Mobil wie nie zuvor!

Zur Geschichte des Reisen

Ob mit dem Motorschlitten zu den Inuit in die Arktis, per Kamel durch die Sahara oder mit dem Fahrrad über den Alpenhauptkamm: Die Angebote der Reisebranche kennen nahezu keine Grenzen mehr, entscheidend sind allenfalls die persönliche Fitness und der Geldbeutel. Doch so viel Mobilität war lange ebenso undenkbar wie unmöglich.

So war das Reisen im Mittelalter ausgesprochen beschwerlich und mühsam. Unbekannte Gegenden, schlechte Straßen, undurchdringliche Wälder und morastige Auen, dazu fehlende Wegweiser, da machte sich nur auf wer musste: Soldaten, Kaufleute, Wanderburschen und Pilger vor allem waren es, die da durch die mittelalterlichen Lande zogen.

Auf dem Königweg durch den Matsch

Hauptverkehrswege waren die Königswege, die "Viae Regiae". Trotz des königlichen Namens waren das meist  einfache, wenig befestigte Feld- und Handelswege, auf denen die Reisenden bei Regen auch einmal  im Matsch versanken. Wegelagerer, Raubritter und zwielichtige Gestalten lauerten an unwegsamen Stellen, Wildschweine und Bären taten ihr übriges. Wer einen Fluss zu überqueren hatte, war auf Furten angewiesen, wie uns noch heute manche Ortsnamen verraten. Der mittelalterliche Reisende machte sich in diesen Zeiten nicht aufgrund von Fernweh und Mobilitätslust auf den Weg, im Gegenteil, er ordnete vor Reiseantritt seinen Nachlass oder hinterließ seinen Lieben ein Testament.

Natürlich dauerte eine solche Reise im Mittelalter auch sehr viel länger als heute. Zu Fuß legte ein ambitionierter Reisender pro Tag maximal bis zu 40 Kilometer zurück. Wer Waren zu transportieren hatte, brauchte länger: Wichtigstes Transportmittel war in diesem Fall der Ochsenkarren. Und mit dem waren dann gerade einmal 12 bis 15 Kilometer am Tage drin.

Reisen bildet

Im 18. Jahrhundert kam es zu einem bis dato wenig bekannten Trend: Es wurde Mode, Bildungsreisen zu unternehmen. Gut betuchte Adelige und vornehme Reiche entdeckten die Lust am Reisen. Besonders angesagt war: quer durch Europa, zu den Orten, die man bis heute einfach gesehen haben muss, Rom, Florenz, Venedig, Wien oder auch Paris. Einer der bekanntesten deutschen Bildungsreisenden war Johann Wolfgang von Goethe, der sich im Frühherbst 1786 auf den Weg nach Italien machte. Ursprünglich war die Reise für wenige Wochen geplant,  am Ende wurden es knapp zwei Jahre. Allerdings hatte es Goethe auf seinen Reisen sehr viel bequemer als seine mittelalterlichen Vorläufer. Er wurde gefahren, hatte sein eigenes Bett dabei, jede Menge Gepäck; das alles in einer eigenen Kutsche, der sogenannten Extra-Post, die gegenüber gewöhnlichen Postkutschen Vorfahrt genoss.

Im 19. Jahrhundert wurden die Ziele immer ausgefallener, Italien  und Europa genügten nicht mehr. Globalisierung war angesagt. Man war neugierig auf unbekannte Welten, wollte Ungewöhnliches, Unverbrauchtes, nie Dagewesenes erleben. Mit dem Orientexpress nach Istanbul oder mit dem Dampfschiff nach Ägypten, Mobilität schien – für die Begüterten dieser Zeit – keine Grenzen zu kennen.

Vom Mobilsein zum Massentourismus

Im 20. Jahrhundert schließlich wurde Mobilsein zum Massenphänomen – und zum Indikator eines modernen Lebensstils quer durch alle Schichten und Milieus. Zunächst zog es das wohlhabende Bürgertum raus aus den Städten in die Sommerfrische, moderne Seebäder an Nord- und Ostsee entstanden. Mobilität und Reisen als Massenphänomen nahm dann nach dem Zweiten Weltkrieg Fahrt auf. Die Ziele waren zunächst noch um die Ecke, ein See, ein Flusslauf, eine Pension in einem der deutschen Mittelgebirge. Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Deutschen im angrenzenden Ausland noch keine sonderlich gern gesehenen Gäste.

Ende der 50er Jahre machte dann das Wirtschaftswunder das Reisen für jedermann erschwinglich. 1958 reisten bereits 3,5 Millionen Bundesbürger nach Italien, Busse brachten die Urlauber nach Südtirol und an den Gardasee. Es folgten Mallorca, die Balearen, Spanien, und schließlich der gesamte Mittelmeerraum, zumindest was die Westdeutschen anging. Im Osten Deutschlands verreisten die meisten gezwungenermaßen zwischen Ostsee und dem Rennsteig, die begehrten Ferienplätze wurden, wenn man keine Beziehungen hatte, über Warteliste vergeben. Selbst Campingplätze waren rar. Kein Wunder, dass die "Villa Sachsenruh", ein Dachzelt für den Trabant, in der DDR zum Renner wurde. Weniger Mobilitätsorientierte zogen sich am Wochenende in ihre Datsche ins Grüne am Stadtrand zurück.

Ab in den Weltraum

Im vergangenen Jahrzehnt haben das Bedürfnis nach Mobilität, aber auch die Möglichkeiten neue ungeahnte Formen angenommen. Billigflieger machen Flugreisen zum Massenphänomen. Doch statt sich im Reisebüro beraten zu lassen, können Mobilitätswillige auf Onlineportalen per Knopfdruck Reisen und Herbergen buchen. Wer noch keinen Internetanschluss hat, verreist mit Lidl oder Aldi. Und das obere Preissegment hat nun ein neues attraktives Ziel ins Visier genommen: den Weltraum. So sind die ersten Privatpersonen jüngst im Spaceshuttle zur Raumstation Galilei aufgebrochen.

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