Heilendes Licht

Was ein Mangel an Sonnenlicht bewirken kann

Viele kennen das Gefühl: Es ist Winter und man kommt morgens kaum aus dem Bett, fühlt sich den Rest des Tages antriebslos und schlapp. Bei manchen Menschen ist die Reaktion auf die dunkle Jahreszeit so stark, dass Wissenschaftler von einer saisonal abhängigen Depression (SAD) oder auch Winterdepression sprechen.

Während sich die klassische Depression in der Regel durch Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust auszeichnet, wirkt die SAD quasi umgekehrt: Betroffene benötigen überdurchschnittlich viel Schlaf, haben einen Heißhunger auf Süßigkeiten und kohlehydratreiche Kost und nehmen stark an Gewicht zu. Dr. Dieter Kunz, Chefarzt der Klinik für Schlafmedizin am Hedwig-Krankenhaus in Berlin, erklärt diese Unterschiede damit, dass die saisonal abhängige Depression eigentlich nichts anderes ist, als ein Überbleibsel des Winterschlafes. „Der Körper geht in einen Energiesparmodus. Bloß brauchen die Menschen dies heute nicht mehr“, so Kunz.

Den Körper in den „Wachmodus“ versetzen

Um dem entgegenzuwirken ist vor allem die Lichttherapie ein wirksames Mittel. Untersuchungen belegen, dass sechs bis neun von zehn Patienten mittels der Lichttherapie innerhalb von zwei bis drei Wochen eine Verbesserung ihrer Beschwerden bemerken. Bei einer Lichttherapie sitzt der Betroffene in einem Abstand von ca. 80 Zentimetern vor einer sehr hellen Lampe. Diese sollte möglichst 10.000 Lux, aber mindestens 2.500 Lux stark sein (zum Vergleich: eine normale Zimmerbeleuchtung beträgt normalerweise 300 bis 500 Lux). Über die Netzhaut wird das Licht dann aufgenommen.

Lichttherapie
Lichttherapie hilft gegen Winterdepression. Quelle: dpa

Wie genau das Lichts auf die Winterdepression wirkt ist noch relativ unklar. Man geht jedoch davon aus, dass durch die Dunkelheit in den Herbst- und Wintermonaten durch die Zwirbeldrüse im Gehirn eine große Menge Melantonin, auch als Schlafhormon bekannt, ausgeschüttet wird. Das künstliche Tageslicht wirkt dem als eine Art Zeitgeber entgegen. Durch die morgendliche Bestrahlung wird die Melantoninausschüttung gehemmt und das Glückshormon Seratonin produziert. Der Körper wird in den „Wachmodus“ versetzt, und die Stimmung wird regelrecht „aufgehellt“. Aus diesem Grund ist es auch wichtig, dass man die Bestrahlung am besten in den Morgenstunden zwischen 07.00 Uhr und 10.00 Uhr vornimmt. Eine frühere oder spätere Behandlung würde, laut Dr. Kunz, den Tag- und Nacht-Rhythmus verschieben und es käme zu einer Art Jetlag.

90 Prozent leiden an Vitamin D-Mangel

Licht kann nicht nur bei Depressionen, sondern auch bei verschiedenen Hauterkrankungen helfen. So erzielte man in den letzten Jahren vor allem bei Neurodermitis, Schuppenflechten und Sonnenallergie positive Ergebnisse. Laut Nicolas Hunzelmann, Professor für Dermatologie an der Hautklinik Köln, komme es dabei weniger auf die Lichtstärke an, sondern ob es sich um kurzwellige UV-A oder langwellige UV-B-Strahlen handle. Der Arzt wählt je nach Erkrankung und Hauttyp die entsprechende Strahlendosis. Generell gelte, je oberflächlicher die Erkrankung, desto kurzwelliger die Strahlen, so Hunzelmann. Das ultraviolette Licht hemmt bestimmte Zellen im Immunsystem und wirkt somit antientzündlich, lindert Juckreiz und vermindert die übersteigerte Bildung von Hautzellen bei Schuppenflechte.

Wesentlich für diese Heilungsprozesse ist die Bildung von Vitamin D. Laut Jörg Spitz, Facharzt für Nuklearmedizin, Ernährungsmedizin und Präventionsmedizin, leiden wahrscheinlich 90 Prozent der Deutschen vor allem in den Herbst- und Wintermonaten an Vitamin D-Mangel. Vitamin D habe vor allem auf das Immunsystem eine einschlägige Wirkung. Das könne man allein schon daran bemerken, so Spitz, dass im Winter Erkältungskrankheiten und Grippe-Epidemien deutlich stärker vertreten sind als im Sommer. Auch die Schwächung der Muskulatur und ein schwankender Blutdruck können Folgen des Vitamin D Mangels sein.

Zu wenig frei Haut

Vitamin D ist eigentlich gar kein Vitamin, sondern die Vorstufe eines Hormons und somit fettlöslich. Es wäre uns also möglich, im Sommer einen ausreichenden Vitamin-D-Speicher im Fettgewebe anzulegen, wenn wir uns von März bis Oktober täglich um die Mittagszeit eine viertel Stunde in die Sonne begeben würden.

Das größte Problem für das Vitamin D ist, dass wir uns mehr und mehr in geschlossene Räume zurückziehen. Sowohl Arbeit als auch Freizeit findet überwiegend drinnen statt. Ein weiteres Problem ist die Kleidung. Laut Jörg Spitz sind wir heutzutage zu sehr „angezogen“. Für die Vitamin-D-Bildung seien mindestens 25 Prozent freigelegte Haut notwendig und das ohne Sonnenschutz. Um einen Sonnenbrand zu vermeiden, können Solarien und Vitamin D-Präparate genutzt werden. Welche positiven Effekte die Sonne noch auf uns hat, ist längst nicht erforscht. „Die Sonne gilt mittlerweile als etwas Gefährliches, obwohl sie so viele positive Effekte hat und seit Millionen von Jahren die Existenz des Lebens auf der Erde garantiert – auch des menschlichen Lebens!“ so Spitz.

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