Tulpomanie und Blütensprache

Warum uns Blumen glücklich machen

Im Jahr 1636 / 1637 standen Tulpen in den Niederlanden im Zentrum einer gigantischen Spekulationsblase. Die sogenannte Tulpomanie ging in die Wirtschaftsgeschichte ein und gilt bis heute als Paradigma für Börsenspekulation.

Die Republik der Vereinigten Niederlande ist im 17. Jahrhundert eine europäische Großmacht, die sich von den engen Fesseln der spanischen Krone befreit hat. In Amsterdam kann man noch heute den Reichtum jenes "Goldenen Zeitalters" bestaunen. Das „Venedig des Nordens“ ist eine Stadt, in der die „Pfeffersäcke“ demonstrativ zeigen, was sie besitzen. Keine Ware erzielte auf den Märkten Europas höhere Gewinne als Gewürze wie Pfeffer, Muskat oder Nelken.

Unsummen für die „exotische Wunderpflanze“

Die exotischen Produkte avancieren zum Statussymbol des europäischen Adels und Großbürgertums. Die Nachfrage ist so gewaltig, dass Pfeffer oder Muskatnüsse mit Gold aufgewogen werden. In den Niederlanden leben viele wohlhabende Händler, die ihr Geld in exotische Kunstwerke investieren. Statuen aus dem antiken Griechenland werden in diesen „Wunderkammern“ ebenso gesammelt wie exotische Tiere oder der Kopfschmuck indianischer Häuptlinge.

Tulpenfeld
Tulpen sind noch heute in den Niederlanden ein enormer Wirtschaftsfaktor. Quelle: ZDF

Enthusiastische Blumenliebhaber - die sogenannten „liefhebber“ - begeistern sich aber besonders für Tulpen. Wohlhabende Geschäftsleute und Gelehrte, Ärzte und Apotheker sind bereit, für Zwiebeln dieser „exotischen Wunderpflanze“ Unsummen auszugeben.

Die ursprünglich aus der Türkei stammende Blume entwickelt sich zu dem Symbol für die Orientbegeisterung jener Zeiten. Hinzu kommt: Die Tulpen-Zucht und Vermehrung ist kompliziert - das verknappt die begehrte Ware.

Eine Zwiebel so teuer wie ein Haus

Aufgrund der hohen Nachfrage werden an den Börsen bald nicht mehr reale Zwiebeln, sondern Optionsscheine auf künftige Züchtungen gehandelt. Es ist ein Markt, der schnelles Geld für Spekulanten verspricht. In den 30er Jahren des 17.Jahrhunderts explodieren die Preise. 1637 sollen die wertvollsten Zwiebeln (wohl) so teuer sein wie ein Haus in Amsterdam.

Doch kurz darauf stürzen die Preise - die erste Spekulationsblase des modernen Kapitalismus platzt. Zahlreiche „liefhebbers“ verlieren viel Geld. Der erste bekannte Börsencrash geht als „Tulpomanie“ in die Geschichte ein. Tulpen werden heute als Massenprodukt an Börsen gehandelt - die Niederlande kontrollieren 80 Prozent des weltweiten Tulpenmarkts.

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