Lärm macht krank

Gesellschaft | sonntags - Lärm macht krank

Der Park in Berlin Friedrichsdorf ist eigentlich eine Oase der Ruhe, doch auch hier gibt es einige Geräusche - über dreißig haben wir gezählt. Hören Sie sie?

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1 min
Datum:
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Video verfügbar bis 10.08.2017, 10:45

Laut WHO stellt Lärm eines der größten Gesundheitsrisiken für Menschen dar. Auch in Deutschland sind 15 Prozent der Bevölkerung Verkehrslärm von 65 Dezibel dauerhaft ausgesetzt. Wie sehr Lärm die Gesundheit schädigt und wie wir unsere Ohren schützen können, erklärt Professor Wolf Mann von der Universitätsklinik Mainz.

ZDF: Was ist der Unterschied zwischen Geräusch und Lärm?

Wolf Mann: Geräusche sind einfach Töne in verschieden Frequenzen. Lärm sind dagegen Geräusche, die ich als übel empfinde, also Töne plus Emotion.

ZDF: Wann ist  Lärm besonders schädlich?

Mann: Der Impulslärm, also ein lautes Geräusch, mit dem man nicht rechnet, ist sehr schädlich, aber natürlich auch Lärm über eine bestimmte Dauer und Intensität. Es kommt aber auch darauf an, wann der Lärm auftritt. Am Tag toleriert man Straßenlärm eher, selbst Verkehrslärm bis 80 Dezibel. Auch wenn der Lärm uns in den ersten Nachtstunden, also vor 1 Uhr, erreicht, tolerieren wir ihn besser, als zwischen 1 Uhr und 4 Uhr in der Frühe. Da sind wir nämlich nicht mehr in der Tiefschlafphase und wachen wesentlich leichter auf. Es hängt also sehr von der Situation ab, wie lärmempfindlich wir sind.

Mädchen mit Ohrenschützern bei Demonstration gegen Fluglärm
Mädchen mit Hörschutz protestiert gegen Fluglärm in Frankfurt Quelle: Reuters

ZDF: Was passiert im Ohr genau bei lautem Lärm?

Mann: Lärm ab 85 Dezibel kann zu Hörschäden führen, da die Haarzellen in der Ohrschnecke abbrechen.  Diese Haarzellen sind  für die Weiterleitung der Schallwellen zuständig. Sind die Haarzellen erst mal gebrochen, kann das Ohr bestimmt Frequenzbereiche nicht mehr hören. Dazu können auch bleibende Ohrgeräusche auftreten, die die Schädigung anzeigen.

ZDF: Welche gesundheitlichen Folge kann eine dauerhafte Lärmbelastung noch haben?

Mann: Wenn ich Lärm ausgesetzt bin, vor dem ich mich nicht schützen kann, dann verursacht das eine Hilflosigkeit, die neben Herzkreislauferkranken auch zu einer Depression führen kann. Außerdem weiß man, dass Patienten, die keinen erholsamen Schlaf haben, dazu tendieren, depressiv zu werden.

ZDF: Sie sagten, dass ab 85 Dezibel Dauerbelastung Hörschäden auftreten können. Aber kaum jemand weiß, wie laut das eigentlich ist. Wie kann man sich das vorstellen?

Mann: Wenn ich im Wald spazieren gehe, dann habe ich einen Lärmpegel von 20 db, bei einer Unterhaltung sind es rund 40 db. In einer Diskothek erreicht die Intensität schnell eine Größenordnung von 105 – 110 db, Düsenjäger liegen bei 120 db, eine Schuss bei 140 – 150 db.   Interessant ist auch, dass die Autofahrt in einer Luxuskarossen rund 70 db laut ist, in einem schlecht isolierten Wagen aber 80 db beträgt.

ZDF: Wie kann man sich vor Lärm schützen?

Mann: Schalldichte Fenster sind ein guter Schutz, wenn sie an der Straße wohnen.  Wenn Sie wissen, dass sie Lärmsituationen  ausgesetzt sind, dann bieten auch Ohrenstöpsel einen wirksamen Schutz, besonders die, die vom Akustiker individuell angepasst wurden.  So kann man nämlich den Schallpegel um 20 db senken.  Das ist übrigen auch eine wirksame Methoden für die Nachtstunden, wenn sich der Ehepartner nicht beschwert, dass man seine zarten Aufforderungen nicht mehr hören kann.

ZDF: Lärm wird oft auch mit Spaß verbunden. Warum ist das so?

Professor Wolf Mann, Hals- Nasen- und Ohrenklinik Universitätsmedizin Mainz
Hals-, Nasen- und Ohrenspezialist Wolf Mann, Universitätmedizin Mainz

Mann: Wenn ich Lärm verursache, erwecke ich Aufmerksamkeit. Das Ohr ist ein Kommunikationsmittel, aber auch ein Schutzorgan. Die Menschen richten ihre Aufmerksamkeit dorthin, wo die Lärmquelle ist, um herauszufinden, ob die Situation gefährlich ist oder nicht. Und wenn jemand kräftig aufdreht, dann schaut man dahin. Das versuchen diese Leute zu provozieren, durch ein lautes Motorrad, einen weggesägten Auspuff oder laute Musik im Auto.

ZDF: Was sind ihre Forderungen?

Mann: Wenn Kinder in der Schule dauerhaft z.B. Fluglärm ausgesetzt sind, dann führt das nachweislich zu Konzentrationsstörungen. Vordringliche Aufgabe ist es daher, dass die Schulen, die im Bereich der Flugrouten liegen, mit guten Schallschutzfenstern ausrüstet werden. Aber auch die Eltern sind gefordert. Sie müssen aufpassen, dass die Kinder ihre Kopfhörer nicht zu laut aufdrehen. Die Industrie sollte aber auf jeden Fall auch Lärmbegrenzer in die Geräte einbauen.

ZDF: Wie mache ich meinen Ohren eine Freude?

Mann: Das Ohr ist ja das Tor zur Seele. Das Hören, also die Kommunikation ist für uns Menschen ja wichtig, noch wichtiger übrigens als das Sehen. Wenn ich etwas höre, was mich happy macht, dann tue ich meinem Ohr etwas Gutes und damit auch meiner ganzen Psyche.

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