Wahre Freundschaft

Was gute Freunde verbindet

Gesellschaft | sonntags - Wahre Freundschaft

Allerbeste Freundinnen sind ständig online und zelebrieren ihre Freundschaft. Ihr Codewort lautet ABFFLs. Da sie sich gern auf Gleisen fotografieren, gibt es mittlerweile erste Todesfälle.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 11.10.2018, 15:19

In Zeiten von Facebook und anderen sozialen Plattformen können wir schnell Hunderte, wenn nicht gar Tausende „Friends“ haben. Ein einfacher Klick genügt und schon sind wir „befreundet“. Scheinbar gibt es eine Freunde-Inflation. Allerdings sind das meist nur flüchtige Bekanntschaften. Doch was macht eine wahre Freundschaft aus?

Wahre Freundschaft braucht Zeit, um zu gedeihen. Das wusste auch schon Aristoteles, der 322 vor Christus in seiner Nikomanischen Ethik schrieb: „Nur der Entschluss zur Freundschaft, nicht die Freundschaft, kommt schnell zustande.“

Gute Freunde können wir nur wenige haben

Seit wann es Freundschaften gibt, wissen weder Historiker noch Soziologen genau. Sicher ist allerdings: In der Antike wurden die ersten, heute noch erhaltenen, Schriften zum Thema Freundschaft von Platon und seinem Schüler Aristoteles verfasst. Wichtig für die Freundschaft sei, dass sich zwei Menschen ähnlich sind, schreibt Aristoteles.

Doch solche Ähnlichkeit findet sich nicht leicht und Aristoteles folgert: „naturgemäß sind aber derartige Freundschaften selten, da es Männer der bezeichnenden Art nur wenige gibt.“ Schon in der Antike war also klar: Wir können nur wenige, gute Freunde haben und wir brauchen Zeit, um diese Beziehungen aufzubauen.

Offener und zweckfreier Umgang

Ernie und Bert von der "Sesamstraße"
Ernie und Bert sind beste Freunde - auch wenn sie sich manchmal nerven. Quelle: dpa

Zu den wichtigsten Kriterien einer Freundschaft gehört die Loyalität zueinander, das Aufeinander-Vertrauen-Können. Das sagen zumindest 87 Prozent der Deutschen laut einer Umfrage des Allensbacher-Instituts. Doch nicht nur Loyalität ist wichtig. Zwischen den Freunden muss eine Offenheit bestehen, eine Vertrauensbasis, auf der man sich alles sagen kann.

Hier unterscheiden sich Freundschaften und Zweckfreundschaften. Einem Freund vertraut man private Probleme an, einem Arbeitskollegen gegenüber, mit dem man sich zwar gut versteht, würde man in dieser Hinsicht aber eher verschlossen bleiben. Das zeigt: Ein Teil unserer Freundschaften hat einen Zweck oder Hintergedanken, sie dienen nur unserem Networking.

Warum wir Freunde brauchen

Freundschaften sind heute wichtiger denn je, denn der Bruch der vermeintlich unzerbrechlichen sozialen Verbindungen, wie Großfamilien, Ehe und Gemeinde, gehören zu den Grunderfahrungen unserer Zeit. Deshalb sehnen wir uns nach festen Strukturen und Verbindungen, die in stürmischen Zeiten Halt bieten.

Deswegen wollen wir mit selbstgewählten Partnern unser Glück, aber auch unser Leid teilen. Dazu müssen wir uns öffnen, denn nur wer etwas von sich selbst preisgibt, kann Nähe und Vertrauen zum anderen aufbauen. Umso schlimmer ist es aber, wenn dieses Vertrauen missbraucht wird. Umso schwerer wiegt der Verrat, je enger die Freundschaft war.

Begegnung auf Augenhöhe

Freundschaften sind auch wichtig für die eigene Sozialisation und das eigene Verhalten. Da wir uns auf Augenhöhe gegenübertreten, frei von jeder Autorität, können Freunde Probleme und Fehler des anderen offener ansprechen. So kann es eben sein, dass man von einem Freund unverblümt hört: „Meine Güte, bist du aber dick geworden!“

In einer Liebesbeziehung würde sich der Partner diesen direkten Affront wohl verkneifen oder ihn umschreiben. Doch genau dieses Geradeheraus macht Freundschaften für uns so wichtig. Sie erkennen die eigenen Fehler und weisen uns darauf hin, sie sind also so etwas wie ein äußeres Korrektiv unseres Handelns.

In der Ferne zeigen sich wahre Freunde

Einen weiteren Vorteil, den Freundschaften haben, ist, dass sie sind vollkommen freiwillig eingegangen wurden. Selbst Liebesbeziehungen haben unabdingbare Pflichten, die Freundschaft hingegen ist frei. Trotz aller Freiheit: Freundschaften müssen gepflegt werden. Gerade die Mobilität und Flexibilität machen es immer schwieriger, Freunde zu sehen und Zeit mit ihnen zu verbringen.

Allerdings zeigt sich in der Ferne der Wert der Freundschaft. Wenn es schwerer wird, in Kontakt zu bleiben, reißen viele Bande zu vermeintlich guten Freunden, die zu den wahren Freunden festigen sich aber durch die Distanz. Die Freundschaften, die die Ferne nicht überdauern, gehen aber meist nicht mit einem lauten Knall zu Ende, sondern glimmen dem Ende entgegen.

Auf der anderen Seite ist es aber genau durch soziale Plattformen wie Facebook leichter geworden, mit Freunden in Kontakt zu bleiben, durch die Videotelefonie können wir unsere Freunde sogar sehen, wenn wir mit ihnen sprechen. So lassen sich Freundschaften pflegen.

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