Haustiere – des Menschen bester Freund?

Knapp 55 Prozent der Deutschen teilen ihr Heim mit einem Tier. Woher kommt das Bedürfnis nach einem Leben mit Vierbeinern? Und warum betrachten wir Haustiere, die wir gerne von Nutztieren unterscheiden, als unsere besten Freunde?

Hunde sorgen für weniger Depressionen

Die Ergebnisse des renommierten Robert-Koch-Instituts zu den Vor- und Nachteilen der Haustierhaltung sind eindeutig. Nach Abwägung der Risiken und Nutzen bewerten die Wissenschaftler den Einfluss auf das Wohlbefinden als eindeutig positiv: Höhere Lebenszufriedenheit durch das Gefühl des Gebrauchtwerdens, Stressabbau durch Tierkontakt- und Beobachtung, gesteigerte körperliche Aktivität und vermehrte soziale Kontakte. Kalifornische Wissenschaftler haben kürzlich sogar herausgefunden, dass etwa ein Hund im Haus das Depressionsrisiko um die Hälfte senkt.

Auch für Kinder sind Haustiere wertvoll. Sie leiden halb soviel an Allergien oder Asthma, wenn sie mit einem Tier aufwachsen und sind besser in der Schule, teamfähig, kommunikativ und verantwortungsbewusst, wenn sie sich um ein Tier kümmern müssen. Selbst Kinder getrennter Eltern entspannen sich im Umgang mit dem Tier und tanken Selbstbewusstsein durch die feste Bindung.

Haustiere als gigantischer Wirtschaftsfaktor

„Natürlich kann man ohne Hund leben. Es lohnt sich nur nicht“, soll Heinz Rühmann einmal gesagt haben. Kein Wunder also, wenn die Tierliebe manchmal keine Grenzen zu kennen scheint. Es gibt Tiertelepathinnen, das Sorgerecht um das Tier und Testamenteröffnungen, bei denen der Vierbeiner als Alleinerbe verkündet wird. Doch ein Zusammenleben zwischen Mensch und Tier sollte beiden Geschöpfen gerecht werden. Zu beurteilen, was die Bedürfnisse des Haustieres sind, und was unsere vermenschlichten Vorstellungen davon sind, ist häufig schwer.

Eines ist sicher: Tiere sind aus dem Leben des Menschen nicht wegzudenken. Rund 31 Millionen Haustiere leben in deutschen Haushalten. Ein gigantischer Wirtschaftssektor, der von der Tierfutterindustrie über die Zulieferbrachen bis hin zur medizinischen Versorgung reicht. Allein im letzten Jahr haben die Deutschen 3,7 Milliarden Euro für Haustiere ausgegeben. Särge für Hund und Hamster gibt es seit langem. Doch auch Feinkost ist mittlerweile für die geliebten Vierbeiner kein Fremdwort. Wenn Fachpublikationen über dramatische Geschichten zum Übergewicht des Hundes schreiben und Lebenshilfe anbieten wie „Abnehmen leicht gemacht“, wartet die Tierfutterindustrie bereits mit Light-Produkten auf.

Während 15 Prozent ihr Haustier im eigenen Bett schlafen lassen, sind 14 Prozent bereit, wenn nötig, ihrem Hund eine Zahnspange zu kaufen. 22 Prozent würden ihn vom Bestatter beerdigen lassen. Das soziale Netzwerk für Hunde ist seit langem online, Tiermasseure bieten ihre Dienste an, Verhaltenstherapeuten, Psychologen und Trainer jeder Art sind zur Stelle. Auch der erste ökumenische Kirchentag für Mensch und Tier wurde bereits abgehalten.

Zwischen Partnerersatz und rechtlosem Geschöpf

Auch wenn Haustiere eine positive Rolle für Körper und Geist des Menschen haben, verläuft die Begegnung zwischen Mensch und Tier bis heute leider nicht so harmonisch. Die Geschichte des europäischen Tierschutzes zeigt, dass der Mensch sich erst seit der Aufklärung für die „humane“ Behandlung von Tieren und für ihre Rechte als Geschöpf interessiert. Mittlerweile ist der Tierschutz im Grundgesetz verankert. Dennoch kann von einem ethisch vertretbaren Umgang mit Tieren nicht gesprochen werden. Das trifft auf die Haustierhaltung ebenso zu wie auf die Nutztierhaltung. Jährlich werden 500.000 Haustiere ausgesetzt, obwohl dies gesetzlich verboten ist. 300.000 Tiere landen im Tierheim. Zur gleichen Zeit werden weiter Tiere gezüchtet und zum Verkauf angeboten. Wenn uns Tiere so gut tun, schaffen wir es eigentlich, den Tieren gut zu tun?

Für viele Menschen ist das Haustier eine wichtige Bezugsperson und ersetzt bisweilen fehlende menschliche Beziehungen. Die Tiere sind überfordert, wenn sie als Partnerersatz angesehen werden. Doch wo beginnt die Grenze zur übertriebenen Tierliebe? Die Grenzen zwischen Mensch und Tier in Sachen Liebe scheint jedenfalls immer mehr zu verwischen.

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