Treffpunkt für und von Müttern

Ein Interview mit Andrea Laux vom Eltern-Kind-Zentrum Stuttgart

Mütter mit kleinen Kindern unterstützen, das ist das Herzensthema von Andrea Laux. Deshalb gründete sie ein Eltern-Kind-Zentrum. Im Interview erklärt sie, warum Familien in Zukunft solche Treffpunkte brauchen.

ZDFonline: Eltern mit kleinen Kindern unterstützen, das ist Ihr Herzensthema. Wie kam es, dass Sie sich so intensiv für Familien engagieren?

Andrea Laux: Das fing vor fast 30 Jahren an, als mein Sohn zur Welt kam. Familienleben kam damals in der Öffentlichkeit nicht vor. Ich war alleinerziehend und habe Kontakt gesucht. Was mir gefehlt hat, war, andere Mütter oder Väter ganz ungezwungen zu treffen und gemeinsam zu essen und vielleicht auch gegenseitig die Kinder zu betreuen. Damals fiel mir ein Buch über Mütterzentren in die Hände und ich war sofort begeistert.

Andrea Laux
Andrea Laux

ZDFonline: Was sind Mütterzentren genau?

Andrea Laux: Das sind offene Treffpunkte von Müttern, die sie selbst nach ihren eigenen Bedürfnissen gestalten. Mütter suchen sich andere Mütter aus ihrem Stadtteil oder aus der Nachbarschaft und bauen etwas zusammen auf. Ich hab mir dann einen Ort erträumt, wo man sich trifft, Kaffee trinkt, spielt, wo man sich Tipps gibt, die das Leben mit Kindern vereinfachen.

ZDFonline: Wie war es, ein solches Mütterzentrum aufzubauen?

Andrea Laux: Ich begann, mich mit anderen Müttern einmal pro Woche im Raum einer Wohlfahrtsorganisation zu treffen. Das genügte aber bald nicht mehr. Wir brauchten mehr. Und uns war klar, wenn wir in Stuttgart etwas verändern wollen für uns und für andere, dann müssen wir das mit Hilfe der Politik machen.

ZDFonline: Damals wurde Familienpolitik von Männern betrieben.

Andrea Laux: Ich erinnere mich an eine Situation, als ich im Gemeinderat vorgesprochen habe. Da sagte ein CDU-Politiker zu uns: Wollt ihr denn subventioniert Kaffee trinken? Das war so ein Schlag ins Gesicht. Widerstand kam aber auch von anderen Parteien, selbst von Frauen. So sagte eine Politikerin von der FDP: Jetzt mischen sich die Mütter auch noch in die Kinderbetreuung ein. Es war ein sehr steiniger Weg.

ZDFonline: Aber offensichtlich ging es ja weiter. Wie haben Sie das gemacht?

Andrea Laux: Wir haben oft auch ohne einen Cent Geld etwas entwickelt, weil wir viel ehrenamtlich machen. Aber durch einen glücklichen Zufall konnten wir das von der Rudolf Schmid und Hermann Schmid Stiftung geplante Generationenhaus Westbaulich mitgestalten und Räume dort beziehen. Erst seit elf Jahren also finanzieren wir uns mit Hilfe einer Förderung durch die Stadt Stuttgart, über Bundesgelder für das Mehrgenerationenhaus-Programm und die Kinderbetreuung, wobei die Kosten für die offene Kinderbetreuung durch Firmenpatenschaften gedeckt werden. Zudem sind wir noch immer auf viele Spenden angewiesen.

ZDFonline: Und was brauchen Familien aus Ihrer Sicht?

Andrea Laux: Gerade dann, wenn sie zum ersten Mal Eltern werden, brauchen Mütter und Väter Unterstützung und sehnen sich nach Kontakt und Austausch mit Gleichgesinnten. Sie wollen ihre Sache gut machen und sind offen für Ratschläge. Deshalb haben wir das „Babycafé mit Gästen“ entwickelt. Ein Pilotprojekt zur Familienbildung mit zwanglosem Kennenlernen in einer einladenden Atmosphäre, ähnlich einem Café, nur dass viele Babies gemeinsam auf einer Decke herumkrabbeln, während die Eltern einem Gast zuhören, der ihnen Ratschläge gibt, z. B. eine Kinderkrankenschwester zur Unfallverhütung. Das Pilotprojekt wurde vor dem Hintergrund von STÄRKE entwickelt. Das ist ein landespolitisches Program zur Stärkung von Elternkompetenzen gerade in der heutigen gesellschaftspolitischen Situation, die berufstätigen Vätern und Müttern enorm viel abverlangt. „Babycafé mit Gästen“ ist mittlerweile eine eingetragene Marke und soll in den Mütterzentren in ganz Baden-Württemberg verbreitet werden.

ZDFonline: Das Eltern-Kind-Zentrum besteht jetzt, in unterschiedlichen Räumlichkeiten, über 25 Jahre. Welche Bedeutung haben Orte wie dieser hinsichtlich sich verändernder gesellschaftlicher Strukturen?

Andrea Laux: Ich denke, das Bewusstsein wird stärker, dass wir eine mobile Gesellschaft sind. Alles ist in Bewegung, im Wandel. Beziehungen sind viel kurzfristiger angelegt, die Zahl so genannter Scheidungskinder steigt. Deshalb bin ich dafür, dass die Politik ein Augenmerk darauf hat, was unsere Gesellschaft in Zukunft zusammenhalten wird. Orte, wo Menschen sich treffen, sind wichtig für unsere Demokratie, noch wichtiger als bisher.

ZDFonline: Vielen Dank für das Gespräch.

Interview von Arina Martin

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