Wie man Konflikte in der Firma meistert

Interview mit Tjark Menssen vom DGB Rechtsschutz

Was tun, wenn es zu Streit mit dem Chef kommt? Jurist Tjark Menssen vom DGB Rechtsschutz erklärt, wie weit ein Arbeitnehmer bei solchen Konflikten gehen kann und was er sich auf keinen Fall erlauben sollte.

Comicfigur Chef
Comicfigur Chef Quelle: ZDF


ZDFonline: Welche Fragen im Arbeitsalltag führen besonders häufig zu Konflikten mit dem Chef?

Mobbing am Arbeitsplatz
Mobbing am Arbeitsplatz Quelle: imago



Tjark Menssen: Oft führt die Frage nach dem Umfang und Inhalt der zu erbringenden Arbeitsleistung zu Konflikten. Da dies im Vertrag nie im Detail geregelt werden kann, steht dem Arbeitgeber das sogenannte Weisungs- oder Direktionsrecht zu. Der Arbeitgeber darf durch Weisungen den Inhalt der Arbeitsleistung konkretisieren. Bei Meinungsverschiedenheiten darüber was zu tun ist, ist der Arbeitgeber nur durch den Arbeitsvertrag und gesetzliche Vorschriften beschränkt.

In Betrieben mit Betriebsräten bestimmen die Arbeitnehmer durch den Abschluss von Betriebsvereinbarungen wesentlich über die Inhalte wie Beginn und Ende der Arbeitszeit oder die Anordnung von Überstunden mit. Streit über das zu zahlende Entgelt entsteht häufig dann, wenn nicht klar ist, ob der Arbeitnehmer bestimmte Arbeitsleistungen erbracht hat. Es ist dann wichtig, dass ein Arbeitnehmer die Zeiten seiner Arbeit genau dokumentiert und möglichst Arbeitskollegen als Zeugen benennen kann.

Comicfiguren Gespräch am Arbeitsplatz
Comicfiguren Gespräch am Arbeitsplatz Quelle: ZDF


ZDFonline: Darf sich der Chef alles rausnehmen an Fragen oder Kritik? Und wie ist es, wenn der Vorgesetzte ganz offensichtlich die Unwahrheit sagt oder sich an Zusagen nicht mehr erinnern will. Wie geht man als Arbeitnehmer damit um?


Menssen: Ein Chef hat sich grundsätzlich wie jeder anständige Mensch zu verhalten. Er darf niemanden beleidigen, nicht lügen und muss gemachte Zusagen einhalten. Darüber, wie man mit Fehlverhalten eines Menschen umgeht, gibt es keine generellen Regeln. Ein wichtiges Organ der Konfliktregelung ist der Betriebsrat. Er ist der erste Ansprechpartner für Arbeitnehmer, der vermitteln kann, um einen Streit zu schlichten. Viele Arbeitsverträge enthalten die Regelung, dass Änderungen des Arbeitsvertrages der Schriftform bedürfen, so dass man sich auf mündliche Zusagen, die den Vertragsinhalt betreffen, häufig schon aus diesem Grunde nicht berufen kann. Ansonsten gilt immer, dass nur das durchsetzbar ist, was auch beweisbar ist.

Comicfigur Weinende Arbeitnehmerin
Comicfigur Weinende Arbeitnehmerin Quelle: ZDF


ZDFonline: Wie weit darf ein Arbeitnehmer in Konfliktsituationen gehen? Und was sollte man sich auf keinen Fall erlauben?


Menssen: Wenn es einem Arbeitnehmer in einer Auseinandersetzung um die Arbeitsinhalte nicht gelingt, den Vorgesetzten von der Richtigkeit der eigenen Meinung zu überzeugen, sollte man als Arbeitnehmer der Weisung des Chefs folgen. Aus dem Direktionsrecht folgt, dass der Arbeitgeber bei der Bestimmung der Arbeitsleistung grundsätzlich das letzte Wort hat. Weigert man sich als Arbeitnehmer einer rechtmäßigen Weisung des Chefs zu folgen, riskiert man eine Abmahnung und im Wiederholungsfall eine Kündigung. Auf gar keinen Fall sollte man als Arbeitnehmer selber die Regeln des Anstands verletzten und sich zu Beleidigungen hinreißen lassen. Eine Beleidigung rechtfertigt in aller Regel sogar eine fristlose Kündigung.

Comicfigur älterer Arbeitnehmer
Comicfigur älterer Arbeitnehmer Quelle: ZDF


ZDFonline: Warum kann es sich lohnen, sich auch gegen den eigenen Vorgesetzten zur Wehr zu setzen?


Menssen: Es lohnt sich immer auch gegen einen Vorgesetzten zu wehren, wenn es um die Sache geht, wenn auch der Vorgesetzte in diesem Sinne streitet und ein fairer Verlierer ist. Wenn es sich um persönliche Angriffe handelt, die zudem fortdauern und bis zu einem Mobbing ausarten, ist die eigene Gesundheit gefährdet. Man muss sich deshalb schon aus Selbstschutz wehren. Handelt es sich nicht um den Arbeitgeber, sondern um einen Vorgesetzten oder um einen Kollegen, dann muss der Arbeitgeber dieses Mobbing unterbinden, anderenfalls macht er sich schadensersatzpflichtig.


ZDFonline: Und was können ältere Arbeitnehmer tun, damit sie bei Umstrukturierungen in der Firma nicht kalt gestellt werden?


Menssen: Der Arbeitgeber hat nicht nur das Recht, dem Arbeitnehmer Arbeit zuzuweisen und diese näher zu bestimmen, sondern auch die Pflicht. Jeder Arbeitnehmer hat daher einen Anspruch darauf, tatsächlich beschäftigt zu werden. Dieser Beschäftigungsanspruch kann notfalls auch gerichtlich durchgesetzt werden.

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