Herr der Chöre

Wie Gotthilf Fischer die deutsche Volksmusik retten will

Gesellschaft | sonntags - Herr der Chöre

sonntags am 13. April 2014 beschäftigt sich mit der Volksmusik. Was versteht man darunter überhaupt? Die Schlager der Amigos oder alte Volkslieder aus Barock und Biedermeier?

Beitragslänge:
29 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 11.04.2019, 16:26

„Jeder hat ein Instrument - und das ist seine Stimme“, sagt der heute 86jährige Gotthilf Fischer, der über Jahrzehnte die deutsche Volksmusik-Szene bestimmte. Die Zeit der großen Welttourneen mit seinen Fischer-Chören, überfüllten Hallen und Stadien ist zwar vorbei. Doch seine Mission, an deutsche Volkslieder zu erinnern, lebt weiter.

Seit über 70 Jahren dirigiert Gotthilf Fischer seine Chöre. Star-Allüren kennt der Dirigent ohne musikalische Ausbildung aber nicht. Seine Platten verkauften sich millionenfach, mit seiner Musik baute er Brücken. Er lernte weltweit Politiker, Sportler und Königinnen hautnah kennen.

„Krone der Liebe“

Im Weißen Haus überreichte er 1978 dem damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter die eigene Komposition "Friedensmesse", für die jetzige Königin Silvia von Schweden schrieb er zur Vermählung mit König Carl XVI. Gustaf das Lied "Die Krone der Liebe". Seine große Liebe Hilde starb im Jahr 2008 im Alter von 89 Jahren. Mit ihr war er seit 1949 verheiratet. Sie brachte Sohn Herbert mit in die Ehe, gemeinsam bekamen sie noch Renate und Brigitte.

Gotthilf Fischer
Animiert alle zum Singen: Gotthilf Fischer Quelle: ZDF

Seine Karriere begann Fischer als 14-Jähriger an seiner Schule in Plochingen bei Stuttgart, also 1942. Und schon bald machte die Arbeit des Nachwuchsdirigenten Furore. 30 Sänger folgten Fischers Einladung zu einer ersten Chorprobe. Beim zweiten Treffen waren es schon 80 Sänger, und in wenigen Wochen hatten sich bereits sechs Chöre gebildet. Rund um die Welt hörten zeitweise 62.000 Sangesfreunde - zusammengeschlossen zu Freundeskreisen der Fischer-Chöre - auf das musikalische Kommando des rührigen Fischer, der eigentlich Sportlehrer werden wollte.

1500 Sänger zum Endspiel

Beim Bundesliederfest des Jahres 1949 im schwäbischen Göppingen wurden Fischers Chöre mit zwei Goldmedaillen ausgezeichnet. Und beim ersten größeren Auftritt angelte sich Fischer weltweit viele Millionen Zuschauer: 1974 in München, vor dem Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft, ließ er einen Mammutchor von 1500 Menschen auf dem Rasen des Olympiastadions "Eviva Espana" anstimmen. Es folgten hunderte TV-Auftritte, dutzende Schallplatten und sogar ein Konzert beim Papst.

Aufruf über Facebook

Für Fischer besitzen Lieder und Gesang eine heilende Kraft: "Böse Menschen haben keine Lieder." Seit kurzem ist er auch auf Facebook. Dort ruft er zum Mitsingen auf.

Ruhestand ist ein Fremdwort für den Schwaben. Er denkt auch über den Tod nach: "Ich durfte in meinem Leben viele Engel, das heißt Frauen, dirigieren. Aber die Zeit wird kommen, wo ich die Engel im Himmel dirigieren darf. Da freue ich mich schon drauf."

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