Große Schwester gesucht

Um Punkt halb zwei tönt der Gong zum Schulschluss. Christine Heuchemer steht vor dem Düsseldorfer Geschwister Scholl Gymnasium und wartet auf ihre kleine Schwester. Als sie Sara sieht, ruft sie und winkt, beide Mädchen strahlen und umarmen sich herzlich zur Begrüßung. Hand in Hand schlendern sie zum Auto. Sara ist 17 Jahre alt, Christine 26. Die beiden sind Schwestern, aber erst seit fünf Jahren. "Sara ist nicht meine leibliche Schwester", sagt Christine. "Ich habe so eine Art Patenschaft für sie übernommen."

Geschwister nach Wahl

Durch "Big sister" haben sie zusammen gefunden, ein Verein in Düsseldorf, der Mädchen und Frauen auf Wunsch zu Schwestern macht. Bewerberinnen müssen Fragebögen ausfüllen und angeben, warum sie sich entweder als "Big sister" um ein junges Mädchen kümmern möchten oder warum sie als "Little sister" eine ältere Partnerin suchen.

Erfinderin und Initiatorin ist Brigitte Klose-Grigull. Sie macht das ehrenamtlich, in ihrer Freizeit. Jeden Nachmittag ab 15 Uhr verbringt sie im "Big sister"-Büro, vermittelt neue Paare und ist Ansprechpartnerin bei allen Fragen und möglichen Schwierigkeiten. "Bei uns melden sich viele Einzelkinder, die immer schon mal gerne Geschwister haben wollten", sagt Brigitte Klose-Grigull, Initiatorin des gemeinnützigen Vereins. "Aber wir vermitteln auch Mädchen mit Geschwistern, zu denen sie eher wenig Kontakt haben." Christine und Sara sind keine Einzelkinder, doch der Kontakt zu Bruder und Schwester "ist nicht zu vergleichen mit der Verbindung, die wir zueinander haben", sagt Christine.

Voneinander lernen

Meist zweimal wöchentlich treffen sich die beiden, gehen ins Kino oder shoppen, sitzen auf dem Balkon und quatschen ganze Nachmittage hindurch. Ihr gemeinsames Hobby: mit Perlen Armbänder basteln. "Das mache ich total gerne", sagt Christine und lacht. "Meine gleichaltrigen Freundinnen würden das nie mit mir machen." Denen wäre das wohl zu kindisch. In Sara aber hat sie eine Gleichgesinnte gefunden: Gemeinsam fachsimpeln sie über passende Farben, über die richtige Knoten-Technik für Ketten-Verschlüsse und über neue Perlen auf dem Markt.

Die Schwestern-Verbindung ist aber mehr als ein Hobby. Sie bringt beiden etwas. "Ich find' an Sara toll, dass sie so spontan und offen für alles ist", sagt Christine. "Ich habe noch nicht erlebt, dass sie irgendetwas schlicht abgelehnt hat", sagt Christine über Sara. "Ich find`s super, dass sie so ehrgeizig ist", sagt Sara über ihre "Big sister". "Das Studium hat sie geschafft, sie geht einfach alles an. Das zeigt mir, dass ich das in Zukunft auch so machen muss."

Gemeinsam Spaß haben

Christine ist bereits erfolgreich im Beruf als Architektin. Sie ist Vorbild für Sara. Doch Hausaufgaben sind an den gemeinsamen Nachmittagen tabu. "Wir machen nur Dinge zusammen, bei denen wir richtig Spaß haben", betont Sara.
In vielen Punkten könnten die beiden Schwestern unterschiedlicher nicht sein. Doch sie haben einen wichtigen Berührungspunkt: Christine wünschte sich seit jeher jemanden, für den sie da sein und Verantwortung übernehmen kann. Und Sara sehnte sich nach einer großen Schwester, die sich um sie kümmert.


32 Schwestern-Paare hat "Big sister" bislang vermittelt. Brigitte Klose-Grigull ist stets auf der Suche nach weiteren Patinnen.

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