jesuit, der Papst wurde

Auch in historischer Dimension war die Zeit mal wieder reif für einen Ordensmann. Der bislang letzte war Gregor XVI. Dieser einzige Kamaldulenser in der Nachfolge des heiligen Petrus wurde 1831 gewählt - und starb 1846, vor 167 Jahren: die wahrscheinlich längste Lücke, seit es das abendländische Mönchtum gibt.

Kein Jesuit war bislang jemals Papst. Eine Folge auch des traditionellen Misstrauens mancher Regierungen gegen die romtreue "Gesellschaft Jesu", der zugleich immer auch ein massives Verfolgen politischer Eigeninteressen nachgesagt wurde. Bis 1904 genossen einige Regierungen gar ein Vetorecht gegen Papstkandidaten.

Vor allem Benediktiner

Die meisten Päpste der Kirchengeschichte stellte der älteste, der Benediktinerorden, der bis 1119 quasi ein Ordensmonopol besaß und es auf insgesamt 10 bis 15 Pontifikate bringt. Sehr genau sind die historischen Quellen darüber freilich nicht. Doch unter den Benediktiner-Päpsten sind so namhafte wie Gregor der Große (590-604; Ordensmitgliedschaft nicht gesichert), Gregor VII. (1073-1085) und Urban II. (1088-1099). Auch ein deutscher Papst folgte ursprünglich dem "Ora et labora" des heiligen Benedikt: Stephan IX. (1057/58).

Die größte Zeit der Ordenspäpste ist zugleich die größte Blütezeit der Orden schlechthin: Im elften und zwölften Jahrhundert kamen insgesamt 13 Päpste aus Männerorden. Auffällig ist allerdings, dass kaum einer der damals tonangebenden Orden heute mehr namhaft im Kardinalskollegium vertreten ist: kein Benediktiner, kein Augustiner-Chorherr (immerhin fünf Päpste), kein Zisterzienser - dafür aber mehrere weniger "prominente" wie die Scalabriner, die Sulpizianer oder die Lazaristen.

Ordensmänner im Konklave

Von den 115 Papstwählern bei dieser Wahl waren 17 Ordensmänner - verteilt auf Lateinamerika (4), Nordamerika (3), Westeuropa (5), Mittel- und Osteuropa (3), Asien und Afrika (je 1). Diese Quote von 14,8 Prozent "Ordens-Kardinälen" war höher als der Anteil an "Ordenspäpsten" in der Kirchengeschichte: Von den 266 regulären Petrus-Nachfolgern kamen maximal 30 aus Ordensgemeinschaften. Einzig die Franziskaner, die in der Kirchengeschichte drei Päpste stellten, waren auch 2013 noch stark und von drei Kontinenten im Konklave vertreten: Wilfrid Napier (72, Südafrika), Carlos Amigo Vallejo (78, Spanien) und Claudio Hummes (78, Brasilien).

Die Dominikaner, mächtiger eher als mittelalterliche Inquisitoren denn als Päpste, brachten es im Konklave auf nur zwei Kandidaten: den Wiener Kardinal Christoph Schönborn (68) und den Prager Dominik Duka (69). Im Aufwind zeigen sich seit längerem die global aufgestellten Salesianer Don Boscos mit diesmal vier Wählern: Tarcisio Bertone (78), Angelo Amato (75) und Raffaele Farina (79, alle Italien) sowie Oscar Andres Rodriguez Maradiaga (70, Honduras). Franziskus I., so ist zu erwarten, dürfte das Gewicht der Ordensleute im Kardinalskollegium demnächst deutlich anheben. Denn 10 der 18 derzeitigen Ordensmitglieder und Kardinäle unter 80 Jahren verlieren bis 2017 ihr Stimmrecht beim Konklave.

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