Jenseits der Norm

Wie Kleinwüchsige ihren Alltag meistern

Gesellschaft | sonntags - Jenseits der Norm

Mara ist 13 Jahre alt und aufgrund eines Gendefekts kleinwüchsig. Doch sie führt ein ganz normales Leben und fühlt sich wohl - auch wenn sie von anderen oft angestarrt wird.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 23.05.2019, 13:37

Schätzungsweise 100.000 kleinwüchsige Menschen leben in Deutschland. Ihr Alltag gestaltet sich oft schwierig. Einfachste Tätigkeiten können zu unüberwindbaren Hindernissen werden, wie eine Klingel drücken oder im Supermarkt einkaufen. Alles ist auf die Bedürfnisse „der Großen“ ausgerichtet und erscheint für die Kleinwüchsigen im „Riesenformat“.

Mara mit Mandoline
Mara mit Mandoline Quelle: ZDF

Mara ist 13 Jahre alt und weiß, dass sie nie größer als 1,50 Meter wird. Kurz nach ihrer Geburt wurde Achondroplasie festgestellt; eine Form der Kleinwüchsigkeit, bei der die Arme verkürzt und der Kopf verlängert sind. Viele Dinge in ihrem Alltag sind Spezialanfertigungen, etwa ihr Schreibtischstuhl, damit sie später keine gesundheitlichen Probleme bekommt. Auch ihre Mandoline, bei der der Abstand zwischen den Bünden geringer ist, wurde speziell für sie angefertigt.

Wenn die Gelenke und Organe leiden

Kleinwüchsige leiden aufgrund ihrer Körpergröße zumeist unter körperlichen Beschwerden. So haben sie häufig mit Rücken- und Gelenkproblemen zu kämpfen. Zusätzlich verlieren sie durch ihr im Verhältnis zum Körper großes Hautvolumen viel Wärme. Die inneren Organe und vor allem das Herz müssen die ganze Zeit auf Höchstleistung laufen. Dass bringt einen frühen Organverschleiß und weitere gesundheitliche Probleme mit sich.

Noch schwerer als die körperliche Belastung ist für Kleinwüchsige die psycho-soziale Komponente zu ertragen. Die ganze Zeit angestarrt zu werden und bei jeder Kleinigkeit auf Hilfe angewiesen zu sein, kann sehr belastend sein. Um bei solchen Problemen zu helfen, gibt es den Bundesverband kleinwüchsiger Menschen und ihrer Familien (BKMF). Seit 1988 engagiert sich der Verein für die Aufklärung, Integration und Stärkung von Kleinwüchsigen.

Mit 1,29 Meter voll dabei

In regelmäßigen Treffen versuchen sich Betroffene gegenseitig zu helfen, „vor allen aber, um Kontakt auf Augenhöhe zu haben“, so Bernhard Mohr, Leiter des Landesverbandes Baden-Württemberg, und Vater von Mara. Für ihn ist eine positive Entwicklung in der Gleichbehandlung von Kleinwüchsigen erkennbar, er sieht allerdings noch deutliche Verbesserungsmöglichkeiten im Bereich des Arbeitsmarktes.

Dass ein normales Leben für Kleinwüchsige möglich ist, zeigt Matthias Schuler. Der 25-jährige kam ebenfalls mit Achondroplasie auf die Welt. Trotzdem besuchte er einen Kindergarten, machte mit 20 den Führerschein, und wohnt mittlerweile alleine in einer Wohnung. Mit seinen 1,29 Meter braucht er zwar öfters Hilfe, aber er kann seinen Alltag selbstständig bewältigen. Matthias hat eine Anstellung als Sacharbeiter in der Personalabteilung des Erzbischöflichen Ordinariats in Freiburg. Auch wenn manchmal noch komische Blicke kommen, fühlt er sich wohl und akzeptiert seine Größe voll und ganz.

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