Wird es gut gehen?

Gesellschaft | sonntags - Wird es gut gehen?

Mit vierzig bricht Erika Kerstner zusammen. Doch auch wenn es weh tut, stellt sie sich ihrer Vergangenheit. Heute, 20 Jahre später, kann sie darüber sprechen - auch dank ihrer Selbsthilfegruppe.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 18.01.2018, 16:26

Vertrauen ist einer der wichtigsten Ressourcen im Miteinander. Ein Vertrauensbruch etwa durch Gewalt hat oft verheerende Folgen. Wie lässt sich Vertrauen zurückgewinnen? Und kann man Vertrauen auch lernen?

Nachdem 2010 zahlreiche Fälle sexuellen Missbrauchs in der Kirche bekannt wurden, gab es viel Aufsehen. Nach wie vor scheint sich die Kirche mit der Aufarbeitung schwerzutun. Erst letzte Woche wurde bekannt, dass die wissenschaftliche Aufarbeitung der kirchlichen Missbrauchsfälle scheitert. Doch der Schaden bei den Opfern ist immens. Wer Gewalt und sexuellen Missbrauch erlebt hat, den lässt diese Erfahrung nicht mehr los. Für die Opfer bedeutet es einen tiefen Vertrauensbruch, der oft ihr ganzes Leben überschattet.


Wie sehr die Biografie der Betroffenen beschädigt ist, weiß Erika Kerstner genau. Die Grundschullehrerin gründete eine die Selbsthilfegruppe Gottes-Suche in Bruchsal. Mit ihrem Engagement gibt sie den Opfern eine Stimme, damit ihr Leid auch in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.


Im Glauben erschüttert


„Zwei Dinge sind für Gewaltüberlebende von existenzieller Bedeutung: Sie suchen nach Sinn, und sie brauchen die Solidarität anderer Menschen“, sagt Kerstner. Seit 13 Jahren trifft sie sich mit einer kleinen Gruppe von Frauen in ihrer Pfarrgemeinde. Über die Internetplattform: Gottes-suche.de vernetzt sie sich mit Frauen, die Gewalt erfahren haben und traumatisiert sind. Es passiert in der Familie, in der Schule oder Jugendarbeit, einer Beziehung oder Ehe. Diese Erfahrung erschüttert die Betroffenen und konfrontiert sie mit der Erkenntnis, dass nichts sicher und zuverlässig ist.


Zweifel am Glauben ist die Folge. In der anonym agierenden Selbsthilfe-Gruppe können die Frauen sich mit dieser Glaubensnot befassen. Zudem finden sie seelsorgerische Angebote, die anders als psychotherapeutische Behandlung auch ihre Suche nach Sinn berücksichtigen. Erika Kestner hat selbst in Familie und Kirche vielfältige Gewalt erlebt. Für ihre Arbeit mit Gewaltopfern hat sie im Januar 2012 das Bundesverdienstkreuz bekommen.

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