Wieso Fehler nützlich sein können

Ein Coach erklärt erfolgreiches Scheitern

Gesellschaft | sonntags - Wieso Fehler nützlich sein können

Der Coach und Psychologe Johannes Schaller über eine gute Fehlerkultur, die eine Chance für Selbsterneuerung, Kreativität und Innovation bietet - auch in Unternehmen.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 10.10.2019, 11:15

Scheitern und Niederlagen tun weh und sind das letzte, was man sich und seinen Nächsten wünscht. Dennoch gehören Fehler und Niederlagen zum Leben dazu, sollen geradezu Voraussetzung für Kreativität und menschliche Reife sein. Wie passt das zusammen?

Das Markenzeichen „Made in Germany“ ist überall in der Welt für Qualität bekannt und geschätzt. Doch das Label ist auch Sinnbild unserer Leistungsgesellschaft: immer effizient, immer am Optimum. Scheitern? – Unerwünscht. Dabei gehört Scheitern zum menschlichen Leben dazu, mehr noch, Evolution und Wissenschaft zeigen, dass die Bewältigung von Problemen Lernfähigkeit, Widerstandskraft und Kreativität des Betroffenen steigern.

Ein Schlussstrich eröffnet Chancen

"Failure" auf Bleitlettern
"Failure", Scheitern fördert Kreativität. Quelle: imago stock&people

Wer sich in Deutschland umschaut, findet zahlreiche Menschen, deren Geschichten beweisen, wie viel Potenzial freigesetzt werden kann, wenn das Leben einen radikalen Bruch fordert: Sportler, die aus jeder Niederlage neue Ziele definieren und dem Erfolg immer ein bisschen näher kommen. Unternehmer, die mit ihrem Unternehmen zwar scheitern, aber reicher an Erfahrung eine Chance auf eine stabilere und erfolgreichere Neugründung erhalten. (Ehe-)Partner, denen ein Schlussstrich die Möglichkeit auf eine neue Beziehung und ein neues Leben eröffnet, und so eine bessere Lebensqualität ermöglicht.

Längst hat sich die Wissenschaft dem Thema Fehler und Störungen angenommen. Das Plädoyer in der internationalen Literatur wird immer lauter: Wir brauchen eine höhere Fehlertoleranz und eine neue Fehlerkultur. Ob am sportlichen Ehrgeiz, in der Beziehung, in Studium und Traumberuf, überall wo unser Selbstkonzept irritiert wird, tut das Scheitern besonders weh – und genau hier, bei uns selbst, in der Veränderung, liegt auch unsere größte Chance.

Fehler produktiv nutzten

Scheitern ist schmerzlich, doch wer sich sein Scheitern eingesteht, schafft Raum für einen Neuanfang, die Möglichkeit, einen anderen Weg weiter und erfolgreicher zu beschreiten. Der Psychologe Johannes Schaller hat sich auf das Scheitern spezialisiert. Als Therapeut hilft er in Chemnitz Menschen, ihre Fehler produktiv zu nutzen und mit dem Scheitern gescheit umzugehen. Kognitive Verhaltenstherapie heißt die positive Bewältigung des Scheiterns und die Befähigung zur Problemlösung im Fachjargon.

Viele vermeiden jedoch krampfhaft einen Lebenswandel und Bruch in der eigenen Biographie. „Ich erlebe immer wieder Leute, die das Gleiche falsch machen, die gegen die gleiche Wand laufen und versuchen dort durchzukommen – beruflich, privat, egal in welcher Hinsicht“, berichtet Schaller aus der psychologischen Praxis. Dabei gebe es eine segenreiche und erfolgversprechende Frage: Wohin kann ich stattdessen gehen?

Eigene Stärken kennen lernen

Ein positives Beispiel für einen, der aus der Not eine Tugend machte, ist der „Schiffmeister“ Jan Degenhardt. Aus dem Ruin seiner ersten Segel- und Bootsfahrschule nach einem Zerwürfnis mit seinem damaligen Geschäftspartner, schafft er es – mit dem Rückhalt seiner Familie und seiner Freunde – seine eigene Segelschule aufzubauen, ohne Partner aber reicher an Erfahrung.

Scheitern ist die Möglichkeit sich selbst mit den eigenen Stärken und Potenzialen zu reflektieren und alle alternativen Lebensmodelle zu prüfen, um machbare und gute Ziele zu verfolgen. Hier liegt für Menschen wie für innovative Unternehmen eine große Chance.

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