Kellnern im Integrationshotel

Clemens P. hat eine leichte geistige Behinderung. Er merkt sich Dinge sehr schlecht, vergisst vieles sofort wieder. Im Stadthaus-Hotel in Hamburg hat er eine Beschäftigung gefunden. Er ist für Frühstücksbedienung und Zimmerservice verantwortlich. Die Arbeit dort findet er zwar manchmal ziemlich stressig, aber sie macht ihm Spaß. Und er ist stolz darauf, einen richtigen Arbeitsplatz zu haben.

Meistens ist ausgebucht

Das Stadthaus-Hotel ist ein Integrationshotel. Hier arbeiten Menschen mit Behinderung zusammen mit Nicht-Behinderten und Fachkräften. Die Gäste kommen aus allen Bereichen. Es sind sowohl Behinderte, die sich sicher sein können, dort ein behindertengerechtes Hotel zu finden als auch Touristen oder Geschäftsreisende, die von der Idee des Stadthaushotels begeistert sind. Das Projekt funktioniert gut. Die 13 Zimmer sind meistens ausgebucht.

Gäste, die im Hotel übernachten oder nur zum Essen ins Restaurant gehen, bekommen dort den gleichen Service wie in jedem anderen Hotel. Kai Wiese vom Verein "Jugend hilft Jugend", der Träger des Hotels ist, wünscht sich, dass durch den Besuch unter Umständen mehr Solidarität entsteht: "Denn schließlich kann es jedem passieren, im Rollstuhl zu landen, durch einen Autounfall oder einen Schlaganfall. Dann möchte man auch nicht in ein Heim am Stadtrand abgeschoben werden, sondern weiterhin an der Gesellschaft teilnehmen."

Nachfolgeprojekt schon geplant

Jetzt plant der Träger des Stadthaus-Hotels mit Unterstützung der Stadt Hamburg ein neues Projekt. Die Idee ist gleich, aber das Vorhaben um ein vielfaches größer. In der Hafencity, dem Prestigeprojekt der Hansestadt, soll ein Hotel der gleichen Machart entstehen. Doch statt 13 Zimmern sind circa 80 Zimmer geplant und statt für zwölf sollen dort Arbeitsplätze für 50 Menschen mit Behinderung entstehen.

Es war nicht leicht, die Investoren der Hafencity von der Idee zu überzeugen. Es herrschte Skepsis, ob das Ganze überhaupt finanziell und technisch realisierbar wäre. Doch nach langen, zähen Verhandlungen ist es dem Verein "Jugend hilft Jugend" nun gelungen, Investoren für das Projekt zu gewinnen, das nur zu 20 Prozent aus öffentlichen Fördergeldern bestritten wird.

Struktur für Labile

In Europas größtem Integrationshotel möchte man verstärkt in die Ausbildung einsteigen. Neben den Arbeitskräften mit den unterschiedlichsten geistigen, körperlichen und auch psychischen Behinderungen sollen auch Jugendliche mit "Entwicklungshandicap", sei es durch schwierige soziale Verhältnisse oder Suchterkrankungen, hier die Möglichkeit bekommen, sich zum Koch/Köchin oder Hotelfachmann/frau ganz normal ausbilden zu lassen. Über eine abgeschlossene Ausbildung zu verfügen, das wird für sie bedeuten, deutlich bessere Chancen bei späteren Bewerbungen auf dem freien Arbeitsmarkt zu haben.

Die Auswahl wird groß sein, denn schon heute treten viele Eltern und Verbände an "Jugend hilft Jugend" heran. Aus Erfahrung weiß man, für viele dieser Jugendlichen ebenso wie für die Behinderten wird es nicht immer ganz leicht sein, sich in ein Arbeitsverhältnis einzugliedern. "Je labiler die Persönlichkeit, desto wichtiger ist die Struktur", sagt Wiese. Doch für alle Beteiligten stellt die Arbeit im Integrationshotel eine Herausforderung dar, der sie sich gerne stellen.

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