"Yiddish Summer"

Neben der Weiterbildung für Musiker hat sich der "Yiddish Summer" vor allem zum Ziel gesetzt, die Verständigung zwischen Juden und Nicht-Juden zu fördern. Man wolle versuchen, die nahezu untergegangene Kultur der Juden Osteuropas in Weimar erlebbar zu machen und weiterzuentwickeln.
Der künstlerische Leiter des Festivals, der amerikanische Akkordeonist Alan Bern, formuliert es so: "Wir wollen eine Diskussion anregen, wie wir die Widersprüche zwischen den Kulturen überwinden können. Dabei lernt jede Kultur auch etwas über sich selbst." Das Festival endet am 10.August.

Musik fürs Herz

Die Sonne scheint um diese Zeit nicht mehr in Weimar, aber sie erstrahlt im Herzen der Menschen. Jiddische Lieder erklingen im Café Frauentor - nur eine von 13 Jam-Sessions anlässlich des ersten "Yiddish Summers", dem wahrscheinlich kleinsten Festival seiner Art.

Programmdirektor Alan Bern ist angetan von der guten Stimmung in Weimar: "Ich bin erstaunt darüber, wie offen und ausgelassen alle Menschen hier sind heute Abend. Das scheint von sich jetzt irgendwie ins Rollen zu kommen. Das ist wunderbar."

Schwerpunkt Bessarabien

Die Kontakte zwischen Dozenten und rund 200 Schülern, Profis und Laien sind eng. Den Schwerpunkt bildet dieses Jahr Bessarabien, eine Region, die heute auf dem Gebiet Moldawiens und der Ukraine liegt und als Wiege jiddischer Kultur gilt.

"Die Zeit war gekommen, sich mit Bessarabien zu beschäftigen. Zudem wurde mein Vater in Bessarabien geboren und viele meiner Kollegen aus Amerika haben bessarabische Wurzeln und wir wollten Brücken schlagen zu bessarabischen Künstlern." meint Alan Bern.

Der Sänger Arkadi Gendler

Knapp 30 Stunden Reise liegen hinter dem 80-Jährigen. Sein ganzes Leben lang hat der Sänger jiddische Lieder gepflegt und gesammelt - fast sein ganzes Leben lang im Geheimen, verfolgt von den Nazis und später den Sowjets.


Als zehntes Kind einer jiddisch sprechenden Großfamilie überlebten nur Arkadi Gendler und ein einziger Bruder den Holocaust: "Aber ich lebe noch und weil ich noch lebe, will ich alles das, was ich mir gemerkt habe, der Jugend übergeben. Sie soll es weiterführen."

Jiddisch in der Goethestadt

In Weimar sprechen derzeit die Menschen aus der ganzen Welt eine Sprache, nämlich jiddisch. Bleibt zu fragen, ob auch Goethe jiddisch kannte?

Dazu meint Programmdirektor Alan Bern: "Goethe war auf jeden Fall interessiert an Interkulturalität und Beziehungen zu anderen Kulturen und Ländern. Ich glaube, wenn er Jiddisch nicht gekannt hat, dann wäre er daran interessiert."

Die Weimarer interessiert es auf jeden Fall. Noch fast zwei Wochen lang wird in der Goethestadt jiddisch-jüdisch musiziert. Dann zeigen die Musiker an ihren Instrumenten, was sie in den Workshops gelernt haben.

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