Von Glücks- und anderen Schweinen

Alles über die Sau und ihren Ruf

Gesellschaft | sonntags - Von Glücks- und anderen Schweinen

"sonntags" zum Thema: Schwein gehabt! Was hat das Schwein mit dem Glück zu tun? Alles, was Sie zum Thema "Schwein und Glück haben" wissen müssen - mit Moderatorin Andrea Ballschuh.

Beitragslänge:
27 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 21.12.2017, 14:25

Einerseits sagt man "Schwein gehabt", wenn man unverschämtes Glück hatte - andererseits ist es nicht besonders nett, jemand anderem mit "Du Schwein" anzureden. Das Schwein hat ein eigenartiges Image: Irgendwo zwischen Glücksschwein, Sparschwein und Versautem. "sonntags" widmet sich eine Sendung lang Schweinereien vom Herd, aufzuräumenden Sauställen und vor allem kurz vor Silvester dem Glücksschwein als solchem.

sonntags: Wann wurde das Schwein domestiziert?

Prof. Thomas Macho
Thomas Macho, Professor für Kulturgeschichte an der HU in Berlin Quelle: ZDF

Prof. Thomas Macho: Schweine waren nicht die ersten Tiere, die domestiziert wurden. Das waren wohl Rinder, Schafe und Ziegen. Aber seit rund 8.000 Jahren leben Schweine mit dem Menschen zusammen. Da Schweine und Menschen dasselbe essen, mussten unsere Vorfahren sehen, dass sie die Tiere nicht als Nahrungskonkurrent an der Seite hatten. Daher wurden die Schweine früher oft in Wäldern gehalten. Dort konnten sie sich selbst versorgen - mit Bucheckern, Eicheln und Pilzen. Erst später lebten Menschen und Schweine zusammen, wo man den Tieren dann hauptsächlich die Essensabfälle zu fressen gab.

Speisegebote verbieten Schweinefleisch

sonntags: Warum ist Schweinefleisch in manchen Religionen tabuisiert?

Macho: Glaubt man einer Theorie des amerikanischen Kulturanthropologen Marvin Harris, so ist in all den Gegenden, in denen Wälder verschwunden sind - zum Beispiel  in Folge von Bodenerosion - Schweinefleisch tabuisiert worden. Andere Theoretiker verweisen auf die Trichinengefahr, die durch Schweinefleisch übertragen werden kann. Jedenfalls ist im Nahen Osten, und das gilt für das Judentum wie auch für den Islam, der Verzehr von Schweinefleisch verboten.

sonntags: Wie wurde beziehungsweise wird das Schwein in anderen Kulturen wahrgenommen?

Macho: Wenn man in den Fernen Osten schaut, also nach China oder Indonesien, dann stellt man fest, dass das Schwein immer sehr positiv besetzt war – eben vor allem als Fruchtbarkeits- und Glückssymbol. Auch heute noch gilt: Wer im chinesischen Horoskop im Jahr des Schweines geboren wird, dem werden besonders viele gute Eigenschaften zu geschrieben. In der römischen Antike war das Schwein ein beliebtes Opfertier. Aus dieser Zeit stammen auch sehr viele positive Zuschreibungen, die sich vor allem auf die Fruchtbarkeit beziehen. Dieses Image wurde in den folgenden Jahrhunderten weiter ausgebaut.

sonntags: Warum steht das Schwein für sexuelle Begierde?

Macho: Das ist schon sehr früh verbreitet gewesen: Schweine wurden der besonderen Lüsternheit bezichtigt oder es wurde behauptet, dass das Schweinische auch das Zügellose und Sexuelle charakterisiert. Schon in der Antike gab es Statuen der mythischen Gestalt Baubo, die sie mit gespreizten Beinen und geöffneter Vulva auf einem Schwein reitend zeigen.

Schlaue Schweine treiben Unfug

sonntags: Schweine gelten als recht intelligente Tiere. Woran erkennt man die hohe Intelligenz?

Macho: Die Intelligenz der Schweine äußert sich auf verschiedene Art und Weise, so zum Beispiel in ihren sozialen Beziehungen, die relativ kompliziert sind. Man konnte am Leibniz Institut für Nutztierbiologie aber auch nachweisen, dass Schweine auf Jingles, also auf kurze Melodien, unterschiedlich reagieren können. So hatte man Futterautomaten mit Melodiefolgen installiert, die einzelnen Schweinen zugeordnet wurden - so dass zum Beispiel Susi wusste, wann sie zum Essen gerufen wurde. Und dann lief auch wirklich nur ein Schwein zum Automaten.

sonntags: Woher kommt der Trend, sich ein Minischweinchen im Haus zu halten?

Macho: Durch George Clooneys Hängebauchschwein Max sind die Minipigs sehr populär geworden. Viele Menschen glauben daher, dass man diese kleineren Schweine in der Wohnung halten könnte. Dem ist aber nicht so. Vor allem muss man die Minipighalter immer wieder darauf hinweisen, dass die Tiere so wahnsinnig intelligent sind, dass man eigentlich sehr viel Zeit braucht, um sich mit ihnen zu beschäftigen. Ansonsten stiften sie nur Unfug.

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