Milchmaschine oder Heilige Kuh?

Der Mensch und das liebe Vieh

Die Kuh ist das älteste und wichtigste Haustier des Menschen. Sie liefert - seit der Steinzeit bis heute - Arbeitskraft, Milch, Fleisch, Werkzeuge. Kein Wunder, dass sie in vielen Mythen und Traditionen eine Rolle spielt. Für Hindus gilt die Kuh sogar als heilig. Aber auch in anderen Religionen und Kulturen ist die Kuh ein altes mythologisches Symbol. Selbst im Christentum.

Seit fast 10.000 Jahren lebt die Kuh mit dem Menschen zusammen, historisch betrachtet hat sie die menschliche Zivilisation mitbegründet: Sie zog den Pflug, half beim Tragen großer Lasten und wenn sie keine Milch mehr gab, wurde sie geschlachtet und konnte eine ganze Großfamilie lange ernähren. Aus ihrer Haut wurden Kleidung oder Schuhe gemacht und aus Horn ließen sich Trinkgefäße oder Werkzeuge herstellen. Eine Kuh war wertvoll. Kein Wunder also, dass die Kuh religiös und mythologisch in der Menschheitsgeschichte eine große Rolle spielt.

Fette Kühe und Milchregen

Aleph/Alpha - Buchstaben, die an den Kopf einer Kuh erinnern.

Diese Bedeutung der Kuh für den Menschen spiegelt sich in der Schöpfungsgeschichte der jüdisch-christlichen Tradition: Gott schuf zuerst das Vieh, heißt es dort, und dann den Menschen. Der erste Buchstabe des hebräischen Alphabets ist das Aleph, der stilisierte Kopf eines gehörnten Rindes. Auch das griechische Alpha erinnert an das Haupt einer Kuh in der Vorderansicht, um 90 Grad gedreht. Im Traum erscheinen dem Pharao in der Bibel sieben fette und sieben magere Kühe. Sie symbolisieren jeweils sieben fruchtbare Jahre und sieben Jahre der Hungersnot.

In den Veden, den Jahrtausende alten Schriften der Hindus, wird die Kuh als "Treppe zum Himmel" gepriesen. Sie symbolisiert das ganze Universum: "Nichts Größeres gibt es als eine Kuh". In indogermanischen Schöpfungsmythen klingt das ähnlich: Audhumla, die Urkuh, leckt mit ihrer warmen Zunge den Menschen aus einem Eisblock heraus. So überliefert es das altisländische Epos Snorra Edda. Der germanische Donnergott Thor melkt mit seinen Blitzen die Euter der Wolkenkühe, deren Milch als Regen auf die Erde fällt. Ähnliches findet sich in der Tradition des afrikanischen Hirtenvolkes der Fulbe: in ihrer Mythologie wurde die Welt aus einem Tropfen Milch erschaffen.

Himmelskühe und Milchstraßen

Maria lactans (um 1614) Gemälde von Peter Paul Rubens
Maria lactans - Gottesmutter nach Peter Paul Rubens

Die Milchstraße, das milchige Sternenband am Nachthimmel, hat seinen Namen von den Griechen: Die Galaxis kommt von griechisch "Gala" - Milch. In der griechischen Mythologie stammt die Milch aus den Brüsten der "kuhäugigen" Göttin Hera. Man hatte ihr den Halbgott Herakles, den Sohn des Zeus und einer Sterblichen, als Säugling an die Brust gelegt, und als sie es bemerkte, weil er so gierig gesaugt haben soll, schleuderte sie das Kind wütend von sich. Aus der Milch, die dabei aus ihren Brüsten floss, entstand dem Mythos zufolge die Milchstraße, unsere Galaxis.

Die Milch symbolisiert - als erstes Nahrungsmittel, das ein Mensch zu sich nimmt - die Ureinheit des Kindes mit der Mutter. Auch die Ägypter sahen im Universum die große Urmutter: das Himmelsgewölbe war für sie der Unterleib der Himmelskuh Hathor, auf deren Rücken der Sonnengott Re ritt. Aus Hathor wird später Isis, die in zahlreichen Darstellungen mit dem göttlichen Knaben Horus gezeigt wird, der an der entblößten Brust saugt. Ein Bild, das sich im Katholizismus erhalten hat: Die Maria lactans ist eine beliebte mittelalterliche Darstellung der Gottesmutter Maria, an deren entblößter Brust, das Jesuskind trinkt.

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