Henning Scherf – Bunt fürs Leben

Gesellschaft | sonntags - Henning Scherf – Bunt fürs Leben

Willy Seidel arbeitet als Seniorenmodel und ist gut im Geschäft: wöchentliche Fotoshootings, dazu kleinere TV-Rollen. Entdeckt wurde der 72jährige vor fünf Jahren.

Beitragslänge:
3 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 23.11.2017, 11:13

Mit dem Rentenalter beginnen die besten Jahre, das zumindest meint Henning Scherf. Der ehemalige SPD-Politiker hat eine ganz eigene Vorstellung vom „Altsein“.

Henning Scherf gilt als Deutschlands bekanntester „Alten-WGler“. Die rollstuhlgerechte Wohngemeinschaft in der Bremer Innenstadt, die er zusammen mit Ehefrau Luise und sieben weiteren Personen bewohnt, soll der Vereinsamung im Alter zuvorkommen. Seit seinem Ausscheiden aus den politischen Ämtern sind Fragen zum Altwerden das Thema des ehemaligen Juristen geworden.


Jung ist, wer an die Zukunft denkt

Henning Scherf
Henning Scherf zu Gast bei sonntags Quelle: ZDF


Junge und ältere Menschen sollten näher zusammenrücken, denn sonst drohe unsere Gesellschaft auseinanderzubrechen. Scherf möchte daher Netzwerke und Lebensräume für Ältere schaffen, damit das Alter seinen „Horror“ verliert. Henning Scherf, der von 1995 bis 2005 Oberbürgermeister der Hansestadt war, ist zudem Autor mehrerer Bücher zum Älterwerden. Seine neuste Veröffentlichung: „Wer nach vorne schaut, bleibt länger jung“.

Scherf vertritt die Ansicht, dass mit dem Rentenalter die besten Jahre beginnen. Damit widerspricht er der allgemeinen Angst vor dem Alter, das vor allem von Armut und Unbehagen geprägt sei. Was Jungsein vom Altsein unterscheidet, dafür hat er eine ganz eigene Interpretation: „Alt ist, wer mit 50 Prozent seiner Gedanken in der Vergangenheit ist, jung ist, wer mit 50 Prozent seiner Gedanken in der Zukunft ist.“


Noch 30 wunderbare Jahre


Wenn man den mittlerweile 74-jährigen fragt, warum er der Zukunft so optimistisch entgegen sieht, dann verweist er darauf, dass Menschen, die heute 60 Jahre alt werden, im Schnitt noch 30 Lebensjahre vor sich haben. Diese drei Jahrzehnte bezeichnet er als „30 Jahre in wunderbaren Bedingungen, weil wir nämlich eine Rente haben, die uns ernährt, weil wir plötzlich Zeit haben, weil wir noch fit sind, weil wir uns noch interessieren und einmischen können, weil wir uns noch beteiligen können, ohne immer zu fragen: ‚Kriege ich da auch das richtige Gehalt dafür?‘“.

Henning Scherf war zu seiner Zeit als Oberbürgermeister bekannt dafür, gerne mit dem Fahrrad in der Bremer Innenstadt unterwegs zu sein. Er hatte immer Sympathie für alternative Gedanken und nahm nicht alles so hin, wie es zu sein schien. Ob sich seine Vorstellungen bewahrheiten, wird die Zukunft zeigen. Henning Scherf jedenfalls blickt ihr optimistisch entgegen.

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