Spekulation und Hunger

Das gefährliche Spiel mit den Lebensmitteln

Gesellschaft | sonntags - Spekulation und Hunger

sonntags fragt diese Woche: Verdirbt Geld den Charakter? Gast im Studio ist Dirk Müller, Börsenexperte und Buchautor, bekannt als Mr. Dax.

Beitragslänge:
27 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 14.04.2018, 15:02

Heute Aktien oder Anleihen, morgen Gold oder Öl, übermorgen vielleicht Getreide oder Soja? Längst haben Investoren Lebensmittel als Spekulationsobjekt entdeckt - mit möglicherweise schlimmen Folgen.

Böersenhändler Dirk Müller vor Dax-Kurs
Börsenmakler Dirk Müller ist am 14. April 2013 bei sonntags zu Gast Quelle: dpa

"Es gibt volkswirtschaftlich gesehen absolut überhaupt keinen Grund, warum man Investoren erlaubt, Lebensmittel aus dem Markt zu nehmen und zu horten, nur um von Preissteigerungen zu profitieren", sagt der als Mr. Dax bekannte Börsenmakler Dirk Müller. Bei den Geschäften würde das Leben von Menschen auf Spiel gesetzt.

Zusammen mit dem katholischen Hilfswerks Misereor kritisiert Müller globale Spekulation mit Land und Nahrung als eine der Hauptursachen für Hunger. "Spekulation ist ein wesentlicher Treiber für schwankende und stark steigende Preise für Mais und Weizen", so Müller in einer für die Hilfsorganisation angefertigten Studie „Wie die Nahrungsmittelspekulation den Hunger anheizt“.

Regeln für Handel

Spekulanten sorgen nach seinen Angaben für starke Preisschwankungen an den Warenterminbörsen, die inzwischen fast vollständig an die des Finanzmarkts angeglichen seien. Für Geschäftemacher sei dies kein Problem, weil sie beispielsweise auf niedrige Weizen- oder Maispreise warten könnten, um dann zu kaufen. "Der Verbraucher in den armen Ländern kann seinen Hunger aber nicht verschieben."

Müller und Misereor forderten Regeln von der Politik und der Finanzwirtschaft, um das Handeln mit Nahrung zu begrenzen. So sei beispielsweise eine Anhebung der Sicherheitsleistungen (Margin) sinnvoll. Momentan müssten Anleger bei Geschäften mit Weizen nur fünf bis sieben Prozent an Eigenkapital hinterlegen, der Rest komme als Kredit von der Bank. Dass eine Anhebung des Wertes bereits um wenige Prozentpunkte an der Börse ausschlaggebend sei, habe zuletzt der Silbermarkt gezeigt. Nachdem die Margin von fünf auf elf Prozent gestiegen war, fiel der Silberpreis um fast ein Drittel, erklärte Müller.

Landkauf verstärkt die Armut

Neben den Spekulationen mit Nahrungsmitteln kritisierte das katholische Hilfswerk auch die Investition in große Landflächen in Entwicklungsländern. Für den Agrarbetrieb großer Konzerne würden Menschen vertrieben und denjenigen, die dort zurückbleiben, die Lebensgrundlage entzogen, sagte der Misereor-Experte für Agrar- und Landpolitik, Benjamin Luig.

Auch Müller warnte vor den Konsequenzen eines groß angelegten Landkaufs ausländischer Konzerne in armen Ländern. Das Weltfinanzsystem werde neu aufgesetzt. Jeder versuche, eine "Poleposition" einzunehmen. Dies gelte besonders bei dem Thema, dass die nächsten Jahrzehnte bestimmen werde: Land und Nahrung.

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