Nimm mein Auto!

Interview mit Michael Minis über privates Carsharing

Ein eigenes Auto ist ihm zu teuer, deshalb hat Michael Minis ein privates Carsharing gegründet. Im Interview erklärt er, warum er gerne Autos teilt und weshalb Tamyca eine Alternative zur eigenen Karosse ist.

Michale Minis
Michale Minis Quelle: ZDF


ZDFonline: Herr Minis, Sie teilen Autos, aus welchem Grund?


Michael Minis: Ich teile Autos, weil ich selbst kein eigenes Auto habe. Es ist einfach zu teuer für die wenigen Male, wo ich es brauche. Ich miete eins privat, weil das deutlich günstiger ist als bei einer kommerziellen Autovermietung.

Autos im Straßenverkehr
Autos im Straßenverkehr Quelle: ZDF


ZDFonline: Aus Ihrer Vorliebe entwickelte sich die Idee, das Auto-Teilen professionell zu betreiben. Sie gründeten im Jahr 2010 zusammen mit anderen Studenten ein private Carsharing-Unternehmen: Tamyca. Was hat es damit auf sich?


Michael Minis: Tamyca steht für "Take my car", "nimm mein Auto", und ist mittlerweile Deutschlands größte Plattform für privates Carsharing. Vermieter bieten hier ihre Fahrzeuge an. Und Mieter finden Autos in ihrer Nachbarschaft.


ZDFonline: Was sind das für Menschen, die Sie mit der Idee erreichen können?


Michael Minis: Es machen die verschiedensten Leute mit, vor allem diejenigen, die erkannt haben, dass ihr Auto viel Geld kostet, ohne dass sie einen einzigen Kilometer damit gefahren sind. Die wissen, dass das eigene Auto zu teilen, die Umwelt schonen kann, und nicht noch mehr neue Autos angeschafft werden müssen. Es sind Leute, die Spaß daran haben, auf diese Weise neue Leute kennen zu lernen.

Autotausch
Autotausch Quelle: ZDF


ZDFonline: Es gibt sicher auch Skepsis und Vorhalte: Bringt der Mieter das Auto vermüllt zurück? Kommt es pünktlich zur vereinbarten Zeit? Und vor allem, was ist bei einem Schaden?


Michael Minis: Wir haben Verständnis für diese Bedenken. Grundsätzlich basiert privates Carsharing daher auf Vertrauen. Für den Schadensfall haben wir ein besonderes Versicherungskonzept entwickelt. Im Mietpreis ist auch die tamyca-Versicherung enthalten, welche Fahrer, Fahrzeug und Vermieter schützt, so dass die Versicherung des Vermieters überhaupt nicht berührt wird. Zusätzlich bewerten sich die Nutzer der Plattform gegenseitig und auch die Autos erhalten eine Bewertung vom Mieter. So schaffen wir Transparenz und einen Anreiz für die Nutzer, sich gut zu verhalten.


ZDFonline: Was ist der besondere Unterschied zwischen dem traditionellen und dem privaten Carsharing?
Michael Minis: Der große Unterschied ist, dass die privaten Fahrzeuge schon angeschafft worden sind, beim normalen Carsharing hingegen zusätzliche Fahrzeuge angeschafft werden müssen. Anders als beim traditionellen Carsharing funktioniert das private Carsharing überall dort, wo ein Fahrzeug und ein Mieter zusammenkommen. Das funktioniert auf dem Land genauso wie in der Stadt. Traditionelles Carsharing braucht ein Verhältnis von etwa 30 Nutzern pro Carsharing Auto und ist daher meist nur in Städten zu finden. Bei Tamyca ist die Anmeldung kostenlos, die Mieter zahlen nur, wenn sie ein Auto mieten.


ZDFonline: Und wie finanziert sich tamyca selbst?


Michael Minis: Als wir tamyca 2010 gegründet haben, waren wir noch Studenten. Damals haben wir uns das nötige Geld von unseren Familien und Freunden geliehen und etwa 12 Monate ohne Lohn für unser Unternehmen gearbeitet. Inzwischen erhalten wir finanzielle Unterstützung und können sogar Mitarbeiter einstellen. Zusätzlich enthält die Versicherungsgebühr einen kleinen Teil, welchen tamyca zur Deckung der Kosten verwendet.

Smart
Smart Quelle: ZDF


ZDFonline: Wie sind Ihre Erfahrungen bisher?


Michael Minis: Wir machen das Ganze jetzt mehr als ein Jahr und die Erfahrungen sind durchweg positiv. Immer mehr Leute melden sich an und nutzen die Plattform regelmäßig. Mittlerweile sind deutschlandweit 2.500 Fahrzeuge registriert. Das ist für uns ein großer Erfolg. Es zeigt, dass die Deutschen verstanden haben, dass das Auto von vielen besser genutzt werden kann und dass es allen, Mietern und Vermietern, gut tut, weil es einfach sinnvoll ist.


ZDFonline: Nicht nur Carsharing liegt offenbar im Trend, sondern das Teilen überhaupt. Was haben Sie sich für die nächsten Jahre vorgenommen?


Michael Minis: Der globale Trend des Teilens ist getrieben durch gesellschaftliche, soziale und ökonomische Entwicklungen. Im letzten Jahrhundert entwickelte sich die Gesellschaft zu einer von Besitz und Verschwendung geprägten Konsummaschinerie. Viele Menschen erkannten dies und versuchen, durch nachhaltige Nutzung der vorhandenen Ressourcen ihren Beitrag zu einer Veränderung des Konsumverhaltens zu leisten. Technologien wie das Internet und die immer stärke Verbreitung der Smartphones ermöglichen, sich besser zu vernetzen; in den nächsten Jahren wird dieser Trend immer stärker werden und wir möchten mit tamyca einen Beitrag dazu leisten.


ZDFonline: Herr Minis, vielen Dank für dieses Gespräch.

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