Gebote auf dem Prüfstand

Familie ist der wichtigste Wert der Deutschen

Spielen Werte wie Treue, Ehrlichkeit und Gerechtigkeit in unseren Alltag heute noch eine Rolle? Und welche Werte sind den Deutschen am wertvollsten? Das sollte eine Umfrage im Auftrag von sonntags herausfinden. Das Ergebnis: Platz eins der Werteskala belegt die Familie.

Laut der Umfrage ist die Familie das höchste Gut der Deutschen. 95 Prozent der Befragten ist sie wichtig oder sehr wichtig. Doch auch wenn die Familie bei den Deutschen an erster Stelle steht, scheint den wenigsten das klassische Bild von Familie und lebenslanger Ehe vorzuschweben. Denn nur 23 Prozent der Befragten schätzen die Institution Ehe als sehr wichtig ein.

Dekalog auf den Kopf gestellt

Für die repräsentative Umfrage, die die Forschungsgruppe Wahlen für sonntags durchgeführt hat, wurden 1017 Personen nach ihren Werthaltungen befragt. Erster Anknüpfungspunkt der Fragen boten die Zehn Gebote. Für die Umfrage wurde jedem Gebot eine Werthaltung zugeordnet, die dann in zwei Richtungen erfragt wurde: zunächst hinsichtlich der Bedeutung für die Gesellschaft und dann wurde der persönliche Bezug im Sinne einer Handlungsaufforderung ermittelt. Zum Beispiel die Fragen zum siebten Gebot „Du sollst nicht stehlen“: Wie wichtig ist es für unsere Gesellschaft, dass das Eigentum anderer Menschen respektiert wird? Und: Würden Sie Wechselgeld, das Sie zu viel erhalten haben, wieder zurückzugeben?

Das Ergebnis überrascht und stellt den Dekalog quasi auf den Kopf. Nach der Bibel regeln die Zehn Gebote an erster Stelle das Verhältnis zwischen Gott und den Menschen, und dann das Zusammenleben der Menschen untereinander. Der Umfrage zufolge sind die Gebote, die das Zusammenleben der Menschen regeln, als Verhaltenskodex noch immer gefragt: 68 Prozent halten sie für wichtig oder sehr wichtig. Ehrlichkeit, Respekt vor dem Eigentum, soziale Gerechtigkeit rangieren ganz oben. Doch dabei geht es in erster Linie um die individuellen Beziehungen der Menschen zueinander, losgelöst von Institutionen wie der Ehe oder der Kirche. Ganz am Ende in der Rangfolge steht der Glaube an Gott. Nur 14 beziehungsweise zwölf Prozent der Befragten sind diese Punkte noch sehr wichtig.

Seitensprung ist verpönt

Die Ergebnisse zu den persönlichen Einstellungen ergibt ein ähnliches Bild. Am wichtigsten ist für die meisten Befragten die Verlässlichkeit im engsten persönlichen Umfeld. Treue in der Partnerschaft belegt den Spitzenplatz: 59 Prozent der Befragten ist dies sehr wichtig. Ehrlichkeit folgt auf Platz zwei. 34 bis 37 Prozent der Befragten ist die Pflege der Eltern, Sterbehilfe auf Verlangen und die Vorstellung, dass Ehepartner ein Leben lang zusammenbleiben sehr wichtig. Aber auch hier sind das Bekenntnis zum Glauben und das Handeln nach einer Religion von geringer Bedeutung. Nur 18 beziehungsweise 16 Prozent bewerten dies als persönlich sehr wichtig.

Ein wenig anders sieht das Bild bei den Befragten aus nicht-christlichen Konfessionen aus. Dort haben der Glaube an Gott und die Bedeutung der Ehe noch einen höheren Stellenwert: 43 Prozent der Befragten ist der Glaube und 29 Prozent der gelebte Glaube im Alltag sehr wichtig. Der Institution Ehe räumen in dieser Gruppe insgesamt 77 Prozent einen hohen Stellenwert ein.

Insgesamt zeigt die Umfrage: Auch wenn wir einen Wertwandel feststellen, von Wertverfall gibt es keine Spur. Die 10 Gebote erwiesen sich auch heute noch als wichtige Richtschnur für ein Richtig oder Falsch.

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