Sie sind hier:

Wie viele Menschen in welches Land?

Tausende Geflüchtete, 27 EU-Länder - doch wie teilt man die Menschen auf der Flucht gerecht auf? Das ist eine schwierige Frage, die schon seit Jahren diskutiert wird. Die EU-Politiker haben jetzt einen neuen Vorschlag.

Datum:

Stellt euch mal Folgendes vor: Ihr kommt an einem stürmischen Regentag durchgefroren zuhause an, wollt euch nur noch in der gemütlichen Wohnung aufwärmen, klingelt an der Tür - und eure Eltern sind noch nicht da. Ihr müsst also draußen warten, obwohl direkt vor euch die trockene Wohnung ist.

So ähnlich geht es vielen Geflüchteten: Sie haben es eigentlich schon nach Europa geschafft und warten nur noch darauf, endlich aufgenommen zu werden. Dabei geht es ihnen sehr schlecht: Sie müssen zum Beispiel in griechischen Flüchtlingslagern unter schwierigen Bedingungen warten, bis entschieden wird, ob sie aufgenommen werden oder nicht.

Flüchtlinge auf Lesbos
Geflüchtete auf der griechischen Insel Lesbos: Warten unter sehr schwierigen Bedingungen
Quelle: reuters

Diese lange Wartezeit ist also ein großes Problem - und trotzdem diskutieren die 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union schon seit Jahren über diese Frage: Wer nimmt wie viele Menschen auf? Eine gerechte Lösung für alle Mitgliedsstaaten zu finden, ist dabei sehr schwierig: Denn manche Länder wollen keine oder weniger Geflüchtete aufnehmen als andere - warum das so ist, erfahrt ihr hier:

Wie es bisher ist:

Bislang gilt eine Regel, die so heißt wie die Stadt, in der sie beschlossen wurde: das Dublin-Verfahren. Demnach ist das Land, in dem die Geflüchteten als Erstes ankommen, auch für sie verantwortlich.

So richtig gerecht finden viele diese Regel allerdings nicht: Denn viele Geflüchtete kommen übers Mittelmeer nach Europa - und deshalb sind südliche Länder wie Griechenland oder Italien automatisch die erste Station für sie. Für diese Länder ist die Situation ganz schön schwierig und sie fühlen sich von der restlichen EU alleine gelassen.

EU-Fahnen vor dem Gebäude der EU-Kommission in Brüssel
So sieht das Gebäude der EU-Kommission in Brüssel aus.
Quelle: colourbox

Deshalb hat die EU im Jahr 2015 überlegt, dass jeder Mitgliedsstaat einen bestimmten Anteil an Geflüchteten aufnehmen muss - je nachdem, wie groß das Land ist und wie viel Geld es hat. Das nennt man eine Quote. Das Prinzip ist so ähnlich, wie wenn eine Familie festlegt, wie viel die einzelnen Kinder im Haushalt helfen müssen - die älteren Geschwister müssen mehr machen, kriegen dafür aber auch mehr Taschengeld.

Doch wenn die jüngeren Geschwister ihren Teil des Putzdienstes nicht übernehmen wollen, ärgern sich die älteren Kinder und wollen sich auch nicht mehr an die Regel halten. So ähnlich ist das auch in der EU: Weil manche Länder sich nicht an die Quote halten und gar keine Geflüchteten aufnehmen wollen, finden andere Länder die Regelung ganz schön ungerecht.

Flüchtlinge in einem Boot auf dem Mittelmeer
Geflüchtete in einem Boot auf dem Mittelmeer
Quelle: reuters

Was jetzt vorgeschlagen wird:

Die EU-Kommission hat nun einen neuen Vorschlag. Der trägt den komplizierten Namen "Asylreform" und klingt deutlich strenger als bisher. Der Vorschlag beinhaltet unter anderem Folgendes:

  • Die Entscheidung, wer an den äußeren Grenzen aufgenommen wird und Asyl bekommt, soll schneller passieren. Wenn ein Mensch kein Asyl erhält, soll er direkt wieder in seine Heimat abgeschoben, also zurückgeschickt werden.
  • Bei einer schnellen Abschiebung will die EU Länder wie Griechenland oder Italien unterstützen, die sich direkt am Rand von Europa befinden und in denen deshalb die meisten Menschen ankommen. Geflüchtete, die nicht in Europa bleiben dürfen, müssen also direkt wieder zurück in ihre Heimat - ohne lange Wartezeit in den südlichen Ländern.
  • Die EU will sich mit den Ländern absprechen, aus denen die meisten Geflüchteten kommen. Die heißen auch Herkunftsländer. Damit soll verhindert werden, dass weiterhin so viele Menschen den Weg übers Mittelmeer nehmen - denn der ist sehr gefährlich. Stattdessen will die EU manchen Menschen die Einreise direkt auf sichererem Weg erlauben - zum Beispiel, wenn es in Europa Arbeitsplätze für sie gibt.
Flüchtlinge erreichen mit einem Schlauchboot die griechische Insel Lesbos
Flüchtlinge erreichen mit einem Schlauchboot die griechische Insel Lesbos
Quelle: ap

Die Reaktionen auf diesen neuen Vorschlage sind ganz unterschiedlich: Manche finden die Regeln zu allgemein oder zu locker. Andere finden im Gegenteil, dass die EU mehr Geflüchteten helfen sollte - zum Beispiel viele Hilfsorganisationen. Ob der neue Vorschlag so einfach in die Tat umzusetzen ist, kann man momentan noch nicht sagen.

Diesen Text hat Debbie geschrieben.

Gemerkt auf "Mein ZDFtivi" Nicht mehr gemerkt Mag ich Mag ich nicht mehr Gemerkt auf "Mein ZDFtivi" Nicht mehr gemerkt Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du bist dabei, den Kinderbereich zu verlassen. Möchtest du das wirklich?

Wenn du den Kinderbereich verlässt, bewegst du dich mit dem Profil deiner Eltern in der Mediathek!