Zauberwort Integration

Einen Anfang stellte der Integrationsgipfel vom 14. Juli dar, zu dem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) 86 Repräsentanten des öffentlichen Lebens eingeladen hatte. Der Gipfel bildete den Auftakt für weitere Beratungen. Ziel ist es, bis Mitte 2007 einen nationalen Integrationsplan zu entwickeln, der verbindliche Maßnahmen zur besseren Integration vorgibt. Es gehe um ein gemeinsames Verständnis von Grundlagen und Werten, einen gesellschaftlichen Dialog und nicht um Gesetzgebungsprozesse, sagte die Bundeskanzlerin nach dem Treffen. Besonders im Bereich Sprachförderung, Schule und Bildung sollen neue Akzente gesetzt werden.

Kenntnis von Sprache und Kultur

Integration baut auf zwei Säulen auf: zum einen dem Erwerb der Sprache und zum anderen dem Verständnis der Kultur. Das Anfang 2005 in Kraft getretene Zuwanderungsgesetz, das Integrationskurse für die in Deutschland lebenden Ausländer vorsieht, trägt dem Rechnung. Ein Integrationskurs besteht aus 600 Unterrichtsstunden Deutsch als Zweitsprache und einem so genannten Orientierungskurs mit 30 Stunden. Dieser vermittelt Gesellschaftskunde - also Grundlagen über Deutschland und seine gesellschaftlichen Werte. Der nationale Integrationsplan soll die Weiterentwicklung solcher Kurse vorsehen.

"Die Beherrschung der deutschen Sprache ist eine unentbehrliche Voraussetzung für die Teilhabe am Alltag", bekräftigt Bekir Alboga, Integrations- und Dialog-Beauftragter der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DiTiB) den Stellenwert von Deutschkursen für Migranten. Außerdem müsse schon den Kindern "bewusster vermittelt werden, was die Kultur in Deutschland ausmacht und was Kulturvielfalt bedeutet". Wobei kulturelle Integration als Vermittlung allgemeiner Grundsätze, Regeln und Werte zu verstehen ist, nicht aber als Aufzwängen einer Einheitskultur.

Ein Stadtteil verbindet

Interkulturelle Kompetenz

Wie gelingende Integration aussehen kann, zeigt eine Schule im Hamburger Stadtteil Veddel. Dort wurde eine "Schul- und Stadtteilkantine" eröffnet, um die unterschiedlichen Bevölkerungsschichten des Stadtteils mit seinen rund 5000 Bewohnern zusammenzubringen. Keine leichte Aufgabe bei einem Ausländeranteil von 60 Prozent und dem Zusammentreffen von 31 Nationen.
Zudem werden offene Gesprächskreise angeboten, die den Bewohnern des Viertels Raum geben, frei ihre Meinung zu äußern und sich mit anderen auszutauschen. Integration als wechselseitiger Prozess wird hier zu einer Chance für einen Stadtteil, der als sozialer Brennpunkt gilt. Ein solcher Dialog zwischen deutscher Bevölkerung und Migranten ist unverzichtbar, um soziale Integration zu gewährleisten - der entscheidende Baustein neben Sprach- und Kulturverständnis. Dabei ist Wertschätzung statt Abwertung der anderen Kultur, also interkulturelle Kompetenz ein wesentliches Ziel. Ein Integrationsplan soll dazu beitragen, das Verständnis auf beiden Seiten zu fördern und damit Vorurteile abzubauen. Neben neuen Gesetzen sind daher vor allem alltagstaugliche Lösungen gefragt, die konkrete Handlungsrichtlinien zur Stärkung des interkulturellen Kontakts eröffnen.

Und diese interkulturelle Kompetenz wird auch durch symbolische Gesten gefördert. "Die gemeinsamen Werte für Migranten und Deutsche sind im deutschen Grundgesetz formuliert und gelten ohne Wenn und Aber", bestätigt Bekir Alboga. Dennoch würde er es begrüßen, wenn von der Bundesregierung ein deutliches Zeichen hinsichtlich der Akzeptanz von Muslimen in Deutschland gesetzt werden würde. Zum Beispiel durch einen Besuch der Bundeskanzlerin zu einem Ramadan-Fest.

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