Von Menschen im Zirkus

Tanja Sperlich ist 34, Mutter, Hausfrau und Taubendresseurin. Ihre Tochter Dyana ist 16 Jahre alt, mit der Schule fertig und Luftreif-Artistin. Und Charline ist erst 7, geht in die erste Klasse und ist Bodenakrobatin. Die Sperlichs wohnen vorübergehend im Wohnwagen auf dem Grundstück ihres Schwagers.

Harte Zeiten für Zirkusleute

Es ist Essenszeit und wer gerade Zeit hat, ist mit dabei. Vater Sperlich fehlt heute, er ist in Nürnberg, um ein Zelt aufzubauen. Dafür ist eine Kusine zu Besuch hier und die Schwiegereltern, die im Wohnwagen gegenüber leben.
Das Zirkusleben ist härter geworden, findet Opa Bernhard Sperlich. Er ist seit Jahrzehnten der Clown im Zirkus Bonanza: "Es wird zuviel angeboten, aber wir haben ja unser Publikum, dann geht das schon. Solange es noch Kinder gibt, gibt's auch den Zirkus." Seine Frau Rosa Sperlich stimmt ihm zu: "Früher gab es mehr Stadtteile, wo wir unseren Zirkus aufbauen konnten, das ist alles weg, die Auflagen, die man jedes Jahr bekommt, kann man fast nicht mehr bewältigen. Früher war es einfacher."

Seit Generationen zieht die Großfamilie von Stadt zu Stadt. Alle machen mit. Die Liebe zum Zirkus scheint sich wie ein dominantes Gen weiter zu vererben: "Man wächst so auf, man kennt gar nix anderes. Ich könnt' mir das nicht anders vorstellen, man ist es halt so gewöhnt." meint Kusine Silvia. Auch Tanja Sperlich sieht das so: "Wir sind nur auf Achse, nur auf Reisen. Ich war mal einen halben Winter in der Wohnung von meiner Schwägerin, aber ich konnt's nicht aushalten."

Ende der Sommerpause

Nächste Woche wird sich der große Tross wieder in Bewegung setzen. Dann ist die Sommerpause vorbei. Endlich! Während der WM herrschte beim Zirkus Flaute. Die einzige Einnahmequelle der Sperlichs bestand darin, ihre Zelte zu verleihen. Doch das Geld ist knapp. Die größeren Tiere mussten sie an einen anderen Zirkus abgeben, bloß Tauben, Gänse und die Ponies konnten sie behalten.

Charline macht nachmittags lieber Spagat als Hausaufgaben. "Kautschuk" nennen die Zirkusleute solche Verbiegungen. Und Rosa Sperlich gibt aus Erfahrung praktische Tipps: "Wenn du Kautschuk machst, musst du etwas langsamer machen, damit du die Balance besser hältst." Jedes Zirkuskind hat Spaß an Akrobatik. Die Begabung hierzu wird wohl auch weiter gegeben von Generation zu Generation.

Endlich wieder auf Tournee

Dyana hängt am liebsten am Trapez oder im Luftring. Ihre Hände sind ihr Kapital. Die müssen sie halten unter der hohen Kuppel. Vor zwei Wochen hat sie sich ganz tief ins Handgelenk geschnitten: "Dann hab ich's gesehen, dass da Blut lief und alles. Ich bin dann schnell zu meiner Tante gerannt, die hat nur ein Geschirrhandtuch gehabt und hat's damit schnell abgestoppt." Dyana musste genäht werden, doch ein paar Tage später trainiert sie schon wieder.

Die Tournee kann beginnen. Mit Taubendressur und Feuershow. Mit Opa, Oma, Papa, Mama und den Kindern. Tanja Sperlich freut sich schon. Sie ist immer optimistisch, auch wenn sie weiß, dass viele Zirkus-Betriebe in den letzten Jahren Pleite gemacht haben: "Wir geben nicht auf. Wir machen Zirkus immer weiter, meine Kinder und mein Mann auch. Da kann kommen, was will. Wir machen unseren Zirkus. Wir probieren's." Angst vor der Zukunft - das ist ihre Sache nicht.

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