Teilen statt Haben

Wenn Besitz zur Last wird

Gesellschaft | sonntags - Teilen statt Haben

Interview mit Niklaus Kuster, Kapuziner und Theologe, über franziskanische Spiritualität, Franz von Assisi und Veränderungen in der Kirche unter Papst Franziskus.

Beitragslänge:
6 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 08.11.2018, 13:50

Die Deutschen besitzen heute durchschnittlich 10.000 Dinge - in früheren Zeiten waren es schätzungsweise 500. Doch viel zu besitzen fordert Aufmerksamkeit und Zeit: Man muss sich darum kümmern. Immer mehr Menschen wird der Besitz zur Last, die sie loswerden wollen.

Die Generation, die sich nach dem Krieg ein Leben mit Wenig oder Nichts aufgebaut hat, die stets für Wohlstand gearbeitet hat, und heute irgendwann – beim Umzug in eine Seniorenwohnung oder ins Altersheim – reduzieren muss, erlebt, welche Belastung die vielen Dinge sind. Da erzählt die Tochter von der Mutter, die in den Container steigt, um dieses Bild und jene Lampe noch einmal herauszufischen. „Haste was, bis’te was“ war das Motto dieser Generation. Doch was bleibt, wenn man nicht mehr viel hat?

Tauschen unter Gleichen

Meine Spielzeugkiste
Spielzeug teilen mit der Sharing-Plattform: Meine Spielzeugkiste Quelle: dpa

Immer mehr Menschen wird der Besitz zur Last. Denn Eigentum fordert Aufmerksamkeit und viel Zeit. Es macht Mühe, es nervt und es kostet. Teilen, so propagieren Medien, sei der neue Trend. Neudeutsch: Sharing-economy. Autos, Essen, Zeit, Know-how … fast alles wird von den vor allem jüngeren Menschen geteilt. Hauptstadt der sharing economy Bewegung ist Berlin. Aber was steckt dahinter?

Ist das das Ende des Kapitalismus, bei dem es doch vor allem um das „Haben“ geht? Überwinden wir mit der share-economy die konsumorientierte Form des Wirtschaftens, die viele Menschen spätestens seit der letzten Finanzkrise hinterfragen? Wer leiht oder tauscht statt kauft, der sorgt beispielsweise für Nachhaltigkeit. Denn es muss nicht gleich wieder Neues produziert werden. Aber diese Art des Wirtschaftens verläuft Peer-to-Peer, unter Gleichen also. Wer etwas tauscht, muss etwas zum Tauschen haben – wer etwas leiht, verleiht auch etwas – oder man bezahlt eben dafür.

Zugänge anstelle von Eigentum

Wir erleben den Wandel von Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft, die Welt der materiellen Waren wandelt sich zu einer, in der immaterielle Güter, Wissen und Dienstleistungen wichtig sind. Es gehe heute auch nicht mehr so sehr um Eigentum und materiellen Besitz, sondern um Zugänge, erklärt der Trend-Ökonom Jeremy Rifkin schon im Jahr 2000 in seinem Bestseller „Access – Das Verschwinden des Eigentums“. Insofern bezeichnet er die „Ökonomie des Tauschens und Teilens als den Kapitalismus des Zugriffs“.


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