Die Königshäuser in Geschichte und Gegenwart

Drei Fragen an Julia Melchior und Ulrike Grunewald

Die Autorinnen Ulrike Grunewald und Julia Melchior berichten von Erfahrungen und Herausforderungen bei ihrer Arbeit an royalen Dokumentationen.

Frage: Julia Melchior, Sie haben sich mit dem spanischem und schwedischem
Königshaus beschäftigt und werden den Thronwechsel
der Niederländer begleiten. – Dr. Ulrike Grunewald, Ihr Thema
sind die Windsors. Was waren für Sie beide die besonderen Herausforderungen
bei Ihren royalen Dokumentationen?

Julia Melchior: In unserer diesjährigen Sendereihe porträtieren wir
die Königshäuser aus der Innenperspektive. Wie sind die Häuser organisiert?
Was bedeutet das Amt an der Staatsspitze für die königliche
Familie? Stimmt das Verhältnis von Kosten und Nutzen? Das sind
die Leitfragen, denen wir uns stellen. Dafür mussten wir den Blick hinter
die Kulissen werfen. Wir haben die Königsfamilien begleitet, mit
den Mitarbeitern gesprochen und nicht nur die öffentlichen Auftritte,
sondern auch die Vorbereitungen für wichtige Ereignisse beobachtet.
Die Königshäuser bieten Kulissen für eindrucksvolle Bilder. Wir zeigen,
wie die "Traumfabrik Königshaus" dahinter funktioniert. Diese
Nähe zu schaffen und dabei doch den gebotenen Abstand zu wahren,
war die größte Herausforderung.


Ulrike Grunewald: Das britische Königshaus gilt traditionell als eher
zugeknöpft. Keine Interviews mit Familienmitgliedern, die Queen hat
selbst für das britische Fernsehen noch nie eine Ausnahme gemacht.
Will man also etwas über die Wirklichkeit hinter den Kulissen der
"Traumfabrik" erfahren, muss man kompetente Gesprächspartner finden.
Wer trägt nur Klatsch und Gerüchte weiter, wer ist wirklich informiert
und hat Einblick in die verborgene Welt des royalen Alltags? Da
gilt es, die Spreu vom Weizen zu trennen. Durch unsere jahrelange
Erfahrung mit Dokumentationen über das britische Königshaus ist das
ZDF-Studio in London inzwischen eine erste Adresse für Historiker,
Biografen und die sogenannten "Royal Watcher" mit ihren Quellen im
Palast. Sie alle stehen Susanne Gelhard, Studioleiterin in London, und
mir immer wieder Rede und Antwort, auch Freunde und Schulkameraden
der jungen Windsors hatten und haben wir vor der Kamera. Alle
wissen: Wir gehen mit ihnen und dem Thema fair um und versuchen,
auch die historische und politische Dimension der Monarchie auszuleuchten.
Ironie ist dabei ebenso fehl am Platze wie Anbiederung.

Frage: Wie sind Sie jeweils an das Thema "Königshaus" herangegangen?

Julia Melchior
Julia Melchior

Julia Melchior: Wir betrachten die Königshäuser in Gegenwart und Geschichte. Im Fall der Spanier zum Beispiel ist es interessant, wie sich das Königshaus 1975 mit der Rückkehr der Bourbonen auf den Thron komplett neu definiert hat. Während man sich am spanischen Hof früher noch Mundschenke und Hofnarren hielt, gibt es seit König Juan Carlos nicht einmal mehr einen Hof. Für das Amt an der Staatsspitze arbeitet heute ein überschaubares und professionell aufgestelltes Team von Beamten, Diplomaten, Managern und Militärs. Die Anzahl der Mitarbeiter im Königshaus entspricht etwa der Anzahl der Hofdamen, die noch zu Zeiten von Juan Carlos' Großeltern im Palast dienten. Das schwedische Königshaus ist im Vergleich zu den Spaniern zwar nicht weniger effizient, aber doch viel traditionsbewusster. In Schweden stehen noch Damen aus dem Adel im Dienst der Königsfamilie, und das Hofzeremoniell wird noch gelebt.


Ulrike Grunewald: Der Monarchie in Großbritannien haftet ein märchenhaftes
Image an. All der Pomp, all die Paraden, die Kutschen und
Uniformen, die hunderte von Jahren alt sind – das fasziniert auch in
modernen Zeiten, weil es gelebte Historie repräsentiert. Das ist allemal
spannender als ein Geschichtsbuch. Millionen von Besuchern
drängen sich vor den Palästen, um vielleicht doch einen kurzen Blick
auf die Königin oder die Prinzen und Prinzessinnen zu erhaschen. Von
Elizabeth II. wissen wir, dass sie es als junges Mädchen gerne umgekehrt
machte: Sie versteckte sich hinter einem Vorhang an einem Fenster
im Buckingham Palast, um nach draußen zu spähen und die Menschen
vor dem Palast bei ihren alltäglichen Verrichtungen zu beobachten.
Dieser Perspektivwechsel ist spannend und sagt viel über das
eigentliche Wesen der Monarchie aus. Wir wollen wissen, wie die britische
Gesellschaft auf ihr Königshaus blickt, welche Faszination die
jungen Royals auch bei uns ausüben. Wir wollen aber auch erfahren,
wie die Protagonisten der Krone auf das Leben außerhalb der Palastmauern
blicken, das für sie ewig unerreichbar sein wird.

Frage: Gibt es in Ihren Filmen Aspekte, auf die Sie besonders stolz
sind?

Julia Melchior: Wir hatten Zutritt zu Bereichen, die der Öffentlichkeit
sonst verborgen bleiben. Wir haben zum Beispiel im Zarzuela-Palast
gedreht, dem Wohn- und Amtssitz der spanischen Königsfamilie, und waren beim Staatsbesuch des türkischen Präsidenten in Stockholm
dabei. Da hat der Palast seine ganze Pracht entfaltet. Für einen Präsidenten
stehen Staatsbesuche ja regelmäßig auf dem Dienstplan. Aber
ein Besuch im schwedischen Palast beeindruckt jedes Staatsoberhaupt.
Das Hofzeremoniell ist sehr eindrucksvoll, und die Schweden
sind großartige Gastgeber, was sie nicht nur bei Staatsbesuchen,
sondern auch bei Hochzeiten unter Beweis stellen. Natürlich widmen
wir uns in unserem Film über das schwedische Königshaus auch der
bevorstehenden Hochzeit von Prinzessin Madeleine.

Ulrike Grunewald
Ulrike Grunewald



Ulrike Grunewald: Seit einiger Zeit ist es unserem Kamerateam immer wieder erlaubt, mit der Queen oder William und Harry auf Reisen zu gehen. In Australien waren ZDF-Korrespondentin Susanne Gelhard und Kameramann Stephan Radke die einzige ausländische Crew im royalen Pressepool, der gewöhnlich nur mit britischen Kollegen besetzt ist. So entstehen immer wieder faszinierende filmische Studien, die viel über die Persönlichkeit der Mitglieder der Königsfamilie aussagen. Das Fernsehen lebt von solchen Bildern! Die Medienmanager im Palast beobachten, wie wir berichten und kennen unsere Filme. Dabei entscheiden sie in jedem Fall neu, wieviel Zugang sie uns gewähren. Mit den Jahren ist das Vertrauen entstanden, dass wir auch mit den royalen Themen ohne Häme umgehen. Dabei berichten wir natürlich auch über Skandale oder Kritik, aber immer mit der gebotenen journalistischen Distanz. Das wird in Großbritannien geschätzt. Der Fotograf Arthur Edwards, der die Queen seit dreißig Jahren begleitet und auch Prinz William von Kindesbeinen an kennt, hat uns in diesem Jahr den einzigen Interviewtermin reserviert, den er wahrnehmen kann. Für uns eine besondere Anerkennung.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet