Streiten verbindet

Interview mit dem Erziehungsberater Klaus Troemer

Für Kinder gehören Streitereien zum Alltag. Und dabei fliegen oft die Fetzen. Wie Kinder lernen können, sich friedlich zu einigen und warum Streiten auch wichtig ist, erklärt Erziehungsberater Klaus Troemer von der Arbeiterwohlfahrt Düsseldorf.

Geschwister streiten sich
Geschwister streiten sich Quelle: ZDF


ZDFonline: Unter Kindern, besonders unter Geschwistern, gibt es häufig Zoff. Warum ist das so?


Klaus Troemer: Geschwister haben häufig Dauerstreit, weil sie immer wieder Konflikte miteinander regeln müssen. Es geht um Fragen, scheinbar banale Fragen: Wem gehört das, wer kriegt wie viel, wer hat recht, wer braucht wie viel Platz, wer hat wen wie verstanden oder nicht verstanden usw.



ZDFonline: Wie sollten sich Eltern verhalten, wenn Kinder viel streiten? Sollten Sie in jedem Fall eingreifen?


Troemer: Häufig ist es so, dass Eltern zu früh eingreifen. Dann fixieren sich die Kinder zu sehr auf die Erwachsenen. Sie warten unbewusst, kommt da was von den Eltern? Das macht es anstrengend, weil die Kinder immer wieder auf die Eltern zurückgreifen. Diese sind inzwischen zu "Schiedsrichtern" geworden, ohne dass sie das zunächst beabsichtigt haben. Und die Kinder machen nicht die Erfahrung, den Streit selber zu regeln.


ZDFonline: Welche Regeln sollten Kinder beim Streiten unbedingt beachten?


Troemer: Wichtig finde ich, dass vereinbart wird, wann wirklich Schluss ist, dass also Signale für ein "Stopp" vereinbart werden. Das sollte dann auch eingeübt werden.

Spielfiguren Spielplatz
Spielfiguren Spielplatz


ZDFonline: Wie können Eltern ihren Kindern vermitteln, wie man sich ohne Gewalt und fair mit anderen einigen kann?


Troemer: Der beste Weg besteht darin, dass Eltern in ihrem Umgang miteinander und mit den Kindern ein Vorbild sind für das, was sie vermitteln und erreichen wollen. Denn Kinder achten darauf, ob die Eltern selbst auch tatsächlich tun, was sie einfordern.


ZDFonline: Kann das Streiten auch eine positive Funktion für Kinder haben?


Troemer: Streiten muss und kann gelernt werden. Streiten ist so wichtig wie Lachen und Weinen, weil wir so alle sozialen Konflikte einüben. So ist Streiten auch ein unabdingbarer Teil der Persönlichkeitsentwicklung.


ZDFonline: Oft verändert dauernder Streiten das Familienklima erheblich. Worum geht es beim Streit in der Familie und vor allem, was steckt dahinter?


Troemer: Es geht darum in der Familie Beachtung zu finden, gesehen zu werden und seinen Platz zu haben. Die Familie ist ja nichts Statisches, da ändert sich ständig was: etwa, wenn einer aufholt oder was entwickelt hat, was die Eltern bestaunen. Dann möchte der andere sagen, ich kann das auch, ich bin auch wichtig. Und das muss dann ausgehandelt werden.

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