„Hast Du schon gehört…“

Klatsch und Tratsch – wirklich so schlecht wie ihr Ruf?

Gesellschaft | sonntags - „Hast Du schon gehört…“

Das Schickardt Gymnasium in Stuttgart hat das Model Lisa Loch zu seinen Anti-Mobbing Tagen eingeladen. Als 16-jährige hat sie etwas erlebt, was sie nicht vergessen kann.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 28.06.2018, 14:15

Egal ob Treppenhaus, Gartenzaun oder Stammkneipe – der Mensch redet gerne über andere. Laut wissenschaftlicher Untersuchung bestehen zwei Drittel unserer Alltagskommunikation aus Klatsch und Tratsch.

Wer tratscht, senkt oft die Stimme und hat ein schlechtes Gewissen. Doch Klatsch und Tratsch haben – so Forscher – zu unrecht einen so schlechten Ruf: Das Reden über andere hat nämlich eine wichtige soziale Funktion. Klatsch ist nicht nur spannend, sondern baut Stress ab und bringt Abwechslung und Leichtigkeit in unser Leben. Überdies ist das Tratschen auch ein normativer Kompass – so erfahren wir, was von der Mehrheit der Gesellschaft akzeptiert wird.

Klatsch bleibt im Gedächtnis hängen

Zwei Frauen beim Tuscheln
Macht Alltagsgespräche erst richtig interessant: Das Getuschel Quelle: mev

„Die Menschen verständigen sich so, was an Verhaltensweisen akzeptabel ist und was nicht“, erklärt Stefan Kutzner von der Universität Siegen. Der Soziologe weiß auch zu berichten, dass sich Menschen überraschenderweise das Getuschel über andere besser merken können als Nachrichten; selbst wenn sie ahnen, dass das, was die Nachbarin berichtet, nicht ganz der Wahrheit entspricht.

Den kleinen Tratsch in der Kaffeeküche empfiehlt der Soziologe auf keinen Fall zu verbieten. „Menschen machen es ohnehin, das kann man am Arbeitsplatz nicht kontrollieren. Es schadet eigentlich auch nicht, schafft sogar Verbindung und Gemeinschaft, weil man sich von einer anderen, privaten Seite kennen lernt.“ Für Stefan Kutzner ist Tratschen aber dann ein Problem, „wenn es zu Ausgrenzung führt und bestehende Konflikte nicht mehr offen und fair angesprochen werden. Dann fehlt jede Chance, Probleme zu bereinigen.“

Die dunkle Seite des Tratschens

Tratschen kann also Gruppen zusammenhalten, aber auch manipulieren und den Ruf eines Menschen dauerhaft zerstören. Wenn gezielt Unwahrheiten verbreitet werden, dann ist der Spaß am Getratsche schnell vorbei. Eine ganz neue Qualität hat dieses Verhalten in den letzten Jahren im Internet bekommen, warnen viele Experten. In sozialen Netzwerken werden immer öfter Jugendliche beleidigt und bloßgestellt. Das Netz macht es möglich, dass sich Neuigkeiten rund um die Uhr, anonym und wie ein Lauffeuer verbreiten.

Cyber-Mobbing

Wie diese Entwicklung kam und was dagegen zu tun ist, erklärt Birgit Kimmel von der EU-Initiative klicksafe.de!

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