Heimtückische Krankheit

Vor drei Jahren nahm sich Robert Enke das Leben

Gesellschaft | sonntags - Heimtückische Krankheit

Vier Millionen Depressive leben in Deutschland. 9000 Menschen nehmen sich jährlich in unserem Land das Leben. Wie kann man eine echte Depression erkennen und bekämpfen?

Beitragslänge:
5 min
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Video verfügbar bis 09.11.2017, 15:30

Es war der 10. November 2009, ein trauriger Tag für den deutschen Fußball und für die deutsche Gesellschaft allgemein. Der Nationaltorwart, Robert Enke, nahm sich an diesem Tag das Leben. Bei Empede, in der Nähe von Hannover, ließ er sich von einem Zug erfassen und setzte somit seinem Leben ein Ende. Er tat dies nicht aus freiem Willen, sondern getrieben von einer heimtückischen Krankheit: Depression. Sofort verbreitete sich die Nachricht vom Tod Enkes. Viele Menschen waren erstaunt, wie ein Mann, der Woche für Woche derart in der Öffentlichkeit stand, eine Depression verstecken konnte.

Eine der wichtigsten Personen in Enkes Leben war seine Frau. Teresa war einer der wenigen Menschen, die über sein Leiden Bescheid wussten. Sie lernten sich bereits in jungen Jahren kennen, als „Robi“, wie sein Spitzname lautete, noch in der Jugendmannschaft seines Heimatvereins, dem „FC Carl Zeiss Jena“, kickte.

Später spielte Enke für Borussia Mönchengladbach, Benfica Lissabon, Fenerbahce Istanbul, CD Teneriffa und Hannover 96. Enke war dort meistens Stamm- und Führungsspieler. Im Sommer 2002 unterschrieb er bei einem der ambitioniertesten und erfolgreichsten Vereine Europas, dem FC Barcelona. In der katalanischen Großstadt konnte er sich allerdings nie durchsetzen. Damit hatte er jahrelang zu kämpfen, auf und neben dem Platz.

Weg in die dunkle Welt

Fußballfans gedenken Robert Enke mit Kerzen
Fußballfans gedenken 2009 Robert Enkes Quelle: dpa

Mit Teresa Enke bekam er eine Tochter, Lara. Sie kam mit einem Herzfehler zur Welt und verstarb im September 2006. Es waren wohl Rückschläge wie dieser, die den Nationaltorwart in eine dunkle und graue Welt verschleppten. An manchen Tagen muss es so schlimm gewesen sein, dass Enke sich nicht zum Aufstehen überwinden konnte, weil ihm alles so sinnlos erschien.

Robert Enke war gleichzeitig auch ein sehr engagierter Mensch, der sich gerne die Zeit nahm für Fans und Projekte für einen guten Zweck. So engagierte er sich für den Tierschutz und hielt zusammen mit Ehefrau Teresa mehrere Hunde, Katzen und sogar ein Pferd. Sein Traum war es, zusammen mit dem Journalisten und Autor Ronald Reng ein Buch zu verfassen, in dem er sich zu seinen Depressionen bekennt. Diese Idee wollte er aber erst nach seinem Karriereende realisieren. Es sollte nie dazu kommen.

Depression ist eine Krankheit, keine Schwäche

Ronald Reng und Enke lernten sich in Lissabon kennen, wo Enke von 1999 bis 2002 Torhüter war. Nach Enkes Suizid verfasste Reng das Buch „Robert Enke – Ein allzu kurzes Leben“ in dem er zusammen mit Teresa Enke und etlichen anderen Wegbegleitern, das Leben der Beiden und seine Krankheit Revue passieren lässt. Das Buch gibt durch Tagebucheinträge und fundiertes Hintergrundwissen einen interessanten und lehrreichen Einblick in das Leben von Robert Enke.

Ob der Tod des Nationalspielers etwas verändert hat, ist schwer zu beantworten. Er hat allerdings deutlich gemacht, dass depressive Menschen krank sind und nicht etwa zu schwach für diese Gesellschaft. Die Öffentlichkeit diskutierte über das Thema Depression, und es fand eine Enttabuisierung statt. Doch was sich konkret in der Folge von Enkes Tod verändert hat, ist auch drei Jahre nach der Tragödie um ihn nicht zu beantworten.

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